Feiern bis fünf: Wie läuft das ab Juli in Regensburgs Bars und Clubs?

Noch drei Wochenenden, dann ist es so weit: Die Sperrzeitenregelung für die Innenstadt, die vorsieht, dass Lokale um zwei Uhr schließen müssen und Discos um drei oder vier, soll für ein Jahr ausgesetzt werden. Viele, die gerne in Regensburg feiern, fragen sich schon, wie sich das Nachtleben dadurch verändern wird.
Grundsätzlich können Gaststättenbetreiber dann Gebrauch von der Option machen, bis fünf Uhr morgens aufzusperren. Ein Antrag ist dafür nicht notwendig, erklärt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt.
Die Nachfrage bestimmt
Wie aber wird das für die Feiernden sein? Werden sie die Qual der Wahl haben und womöglich sogar täglich bis in die frühen Morgenstunden aus der vollen Vielfalt von Regensburgs berühmter Kneipendichte schöpfen können? Wird es in Regensburg dann mehr Orte geben, an denen Verabredungen zu einem Absacker auch tief in der Nacht möglich sind? Danach sieht es gerade nicht aus – es sei denn, man sorgt für entsprechenden Umsatz.
Ob Scala, Nox, Schimmerlos, Café Spital, Café Rauscher, Astrabar, Orange Bar, Kasper, Vinyl oder beide Filmbühnen – keiner der Chefs in diesen Gastronomiebetrieben plant im Moment, seine Öffnungszeiten generell zu verlängern oder gar Werbung damit zu machen, die Möglichkeiten des Pilotprojekts bis Ultimo auszureizen. Eine Garantie, dass diese Kneipen oder Clubs ab Juli bis 5 Uhr auf haben, gibt es also nicht.
Wie werden die Gastronomen aber dann mit der mit der neuen Option umgehen? Wenn um vier Uhr morgens schon keiner mehr da ist, werde er natürlich zusperren, sagt etwa Christian Malik, er betreibt das Scala, das Nox und das Schimmerlos. Allerdings sei die Situation im Moment eher so, dass er die Menschen um diese Zeit rausschmeißen muss, deswegen tue ihm die eine Stunde mehr gut. Das sei auch mit dem Personal hinzubekommen, das dann ohnehin schon vor Ort ist.
Je nach Nachfrage werde er das Café Spital, das Café Rauscher oder die Astrabar durchaus länger auflassen, das heiße aber nicht, dass dort nun zwingend bis fünf Uhr geöffnet sein wird, formuliert es Sascha Almahmoud aus Sicht eines Barbetreibers. Er will sich auch erst einmal ansehen, welche Dynamik das Pilotprojekt mit sich bringt.
Ebenso betont Karin Griesbeck, Chefin in der Filmbühne und in der Neuen Filmbühne, dass die Nachfrage ab Juli das Angebot bestimmen wird. „Wenn es den Menschen grad noch Spaß macht, dann bleibt länger geöffnet. So muss ich sie nicht rausschmeißen und es sind nicht alle auf einmal auf der Straße“, sagt sie. Wenn aber um zwei Uhr morgens lediglich noch zwei Gäste an der Bar sitzen, lohne es sich nicht, zwei Keeper für sie abzustellen.
Das mit den längeren Öffnungszeiten müsse personell und und finanziell machbar bleiben, erklärt Daniel Jacobs, Chef in der Orange Bar. „Läuft der Abend gut, werden wir entscheiden, ob wir länger als zwei Uhr öffnen“, kündigt er an. Auch Gerald Schmid, Chef im Vinyl, plant, die ausgesetzte Sperrzeitregelung ab Juli lediglich punktuell zu nutzen. Trotzdem sei es gut, die Option zu haben, weil sie eine Deregulierung der Bürokratie bedeute, wo ihm Griesbeck zustimmt.
Für Vladislav Kasper, Chef im Kasper, muss es nicht nur ein guter Abend, sondern auch Wochenende sein. Dann kann er sich vorstellen, die Cocktail Bar länger zu öffnen. Er habe mit seinem Vermieter gesprochen, weil er sicher sein will, dass das Zusammenspiel mit den Anwohnern nicht aus der Balance gerät.
Ausnahmen sind möglich
Denn sollten Anwohner im Laufe dieses Jahres ein öffentliches Bedürfnis oder besondere örtliche Verhältnisse geltend machen, könnte die Stadt einzelnen Betrieben die Sperrzeit verlängern – etwa aufgrund eines erhöhten Beschwerdeaufkommens oder wegen Verstößen, erklärt von Roenne-Styra. Ob es dazu kommt, werde sich aber erst noch zeigen. Der Kommunale Ordnungsdienst und die Polizei werden das Geschehen beobachten.
Einer, der schon jetzt bis fünf Uhr öffnen darf, ist Frederik Löw, Chef des Hexenhäusl schräg gegen über der Arcaden. Er hofft, dass ihm die Stammkunden treu bleiben. Weil er in der Innenstadt auch die Piratenhöhle betreibt, freut er sich dennoch auf Juli.