Von Roding nach Nittenau: Pfarrer Kruschina über seinen überraschenden Wechsel

Von Martin Kellermeier, Bastian Schreiner · 6. April 2023 um 05:00

Holger Kruschina (52) ist nur noch wenige Monate Stadtpfarrer von Roding. Er wechselt ab September in die Nachbarstadt Nittenau und tritt dort die Nachfolge von Adolf Schöls (57) an. Im Interview spricht er über die Gründe für den für viele überraschenden Abschied, prägende Erlebnisse in Roding und die neue Aufgabe in Nittenau.

Herr Pfarrer, Nittenau ist Ihre nächste Station. Wie ist es zu diesem Entschluss gekommen?

Kruschina:Das Ziel war immer klar formuliert: Zwischen 12 und 15 Jahren möchte ich rechtzeitig noch mal wechseln, weil ich es nicht gut finde, wenn man viele Jahrzehnte in einer Pfarrei bleibt. Und je näher die Zahl rückt, desto eher schaut man auf die Ausschreibungen und ob jetzt eine Option dabei ist. Ich weiß nicht, was nächstes oder übernächsten Jahr ist.Und in diesem Fall hat es mit Nittenau jetzt tatsächlich gepasst.

Ihr Abschied kommt für viele überraschend. Wie geht es in Roding weiter?

Es ist heuer in der Diözese wahnsinnig viel los. Es gibt einige Löcher, mit denen man im Personalreferat vor ein paar Monaten noch nicht gerechnet hat. Insofern wird es schwierig. Für Roding ist aber eine eigene Ausschreibung erfolgt.

Welchen Eindruck haben Sie von Ihrer neuen Wirkungsstätte?

Als Landvolkpfarrer war ich in der ganzen Diözese unterwegs – und es gibt fast keine Ecke, die ich nicht irgendwie kenne, schon mal besucht oder einen Gottesdienst gefeiert habe. Das war in Nittenau auch der Fall. Auch mit dem Ensemble war ich schon hier. Im vergangenen Jahr habe ich bei einer Taufe ausgeholfen. Ich bin schon durch Nittenau gewandert, durchgeradelt und durchgefahren. Aber näher beschäftigt habe ich mich nicht.

Sanierter Kirchturm, schönes Pfarrheim, neuer Pfarrhof: Was ist ihr baulicher Eindruck?

Das ist natürlich der größte Unterschied zu Roding, und ich gestehe, dass ich nichts dagegen habe, dass ich zumindest am Anfang nichts mit Baumaßnahmen zu tun habe. Das ist ja ein Thema, dass mich in Roding die ganzen zwölf Jahre begleitet hat. Das ist auch der Stachel im Fleisch meiner Tätigkeit in Roding, dass es mir nicht gelungen ist, die Dinge besser und zügiger abzuschließen. Es hat viele Gründe gegeben. An mir ist es nicht gelegen. Man hat mit vielen Komponenten zu kämpfen, die man nicht in der Hand hat. Das ist nicht einfach. Da bin ich nicht böse, dass es in Nittenau gerade anders ist.

Neben Ihren Aufgaben in Nittenau bleiben Sie weiter Regionaldekan für Cham und sind im Diözesankomitee. Geht sich das aus? Sind Sie deshalb auch froh, dass Sie in Nittenau ausreichend Personal vorfinden?

Die Struktur der Pfarrei in Nittenau erschwert mir zumindest die Ausübung meiner zusätzlichen Aufgaben nicht. Das ist auch relevant, war aber nicht ausschlaggebend. Das ist eher der zweite oder dritte Gedanke gewesen. Natürlich habe ich dem Bischof das gesagt. Er hat mich ja zumRegionaldekanberufen. Er hat mich zunächst gebeten, das Amt zu behalten. Es kann aber sein, dass er nächsten Jahr jemand anders findet für die Region Cham. Dann bin ich nicht böse, wenn ich dieses Amt nicht mehr ausüben muss. Zumal jetzt mit dem Diözesankomitee etwas weiteres dazugekommen ist. Und dann muss man auch sagen, dass es von Nittenau aus nur die Hälfte der Strecke nach Regensburg ist.

