Unabdingbar oder echt nicht drin? Debatte um Jugendzentrum mit Konzerthalle in Kelheim

Zwei Anträge für zwei mögliche Kelheimer Zukunftsprojekte fanden sich auf der Tagesordnung des Stadtrats. Ein Thema wurde ohne Diskussion abgesetzt, das zweite intensiv diskutiert.
Konkret ging es um der Neubau eines Jugendzentrums mit Veranstaltungshalle und eine vielseitig nutzbare Kulturhalle in Festzeltgröße.
Auf Antrag von FW-Fraktionssprecher Ludwig Birkl war das „Nice-to-Have“-Projekt Kulturhalle (beantragt von Florian Laußer/Grüne) schnell vom Tisch (s. Infostück ganz unten im Artikel). Solch eine Halle habe „starke Verknüpfungen zu anderen Themen“ wie Sportinsel oder Altes Landratsamt. Die sollten im Vorfeld erst einmal betrachtet werden, argumentierte Birkl.
Florian Flotzinger (CSU), der den Bau eines Jugendzentrums mit Veranstaltungshalle (Platz für bis zu 300 Gäste) mit entsprechender technischer Ausstattung beantragt hatte, wollte die Themen (Kulturhalle und JUZ) „im Vorfeld nicht vermischen“, da es noch keine konkrete Planung gebe.
„Zwischenlösung“ an Wittelsbacher-Mittelschule dauert an
Seit fünf Jahren ist das JUZ an der Weltenburger Straße Geschichte. Seither besteht die „Zwischenlösung“ eines Jugendtreffs, eingerichtet in der alten Fahrradhalle der Mittelschule. Die früher, integrierte Veranstaltungslocation fehlt seither. Ein Proberaum, ein Büro und ein Kellerabteil für die Initiative Jugend und Kultur (IJK) finden sich aktuell im Postgebäude. Fachstellen wie auch Vereine (IJK oder Theaterspielkreis Saal) würden sich ein neues JUZ mit Auftrittsmöglichkeit wünschen. Auch viele junge Zuhörer verfolgten die Sitzung im Deutschen Hof.
Kelheim: So lief die Diskussion im Stadtrat
Die Stadträte waren geteilter Meinung. Die einen sahen das Thema grundsätzlicher Natur, die anderen aus Kostensicht. Der Bürgermeister betonte, dass es ihm darum gehe, „dass die Bevölkerung sieht, wir nehmen uns der Themen an“. Es reiche nicht zu sagen, „es wird teuer. Ich wäre für eine Kostenermittlung und eine Standortsuche. Wenn es am Ende nicht geht, müssen wir das erklären“, so Schweiger.
Josef Pletl von der Kelheimer Mitte konnte nicht umhin, bei dem Antrag an die Sitzung Ende März zu denken. Damals hatten KM und SPD eine Traglufthalle als Lösung für die Raumnot während der Sperre der Dreifachturnhalle beantragt. Konkrete Kosten lieferten die Antragsteller – wie nun auch hier – nicht mit. Damals war das Projekt ohne weitere Kostenermittlung abgelehnt worden. Begründung: Zu teuer. Man habe damals eine „harte Kostenentscheidung“ treffen müssen, konterte Bürgermeister Schweiger. Hier entscheide man in der Haushaltsfindung 2024 (laut Beschluss-Vorlage). „So kann man das sehen“, entgegnete Pletl.
Josef Weinzierl: „Ein Nein wäre ehrlicher“
Josef Weinzierl (SPD) fand ein neues JUZ mit Veranstaltungshalle „lobenswert“. Jedoch – dass die Stadt sich dies werde leisten können, angesichts vieler, anstehender, teurer Pflichtaufgaben (Kinderbetreuung, Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026), das bezweifelte er. „Ich fände es ehrlicher zu sagen, wir werden uns das in den nächsten vier bis fünf Jahren nicht leisten können.“
Franz Aunkofer (Grüne) hielt das Projekt am „leichtesten“ über das Förderprogramm „Soziale Stadt“ realisierbar. Dafür müsste sich ein Neubau – nicht wie von Flotzinger angedacht – am Rennweg finden, sondern im Altstadtumgriff. So sah das auch Ludwig Birkl (FW). Dem JUZ attestierte er im Gegensatz zur Kulturhalle das Label „Nice to have mit Touch zur Pflichtaufgabe“. Weitere Stadträte von Grünen und SPD hätten vor dem Hintergrund doch gerne Kulturhalle und JUZ zusammen diskutiert, gegebenenfalls bei einem weiteren Termin.
Christiane Lettow-Berger: „Nicht länger aufschieben“
Christiane Lettow-Berger (Grüne) befand, der „Einstieg in das Thema JUZ muss mal sein“. Man könne es „nicht wieder auf die lange Bank schieben, dann passiert wieder „zehn Jahre nichts“. Maria Meixner (SPD) hielt einen Jugendtreff für wichtig, war aber für eine „abgespeckte Form“.
Antragsteller Florian Flotzinger forderte die Stadtratskollegen auf, „bei dem Thema mal vorausschauend unterwegs zu sein“. Wichtig war ihm vor allem, „dass wir nicht am Bedarf vorbei bauen“. Nun brauche es eine Grundsatz-Entscheidung.
So fiel die Abstimmung zum Jugendzentrum aus
Mit vier Gegenstimmen war der Stadtrat grundsätzlich für einen JUZ-Bau. Der genaue Standort sei noch festzulegen, hieß es im Beschluss. Besonderes Augenmerk solle dabei auf den Altstadtumgriff und die Option Fördermittel „Soziale Stadt“ gelegt werden. Die Verwaltung soll mit künftigen Nutzern das Gespräch suchen und die Planung in die Wege leiten. 2024 und die folgenden Jahre seien Kosten einzustellen und bei den Haushaltsberatungen zu diskutieren.
Grüne beantragten eine Kulturhalle
Antrag: Florian Laußer beantragte für die Grünen den Bau einer multifunktional, nutzbaren Kulturhalle (in Holzbauweise und Festzeltgröße) – mit Beauftragung der Verwaltung 2023 Fördermittel zu ermitteln und das Projekt 2024 umzusetzen.
Geschäftsordnungsantrag: Mit fünf Gegenstimmen wurde eine Diskussion der Kulturhalle auf Antrag der FW von der Tagesordnung abgesetzt.
Laußer hofft, dass sein Antrag nicht „unter den Tisch fällt“.
Argumente: Laußer und seine Fraktionskollegen hätten durchaus „Synergieeffekte“ mit dem Antrag von Florian Flotzinger (CSU/Jugendzentrum mit Halle) gesehen. Auch Maria Meixner (SPD) hätte sich gewünscht, beide Themen gesondert tiefer abzuklopfen.
Bürgermeister: Christian Schweiger entgegnete Laußer: „Anträge verschwinden nicht.“ Planungen treibe aber nicht der Stadtrat voran, sondern die Verwaltung.