Nach Räumungsklage des Bruders: MS-Patientin hat neue Wohnung gefunden

Endlich aufatmen und wieder nach vorne schauen heißt es jetzt für Tina T. (Name geändert). Die 52-Jährige musste ihr altes Zuhause im Städtedreieck wegen einer Räumungsklage ihres eigenen Bruders verlassen. Und als ob das nicht schon genug wäre: Tina T. leidet unter Multipler Sklerose (MS).
Aus Angst vor Personalmangel in Pflegeheimen kam für sie nur eine eigene Wohnung in Frage. Die Stadtwerke Maxhütte-Haidhof konnten helfen. Es gefällt Tina T. in ihrem neuen Zuhause. Das Wohnzimmer ist hell und geräumig, durch die großen Fenster ist viel Grün zu sehen. An die Küche grenzt ein kleiner Balkon an. Ein Zimmer weiter stapeln sich einige Kartons, der Umzug ist noch nicht lange her.
Sie genießt den schönen neuen Fensterblick
Tina T. sitzt in ihrem Bett im Wohnzimmer. Von dort aus hat sie einen idealen Blick in die Natur. „Es ist viel besser als in meiner alten dunklen Wohnung“, sagt die 52-Jährige. Ab und zu zieht sie sich an einem Triangelgriff über ihrem Kopf ein Stück höher. Ohne Hilfe kann sie ihren Alltag schon lange nicht mehr bewältigen. Die MS-Patientin ist seit etwa zwei Jahren an ihr Bett gefesselt. Im Februar berichtete die Mittelbayerische über ihre komplizierte Lage. Wegen der Räumungsklage des Bruders war sie in Not geraten. Um eine passende und bezahlbare Bleibe zu finden, kontaktierte Tina T. unter anderem die Stadtwerke Maxhütte-Haidhof – mit Erfolg.
Bernhard Forster arbeitet dort im Bereich Technischer Hochbau und Wohnungsverwaltung. Als Tina T. anrief, habe er sich ihre Geschichte angehört, erklärt Forster. Anschließend habe er überlegt, wie geholfen werden könnte. Tina T. hatte Glück. Durch einen Zufall sei in diesem Zeitraum eine Wohnung „zu marktüblichem Preis“ frei geworden, so Forster. Sein Vorstand willigte ein, Tina T. zu unterstützen. Denn dieser hatte den Artikel in der Mittelbayerischen bereits gelesen und wusste um die komplizierte Lebenslage der kranken Frau.
Neues Zuhause auf 55 Quadratmetern
Gemeinsam mit einer Freundin von Tina T. besichtigte Forster die 55Quadratmeter große Wohnung der Stadtwerke. Die Frau habe dabei fleißig Fotos geschossen, um die Wohnung der bettlägerigen Tina T. zeigen zu können. Eine Voraussetzung sei etwa ein zusätzliches Zimmer gewesen, in dem die Pflegerinnen schlafen könnten, erklärt die 52-Jährige. Nach zwei persönlichen Treffen und diversen Telefonaten wurde der unbefristete Mietvertrag schließlich unterzeichnet.
Der Umzug in die neuen vier Wände gestaltete sich als „sehr nervenaufreibend“, wie es die Freundin der Betroffenen beschreibt. Anfang Mai standen tatkräftige Sanitäter des BRK Amberg vor Tina T.s alter Wohnung. Vier Helfer waren alleine für den Transport der MS-Patientin zuständig. Es ging die steile und enge Treppe runter und im neuen Haus wieder hinauf. „Die Armen haben ganz schön geschwitzt“, erinnert sich Tina T. Aufgrund ihrer starken Spastik sei ein Tragestuhl keine Option gewesen. Zu leicht hätte sie rausrutschen können.
Der Umzug war kompliziert
Die Sanitäter waren stattdessen mit einem Tragetuch ausgerüstet. Während Tina T. vorsichtig die Stufen hinunter getragen wurde, mussten Mitarbeiter des Sanitätshauses Nimbs einen Zahn zulegen. Sie sollten das Krankenbett abbauen und in die neue Wohnung bringen.
„Es hätte viel passieren können“, sagt die Freundin und deutet auf die Gelenke der 52-Jährigen. Tina T. leidet zusätzlich unter der Knochenerkrankung Osteoporose, wirklich „transportfähig“ sei sie daher eigentlich nicht. Der Umzug ging letztlich aber gut über die Bühne. Oder um es mit den Worten von Tina T. zu sagen: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Die 52-Jährige schaut sich in ihrem neuen Wohnzimmer um. Ihre Möbel hatte sie von einem Unternehmen bereits zwei Wochen vor dem eigentlichen Umzug in die neue Bleibe bringen lassen. Vor allem ihre eigene Küche habe sie um keinen Preis hergeben wollen – also kam diese mit.
Früher hat Tina T. in Maxhütte-Haidhof gearbeitet, etwa 34 Jahre war sie im Einzelhandel tätig. Neben der Arbeit auch in Maxhütte zu leben, habe sie sich damals nicht vorstellen können. Heute gefällt es der 52-Jährigen in der ruhigen Gegend. „Jetzt bin ich wohl ein Maxhütterl-Mädel“, sagt Tina T. und lacht. Zu ihrer Familie hat sie die Verbindung gekappt, mit diesem Lebensabschnitt sei sie fertig.
Mit vielen alten Arbeitskollegen, die noch in der Stadt wohnen, hält sie dagegen telefonischen Kontakt. „Und wenn die Wohnung endgültig eingerichtet ist, dann dürfen meine Freunde zu Besuch kommen“, erklärt Tina T.