Wie schwer fällt Ihnen das Weggehen?

Als erstes: Das war eine Kopfentscheidung. Deswegen wird mir das Weggehen auch sehr schwerfallen. Man wächst in zwölf Jahren unglaublich zusammen. Der Abschied wird schwer sein, aber Gott sei Dank hat auch dieses Herz in meiner Brust zwei Kammern. Die eine Kammer ist traurig, dass sie wo weggehen muss. Die andere freut sich, dass sie wohin gehen darf.

Sie bleiben in der Region. Sind Sie offen, mal eine Hochzeit oder einen Gottesdienst in Roding zu übernehmen? Wie wird der Austausch künftig laufen?

Zunächst einmal besteht eine politische und eine kirchliche Grenze. Es ist ein anderer Landkreis und ein anderes Dekanat. Auch wenn es relativ nahe zusammenliegt, sind die Vernetzungen eher in eine andere Richtung gegeben. Das zweite ist, wenn man Pfarrer in einer Pfarrei ist, dann muss man Pfarrer mit 100 Prozent sein. Das bedeutet jetzt noch bis zum 30. August in Roding und ab 1. September in Nittenau. Das Dritte: Auch ein Nachfolger hat das Recht, dass er seine Pfarrei gestaltet und nicht das Gefühl hat, dass ihm ständig der Vorgänger vor der Nase herumtanzt. Solche Dinge werden deshalb in enger Absprache mit dem Nachfolger getroffen. Ich denke, dass ich Verpflichtungen, die ich schon längerfristig zugesagt habe – zum Beispiel eine Hochzeit im Herbst 2023 oder Frühjahr 2024 – auch halten werde. Ich werde mit Sicherheit nicht den lieben Menschen in Roding den Rücken kehren und auch nicht der Stadt, weil sie Teil meines Lebens ist. Aber es muss allen bewusst sein, dass ich jetzt dann Pfarrer von Nittenau werde.

Auf was dürfen sich die Rodinger im nächsten halben Jahr noch freuen. Was steht bei Ihnen persönlich auf der Agenda?

Das sind jetzt zwei Beine, auf denen ich stehen werde. Zum einen mache ich meine Arbeit solide weiter – und das sind jetzt anstrengende Monate, die im Sommer kommen. Corona ist Gott sei Dank rückläufig, das heißt, vieles, was es immer gegeben hat, wird es wieder geben. Beispielsweise die Reihe an Maiandachten mit 30, 40 Terminen. Wir haben heuer in Roding noch mehrere große Jubiläumsfeste – von der Mitterdorfer Feuerwehr und dem Rodinger Burschenverein bis hin zur Firmung. Parallel muss der Boden für den Nachfolger bereitet werden und gleichzeitig die Planung für Nittenau anlaufen, damit der Wechsel reibungslos ist.

Noch ist nicht die Zeit für eine Bilanz. Was wird Ihnen aber besonders in Erinnerung bleiben?

Ich habe die Zeit in Roding insgesamt als sehr menschennah und Gott-nah empfunden. Es war und ist eine intensive und schöne Wegstrecke als Gemeinde und für mich als Seelsorger.Das Jubiläumsjahr 2021 mit 50. Geburtstag, 25 Jahre Priester und zehn Jahre Rodingist für mich persönlich noch sehr präsent. Aber es gab viele andere Sachen – allein wenn man an die Menschen denkt. Ich hatte vier, fünf Kapläne, Praktikanten, neue Mitarbeiter. Es war aber auch seelsorgerisch eine intensive Zeit. Prägend in Erinnerung sind die rund 120 Krankensalbungen zuletzt während der Corona-Pandemie. Das war sehr nah am Menschen.