Schlechte Ernteprognosen für Braugerste: Neumarkter Brauereien geraten unter Druck

Von Heidi Bauer · 26. Juli 2023 um 11:00

Steigende Kosten für Rohstoffe, Energie und Löhne, Inflation, die Menschen trinken weniger Bier und nun auch noch schlechte Ernteaussichten aufgrund der Trockenheit: Neumarkter Brauereien kämpfen mit einer Vielzahl an Problemen. Jede für sich sucht nach Lösungen – auch mit Auswirkungen auf die Biertrinker.

„Auf meinen Fahrten treffe ich zum Teil sehr aufgebrachte Landwirte“, lässt Walter König, Geschäftsführer der Braugersten-Gemeinschaft wissen. Auch im Landkreis Neumarkt bleibe die Ernte bei der Sommergerste, die zum Brauen genutzt wird, hinter den Erwartungen zurück, sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Michael Gruber.

„Wir gehen nicht von einer Jahrhundert-, aber auch nicht von einer Katastrophenernte aus“, schätzt Johannes Ehrnsperger von der Neumarkter Lammsbräu die Lage ein. Ähnlich äußern sich andere örtliche Brauer. Sie befürchten, dass die Qualität der Braugerste schlechter, das Korn kleiner als gewöhnlich ist.

Neumarkter Brauereien setzen auf Braugerste von Landwirten aus der Region

Für die Landwirte heißt das wiederum: Der Anbau von Sommergerste wird immer mehr zum Verlustgeschäft und lohnt sich nicht mehr. Deswegen würden sich wohl viele davon verabschieden, prophezeit BBV-Obmann Gruber.

Um sich das Malz fürs Bier zu sichern, versuchen deswegen immer mehr Brauereien, regionale Landwirte unter Vertrag zu nehmen. Die Neumarkter Lammsbräu geht diesen Weg schon lange und bezieht ihre Braugerste von einer Erzeugergemeinschaft mit rund 180 Landwirten aus der Region. Das Bio-Getreide wächst auf Feldern im Umkreis von 50 Kilometern rund um Neumarkt.

In der brauereieigenen Mälzerei – laut Ehrnsperger „eine der modernsten in Deutschland“ – werden jährlich rund 4500 Tonnen Getreide zu etwa 3000 Tonnen Malz verarbeitet. Die Rahmenverträge mit den Mitgliedern der Erzeugergemeinschaft laufen über fünf Jahre – darin sind auch die Preise festgelegt. Das gebe beiden Seiten Planungssicherheit und sorge für Preisstabilität, sagt Ehrnsperger.

Die Neumarkter Gansbrauerei setzt ebenfalls auf Braugerste von Landwirten aus der Region. Und sie legten Wert auf faire Preise, unterstreicht Geschäftsführer Goswin Diepenseifen. Er stuft die aktuelle Lage als schwierig ein: Die für die kommende Saison von Oktober bis September 2024 benötigte Ware sei zwar unter Vertrag. Doch sorgten die schlechten Ernteprognosen für eine noch angespanntere Lage als im vergangenen Jahr.

Energiekosten und Preise für Getreide sind explodiert: Das hat Folgen für Kunden

Deswegen versucht die Gansbrauerei laut Diepenseifen verstärkt, Landwirte zu gewinnen, die exklusiv für sie Braugerste anbauen. Das biete beiden Seiten „Versorgungssicherheit“. Wegen der Preise müsse man mit den Bauern im Gespräch bleiben. Könnten sie nicht kostendeckend arbeiten, wechselten sie langfristig die Feldfrucht.

Winkler in Lengenfeld hat als regionale Brauerei ebenfalls den Anspruch, die „Braugerste für unser Bier aus dem regionalen Anbau zu gewinnen“, sagt Geschäftsführer Georg Böhm. Sie hat bereits zwei regionale Landwirte unter Vertrag genommen. Doch auch sie gerät zunehmend unter Druck: Seit vier, fünf Jahren wirtschafte man von Ernte zu Ernte, ohne einen Überhang zu haben.

Deswegen überlegt Böhm, vielleicht Wintergerste beizumischen. Unter Umständen müsse man „raus aus der Ideologie“ und den Brauprozess an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen: „Wichtig ist, dass das Bier schmeckt.“

Bei der Glossnerbräu sei der Bezug von Malz derzeit sichergestellt, sagt Brauereichef Michael Gloßner. Sie hat zwar keine eigene Mälzerei, bezieht ihr Malz aber aus Bayern. Und die Verträge laufen langfristig.

Doch das half nur bedingt, als 2022 infolge des Kriegs in der Ukraine die Energiekosten und Preise für Getreide auf dem Weltmarkt geradezu explodiert sind. So mussten auch die heimischen Brauereien ihre Lieferanten besser entlohnen und für Energie tiefer in die Tasche greifen.

Die Mehrkosten zahlen zum Teil nun auch die Verbraucher. So geht der Kasten Bier bei der Lammsbräu seit Beginn des Jahres für 1,30 Euro mehr an den Großhändler. Keine einfache Entscheidung, wie Geschäftsführer Johannes Ehrnsperger zugibt. Denn zum einen werde weniger Bier getrunken und zum anderen reagierten die Kunden aufgrund der Inflation sehr sensibel auf Preissteigerungen.

2022 verkaufte die Neumarkter Lammsbräu 7404 Hektoliter Bier weniger als im Vorjahr

Das gehe insbesondere zu Lasten der Biobranche, weil viele Verbraucher sparten oder aber glaubten, Bio-Produkte seien grundsätzlich teurer. Ehrnsperger belegt das mit konkreten Zahlen: Im vergangenen Jahr verkaufte die Neumarkter Bio-Brauerei 98379 Hektoliter Bier – 7404 Hektoliter weniger als im Vorjahr.

Nicht ganz so spürbare Rückgänge verzeichnen Gansbräu, Winkler Bräu und Glossnerbräu, die im Frühling den Bierpreis ebenfalls um einen Euro pro Kasten angehoben haben. Bei der Winkler Bräu sei die Nachfrage nach Bier nach „gedämpfter Stimmung“ wieder gestiegen, bilanziert Geschäftsführer Böhm. Auch er stellte fest, dass die Kunden „sensibel auf die Preisanpassung“ reagierten, sich der Absatz jedoch nach den Corona-Jahren nun wieder erhole.

Wenngleich der Bierdurst geringer ist und zu wenige Niederschläge die Braugerstenernte schlechter ausfallen lassen, gibt es doch auch eine gute Nachricht: Zumindest das Brauwasser sprudelt weiter. Die Glossnerbräu und die Lammsbräu beziehen es aus eigenen Brunnen in 50 bis 70 Metern Tiefe, um so den Ansprüchen an Mineralwasser gerecht zu werden. Ihre Geschäftsführer gehen davon aus, dass die beiden Brauereien noch lange aus ihren Quellen schöpfen können. Die Gansbrauerei und die Winkler Bräu nutzen die öffentlichen Wasserversorgung, um ihr Bier zu brauen.

Die Neumarkter Lammsbräu bezieht ihre Braugerste von heimischen Landwirten, unterstreicht Geschäftsführer Ehrnsperger.