Für Jugend ist nichts geboten: Bekommt Kelheim einen XXL-Pumptrack?

Von Beate Weigert · 27. Juni 2023 um 15:00

Abgesehen vom Keldorado und dem Angebot in Vereinen haben es Jugendliche in Kelheim schwer. Kein Jugendzentrum, keine Plätze zum Treffen, ein maroder Skaterpark. Nun gibt es spannende Pläne, durch die sich etwas ändern könnte.

Der marode Skatepark beim Kellerwiesen-Parkplatz ist das Nahziel. Dieses Problem soll sich in Kürze lösen.

Doch die Stadt plant auch etwas völlig Neues – eine Pumptrack- und Skateanlage. Mit knapp 9000 Quadratmetern Größe. Der jetzige Bolzplatz beim Netto am Rennweg ist als Gelände angedacht.

Robert Städtler von Radquartier präsentierte in Kelheim

Robert Städtler von der Firma Radquartier stellte im Hauptausschuss vor, wie solch eine Anlage in Kelheim aussehen könnte.

Was ist ein Pumptrack eigentlich? Diese Frage dürften sich insbesondere Ältere stellen. Dies sei ein geschlossener Rundkurs mit Wellen, Tables (abgeflachten Hindernissen) und Kurven, erklärte der Projektmanager der Firma aus Rehau. In der Regel asphaltiert.

RSC, run & bike waren beteiligt

Solch eine Anlage sei für viele Sportler nutzbar, so Städtler. Egal, ob mit Mountainbike, Skateboards oder Rollstuhl. „Im Grunde mit allem, was Rollen oder Räder hat.“ Daneben ist ein Skatepark (730 Quadratmeter) angedacht. Klassischer Weise werde dieser aus Beton gefertigt. In den bisherigen Planungsprozess waren laut Bürgermeister Christian Schweiger auch Vertreter von der Vereine RSC und run & bike sowie aktive Skater eingebunden. Es sei angedacht, mit solch einer Anlage auch Kurse anzubieten und ins Training einzusteigen, so Bürgermeister Christian Schweiger. Zudem sei auch ein relativ großer „Kids-Track“ angedacht.

Ein „Dirtpark“ ist nicht geplant

Ein „Dirtpark“, eine Anlage mit reinen Erdhügeln, sei in Kelheim nicht geplant, sagte Schweiger. Beim gemeinsamen Workshop habe sich herauskristallisiert, dass in der Kreisstadt mehr eine große Skateanlage gewünscht sei. Die Firma Radquartier, die sowohl Fachplaner als auch ausführende Firma sei, stehe für individuell geplante Anlagen, erklärte Städtler. Je nachdem, „was die Grundstücke hergeben und Kids wie Stadt sich wünschen“.

Vorteile und Zielgruppe

Solche eine Anlage spreche eine breite Altersspanne an, so Städtler – vom Kind bis hin zu sportlichen „Ü40“-ern. Obendrein sei sie „ein sozialer Treffpunkt, wartungsarm, TÜV abgenommen, naturschonend gebaut“. Etwa ein Drittel der Fläche werde asphaltiert, der Rest „bleibt Grün“. Für 15 verschiedene Sportarten sei so eine Anlage interessant. Von BMX bis hin zu Scootern oder Skateboards. Zudem seien „vandalismussichere“ Sitzgelegenheiten und Slacklines angedacht.

Lena Plapperer: Magnet auch für Urlauber

Auch für Touristen und Freizeit-Radler könnte ein Pumptrack zum „Aushängeschild“ werden. Tagesgäste aus Nürnberg oder Regensburg, die etwa am Wochenende zum Mountainbike kommen, könnten sich nach einer Tour im Gelände an der Anlage noch „technisch austoben“, merkte Sachgebietsleiterin Lena Plapperer an. Für Urlauber könnte sie sich zu einem „Magneten“ entwickeln, weil etwa auch für die Kinder und Jugendlichen, die mitreisen, damit etwas besonderes geboten sei. Ludwig Birkl (FW) sähe auch Kelheims Attraktivität als Wohnstadt steigen.

1,3 Millionen Euro an Kosten schlagen zu Buche

Allein die von Robert Städtler genannten 1,3 Millionen Euro an Kosten waren für so manches Ausschuss-Mitglied „viel Geld“ (Christiane Lettow-Berger). Die Grünen-Fraktionssprecherin sah durchaus, dass „die Jugend so etwas verdient hätte“, fragte sich aber auch, ob es so eine Anlage auch „eine Nummer kleiner“ gebe.

Ludwig Birkl (FW) fragte nach Fördermöglichkeiten. Da kämen verschiedene Optionen infrage – Leader (bei dem EU-Programm startet die nächste Förderphase 2024), Kreis- oder Landessportverbände. Man dürfe sich von Unwägbarkeiten „nicht abhalten lassen“, befand Bürgermeister Schweiger.

Christian Schweiger: „Gemeinschaftsaktion in der Stadt“

Allzu große Hoffnungen dürfte man bezüglich Förderungen aber nicht haben. „Breitensport wird wenig gefördert.“ Solch ein Vorhaben müsse man als „Gemeinschaftsaktion“ in der Stadt sehen. Auch ortsansässiges Firmen angefragt werden.

Zunächst gelte es zu entscheiden, ob „wir so etwas wollen und ob wir in dem Segment weiterreden wollen“, so Schweiger . Dass es Bedarf dafür gebe, werde „deutlich und regelmäßig formuliert“. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen „brauchen etwas zum Trainieren“. Nach einer Grundsatz-Entscheidung könne man in die nähere Planung einsteigen.

Florian Flotzinger: „Es fehlen Räume für die Jugend“

Florian Flotzinger, Jugend- und Kulturbeauftragter der Stadtrats bekräftigte: „In Kelheim fehlen Räume für die Jugend.“ Bislang würden Jugendliche und junge Erwachsene oft sprichwörtlich an den Rand gedrängt. Geschlossen stimmten die Ausschuss-Mitglieder dafür, dass die Verwaltung prüfen solle, welche Fördermöglichkeiten bestünden.

Funbox wird bald erneuert

Skateanlage: Mitte Juli soll die marode Funbox am Kellerwiesen-Parkplatz erneuert werden. Falls eine neue, große Anlage realisiert würde, könnte diese ab- und wieder aufgebaut werden.

Aufbau: Mit den jungen Nutzern hatte es 2022 einen Workshop gegeben, bei dem diese Wünsche anbringen konnten. In Kürze soll es einen Termin geben, bei dem mit der Fachfirma die neuen Elemente „Quarter“ und „Pyramide“ aus Vollholz, HPL-Platten und verzinktem Stahl montiert werden.

Sitze: Zudem werde der Bauhof fehlende Sitzmöglichkeiten und Abfalleimer installieren, hieß es. Mit einem Skate-Contest könnte das Ganze „eingeweiht“ werden.

Noch sieht es traurig aus an der Skateanlage hinter dem Kellerwiesen-Parkplatz. Bald sollen aber die neuen Hindernisse aufgebaut werden. Foto: Beate Weigert