Feiern bis fünf: So lief es am ersten Wochenende in Regensburg

Hinter der Altstadt liegen die ersten Nächte, in denen Clubs und Bars bis 5 Uhr geöffnet haben dürfen. Der Versuch ist weitgehend ohne Zwischenfälle gestartet. Am frühen Sonntagmorgen aber mussten Polizei und Rettungskräfte zum Petersweg ausrücken.
Der Gast einer Diskothek war mit einem Securitymitarbeiter in Streit geraten und es kam zu einer körperlichen Auseinandersetzung, sagt Daniel Geißler von der Regensburger Polizeiinspektion (PI) Süd auf Nachfrage. Einer von beiden sei mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gekommen.
Das Einsatzgeschehen in der Nacht auf Sonntag habe sich nicht von anderen Wochenenden unterschieden, ordnet Geißler ein. Ab dem Abend seien zehn Ruhestörungen gemeldet worden. Diese hätten sich aber nicht auf die Altstadt konzentriert. Ein Einsatz davon sei in der Von-der-Tann-Straße gewesen, ein weiterer in der Wöhrdstraße. In der gleichen Zeit habe es sechs Einsätze wegen Körperverletzungen gegeben – auch diese nicht lediglich in der Altstadt. Zu Sexualdelikten sei es nicht gekommen, sagt Geißler. Am Samstag und am Sonntag hatten das Polizeipräsidium und die PI Süd in ihren Pressemeldungen über keinerlei Einsätze berichtet.
Was aber spielte sich auf Regensburgs Partymeilen in den ersten Nächten mit der neu gewonnenen Freiheit ab? Bei weitem nicht alle, die die Möglichkeit dazu gehabt hätten, haben bis ultimo davon Gebrauch gemacht – weder auf der Seite der Wirte noch auf der Seite der Gäste. Und so dämmerte der Sonntagmorgen um 4.30 Uhr ruhig über der Altstadt.
Partyvolk vor den Clubs
Feiernde, die sich fröhlich unterhielten, standen zu diesem Zeitpunkt lediglich vor Diskotheken wie dem Velvet Room oder dem Club Schimmerlos. Während am Domplatz die letzten Bässe aus der Tür wummerten, bereitete das Personal drinnen den Zapfenstreich vor. Securitymitarbeiter ermahnten die Gäste am Petersweg, keine Flaschen mit nach draußen zu nehmen. Bars, in denen noch Gäste saßen, musste man mit der Lupe suchen. Apotheke, Kasper, Degginger: In den meisten von ihnen rührte sich kurz vor Beginn der Sperrstunde ohnehin nichts mehr. In Lokalen, in denen bei Tagesanbruch noch Licht brannte, standen die Barhocker schon auf den Tresen und die Stühle auf den Tischen, während das Personal putzte – etwa im Orphée, im Café Lila oder in der No 7.
Ansonsten waren kaum Menschen unterwegs. In der Obermünsterstraße sinnierten zwei Männer, umgeben von einer Wolke Schweiß und Aftershave, warum der eine von ihnen von seiner Eroberung stehen gelassen worden sein könnte. „Die Sache war so gut wie klar“, schimpfte der. Am Emmeramsplatz grübelten zwei betrunkene Frauen, worüber sie kurz zuvor noch derart in Streit geraten waren. „Das Feuerzeug, es war wegen dem Feuerzeug. Du hast gedacht, es ist deines, aber es gehört mir“, lallte eine der anderen ins Ohr.
Astra Kiezbar: „Um 3.15 Uhr war Ruhe“
Bereits in der Nacht auf Samstag hatten einige Wirte die Möglichkeiten des Pilotprojekts getestet. So sagt Sascha Almahmoud, dass er die Astra Kiezbar in der Glockengasse in dieser Nacht bis 3 Uhr morgens geöffnet hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt sei die Kneipe auch voll gewesen. „Das ist gut angenommen worden. Es war dann aber auch für alle Okay, dass wir zugesperrt haben. Um 3.15 Uhr war Ruhe“, erzählt er. Je nach Gästeaufkommen plane Almahmoud das jetzt erst einmal so zu handhaben und eine Stunde länger aufzusperren.
Clubbetreiber Christian Malik hat das Gefühl, dass im Schimmerlos am Domplatz und im Scala in der Pustetpassage in der Nacht auf Samstag ein wenig mehr losgewesen ist als in den Wochen davor. „Das könnte aber auch mit dem Wetter zusammenhängen“, überlegt er. Zwischenfälle habe es in seinen Clubs in dieser Nacht keine gegeben – wenn auch Diskussionen mit Gästen, die nicht gehen wollten. „Aber das hat man ja immer“, sagt Malik. Ab vier Uhr hätten sich die Tanzflächen zu leeren begonnen. Weil er seine Diskotheken ansonsten bis vier Uhr morgens geöffnet hat, sei eine Stunde mehr kein Problem.
Stadt kann Reißleine ziehen
Sollte die Lage beim Feiern im Laufe des nächsten Jahres an einigen Stellen regelmäßig eskalieren, kann die Stadt die Reißleine ziehen. Denn in dem Absatz zu dem Pilotprojekt steht auch, dass die Sperrzeit für einzelne Betriebe befristet und widerruflich verlängert werden kann, wenn ein öffentliches Bedürfnis oder besondere örtliche Verhältnisse vorliegen.
Das kommt laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, etwa in Betracht, wenn es durch einen Gaststättenbetrieb nachhaltige Lärmbelästigungen in der Nachbarschaft gibt. In Gang kommen würde so ein Verfahren durch erhöhtes Beschwerdeaufkommen oder bei Verstößen.
Die neue Regel
Pilotprojekt: Bis einschließlich 30. Juni 2024 findet der Sperrzeitabsatz in der Verordnung der Stadt keine Anwendung.
Allgemeine Sperrzeit: Stattdessen greift die Bayerische Gaststättenverordnung. Laut der beginnt die Sperrzeit beginnt um fünf und endet um sechs Uhr.
