Ausflug zu den Rittern: Warum gibt es so viele Burgruinen rund um Neumarkt?

Die Burgruine Wolfstein oberhalb Neumarkts kennen viele, doch die Wälder auf den Höhen rund um die Stadt verbergen noch mehr Überbleibsel der Ritter. Wir zeigen, warum so viele Burgen hier einst entstanden, was mit ihnen passierte und wo es sich lohnt, selbst vorbeizuschauen.
Haimburg, Heinzburg, Racklburg, Burg Troßberg westlich von Ammelhofen (Gemeinde Pilsach), jene auf den Bergen bei Rittershof, Stauf, Gnadenberg und auf dem Ottenberg bei Pilsach: Die Liste ließe sich weiterführen. Zumal sich auch in anderen Gebieten des Landkreises weitere Burgen und häufiger noch Ruinen finden. Vor allem der Raum Velburg fällt dabei ins Auge.
Doch bleiben wir im Neumarkter Talkessel und den angrenzenden Täler von Schwarzach und Pilsach. „Es ist schon ein massiertes Vorkommen im Raum Neumarkt zu finden“, sagt Robert Giersch. Der Bauhistoriker und Kreisheimatpfleger des Landkreises Nürnberger Land erforschte einst für die Wolfsteinfreunde die Geschichte der gleichnamigen Ruine oberhalb Neumarkts. Im Zuge dessen setzte er sich auch mit den Burgen rundum auseinander.
Burgen rund um Neumarkt sind heute Ruinen
Heute ist von den Burgen meist wenig übrig. Die Reste sind unterschiedlich alt und Zeugnisse der wechselhaften Geschichte der Region. Verkürzt kann man das Entstehen und Verschwinden von Burgen so zusammenfassen: Herscher kamen und gingen – und mit ihnen deren Gefolgsleute. Kriege führten zu Zerstörung. Die sich veränderte Militärtechnik stellte neue Anforderungen und machte irgendwann Burgen unnötig bzw. für manche nicht mehr bezahlbar.
Wenn man genauer hinschaut, verdeutlichen die Ruinen noch eines: Landläufige Vorstellungen von Burgen, dem Leben darauf sowie dem Mittelalter an sich sind meist unscharf. Das dunkle Mittelalter war gar nicht so dunkel, wenn man das mit simpel gleichsetzen will. Wie das Leben damals funktionierte und insbesondere, wer was besaß, war keineswegs unkompliziert. Besitzverhältnisse konnten sehr kleinteilig sein und veränderten sich im Laufe der Jahrhunderte. Gleich blieb meist eines: Den eigenen Machtanspruch verdeutlichte man gerne in Form von Burgen.
Wobei auch nicht jeder Adelige einfach so eine Burg bauen durfte. „Das Burgenbauen war ursprünglich ein Recht der Könige“, sagt Giersch. Im Laufe der geschichtlichen Wirren verlor sich dieses Vorrecht mehr und mehr, so dass auch die mächtigeren Adeligen das Recht für sich beanspruchten.
Staufer sorgten für einen Bauboom von Burgen in der Region Neumarkt
Doch zunächst waren es die staufischen Könige – zu ihnen gehört beispielsweise Friedrich I. Barbarossa –, die den Burgenbau in der Region Neumarkt im 12. und 13. Jahrhundert vorantrieben. Hier sicherten sie damit nicht nur ihren Herrschaftsanspruch, sondern auch den Handelsweg Nürnberg - Regensburg.
Für die Verwaltung des Gebiets setzten die Könige sogenannte Ministeriale ein, die in den Burgen lebten. Ähnlich hielten es die Mächtigen, die in den Jahrhunderten nach den Staufern sich um die Region rangelten und mit Burgen ein Zeichen setzten. Die Burgruine Wolfstein ist ein Beispiel dafür. Als die Wittelsbacher schließlich Anfang des 15. Jahrhunderts Neumarkt zu einer Residenz machten, brauchte es ebenfalls repräsentative Sitze für die adeligen Gefolgsleute.
