Nittenaus neuer Stadtpfarrer Holger Kruschina bringt seine Fische mit

Von Cornelia Lorenz · 6. Juli 2023 um 15:00

Holger Kruschinas erster Tag als Stadtpfarrer in Nittenau ist zwar erst am 1.September, doch der 52-Jährige hat schon einen Plan: Die 22 Kilometer Fußweg von seiner alten Wirkungsstätte Roding zu seiner neuen Pfarrstelle will er an diesem Tag zu Fuß zurücklegen.

Hinter dieser Idee verbirgt sich nicht etwa sportlicher Ehrgeiz. Für Kruschina ist die Wanderung wichtig, um den Wechsel nach Nittenau bewusst zu vollziehen. „Man braucht Zeit, um Abschied zu nehmen, und Zeit, anzukommen“, sagt er. Einen Rucksack, voll gepackt mit Brotzeit, will er nicht mitnehmen, sondern sich stattdessen lieber in einer Wirtschaft am Wegesrand stärken.

So bleibt im Gepäck genug Platz für Gegenstände, die Kruschina besonders am Herzen liegen – sein „Hauskreuz“ und ein Bildnis des Heiligen Gerolds, von dem sich der Vorname Holger ableiten lässt.

Mit der Wanderung nach Nittenau bricht für Kruschina endgültig ein neuer Lebensabschnitt an. Im März hatte Stadtpfarrer Adolf Schöls seinen Wechsel nach Falkenstein bekannt gegeben, parallel informierte Kruschina in Roding seine Gemeinde über seine neue Wirkungsstätte.

Kruschina zieht zunächst in eine Ferienwohnung

Mittlerweile ist der Umzug in greifbare Nähe gerückt, doch ganz reibungslos geht er nicht vonstatten: Erst ab etwa 20.September kann Kruschina seine Wohnung im Nittenauer Pfarrhof beziehen, da sein Vorgänger voraussichtlich auch erst dann nach Falkenstein übersiedeln kann. Eine Übergangslösung haben die beiden Seelsorger bereits gefunden: Kruschina wird zunächst in einer Ferienwohnung des Gasthauses Jakob Quartier beziehen.

Für Kruschina sind Ortswechsel nichts Neues. Aufgewachsen ist er in Brand im Landkreis Tirschenreuth. Nach Abitur und Studium wurde er am 29. Juni 1996 im Regensburger Dom zum Priester geweiht. Es folgten ein Diakonatsjahr in Straubing und sechs Jahre als Kaplan und Pfarradministrator in Furth im Wald. Nach einer Zeit als Landvolk- und Landjugendpfarrer trat Kruschina 2011 seine Stelle als Stadtpfarrer von Roding an. Für den Umzug nach Nittenau ist er bereits fleißig am Aussortieren: Er habe sich zum Beispiel vom mittlerweile veralteten Teil seiner Fachliteratur getrennt,, ebenso von seiner umfangreichen Zeitschriftensammlung. „Ich will Dinge nicht mehr horten“, sagt er. Und noch etwas wird er bei diesem Umzug anders machen als bisher: Diesmal holt er sich Hilfe von einem Umzugsunternehmen.

Im Aquarium leben Welse, Neonfische und Trauermäntel

Das wird sich auch darum kümmern, dass Kruschinas Aquarium heil in Nittenau ankommt. Es ist mit 100 Litern Fassungsvermögen nicht sehr groß, doch die 20 darin lebenden Welse, Neonfische und Trauermäntel liegen dem neuen Stadtpfarrer am Herzen.

Viel Freizeit wird Kruschina auch in Nittenau nicht haben,, schließlich bekleidet er weiterhin das Amt des Regionaldekans. Außerdem ist er bischöflicher Beauftragter für das Diözesankomitee. Dass er tatsächlich einmal nichts zu tun habe, komme nicht vor, sagt Kruschina. Ab und an sei er zwar „ein Couch-Potato“, aber dann falle ihm immer schnell etwas ein, das er erledigen könnte. „Meine Arbeit ist sehr vielfältig. Ich erhole mich bei der einen Sache von der anderen.“

Sein Hauskreuz und ein Bildnis des Hl. Gerold nimmt Kruschina mit auf seine Wanderung nach Nittenau.