Symbolik sei bei den Burgen oftmals wichtiger gewesen als ihr militärischer Wert, erklärt Giersch. Viele der Burgen rund um Neumarkt dürfe man sich nicht als massive steinerne Bastionen vorstellen. Ein zentrales Merkmal sei aber bei allen der Turm gewesen. In dessen Größe wollten die Burgherren ihre Bedeutung ausdrücken.
Dreißigjähriger Krieg zerstörte zahlreiche Burgen im Raum Neumarkt
Burgen veränderten im Laufe der Jahrhunderte ihr Aussehen durch die sich entwickelnde Belagerungstechnik (vor allem Artillerie) und durch Ansprüche ans Wohnen sowie architektonische Moden. Abhängig war dies jedoch vom Geldbeutel des Burgherrn.
Was dazu überleitet, warum heute nur noch Reste von Burgen rund um Neumarkt zu finden sind. Vor allem der Landshuter Erbfolgekrieg und der Dreißigjährige Krieg führten laut Giersch zu Zerstörungen, die zu beheben mancher Burgherr das Geld nicht hatte. Hinzu kam, dass die Burgen ihren militärischen Wert allmählich verloren. Weil die Wohnqualität meist auch nicht viel hermachte, verließen die Bewohner sie zugunsten von bequemeren Häusern. Die Burgreste lieferten in den Jahrhunderten danach Baumaterial für so manches bürgerliche und bäuerliche Haus.
Geblieben sind uns heute in der Region Neumarkt daher vor allem viele sogenannte „aufgelassene“ Burgen. Gräben und Wälle haben Spuren im Gelände hinterlassen, die man aber meist nur mit geübtem Auge sieht. Die Heinzburg nördlich von Pölling ist ein Beispiel dafür. Heute sind ihre Wälle und Gräben beliebt bei Mountainbikern und Ziel von Wanderern. Echte Ruinen mit Resten von Steinmauern, finden sich nur wenige. Allen voran natürlich am Wolfstein und bei der Haimburg oberhalb des gleichnamigen Ortsteils von Berg.
Trotzdem ist Robert Giersch überzeugt: Auch wenn viele Burgen nicht mehr in voller Pracht zu sehen seien, regten ihre Reste doch unsere Fantasie an. Und jene noch sichtbaren Landmarken wie der Wolfstein machten unsere Landschaft aus.
Wer sich über Burgen und deren Reste in der Region Neumarkt belesen will, findet dazu von Herbert Rädle das Buch „Burgen und Burgställe im Kreis Neumarkt – Ein Führer zu historischen Stätten“. Robert Giersch empfiehlt zudem die Reihe Kunstdenkmäler Bayerns. In Band 17 für den Raum Neumarkt sind auch die Burgen und deren Reste erfasst.
Wanderungen zu Burgruinen rund um Neumarkt
Ausgangslage: Viele der Burgen in unmittelbarer Umgebung Neumarkts sind nur noch durch Spuren im Gelände zu erkennen. Eine komplette Burg gibt es gar nicht und nur wenige Ruinen mit Mauerresten. Die meisten sind zudem im Wald und abseits von Wanderwegen. Ein paar kann man aber erwandern.
Haimburg: Klar, der Wolfstein ist die sichtbarste Burgruine und ein logisches Wanderziel. Mauerreste bietet aber auch die Haimburg oberhalb des gleichnamigen Ortsteils von Berg. Man erreicht sie dort über Wege, darf das Areal der Ruine wegen Einsturzgefahr aber nicht betreten. Mauerreste, die Größe der Anlage und des Grabens sind aber auch von außen sichtbar.
Heinzburg: Auf der weithin sichtbaren Heinrichsbürg stand im Mittelalter die Heinzburg. Heute erfreuen sich die Mountainbiker an den verbliebenen Wällen und Gräben. Man kann die Reste aber auch zu Fuß über die Markierung der Zeugenbergrunde und schöne Waldwege erreichen.
Racklburg: Einst thronte oberhalb des Rohrenstädter Tals (Gemeinde Berg) die Racklburg. Zu sehen ist von ihr nicht mehr viel. Infotafeln erklären ihre Geschichte. Zu erreichen ist sie über den Rundweg durchs Rohrenstädter Tal.

