Burglengenfeld bringt Wärmeplanung auf den Weg – Konzept kostet bis zu 100.000 Euro

Von Thomas Rieke · 25. Juni 2023 um 05:00

Als die Burglengenfelder Wählergemeinschaft (BWG) im Februar bei den Haushaltsgesprächen im Stadtrat auf die Erstellung eines kommunalen Wärmeplans drängte, konnte sie sich nicht durchsetzen. Nun, wenige Monate später, stand das Thema Wärmeplan wieder auf der Tagesordnung – und alle Fraktionen waren begeistert.

Hintergrund ist die aktuelle Debatte um das Gebäudeenergie- sowie das Wärmeplanungsgesetz. Beide hängen eng miteinander zusammen und nehmen Länder und Kommunen in die Pflicht. Beide sollen in den nächsten Jahren Konzepte entwickeln, wie sie ihre Heizinfrastruktur klimaneutral umbauen wollen. Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) scheute sich nicht, eingangs Gregor Glötzl, seinem politischen Dauerrivalen von der BWG, ein Kompliment auszusprechen. Glötzl habe im Februar einen Vorstoß in die absolut richtige Richtung unternommen. Die damalige Gegenwehr erklärte der Rathauschef mit der unklaren Gesetzeslage und seinem Ziel, den Haushalt möglichst schnell zu verabschieden.

Einem nachträglichen Beschluss stehe nun aber nichts im Wege, meinte Gesche. Im Gegenteil. Um in den Genuss der üppigen Förderung zu kommen, sei es erforderlich, noch heuer das entsprechende Signal zu setzen. Kosten würden erst 2024 anfallen; das aktuelle Zahlenwerk der Kämmerin bleibe also unberührt.

Erneuerbare Energien spielen bisher nur Nebenrolle

Klimaschutzmanager Markus Süß betonte den Wert eines Wärmeplans insbesondere für die Hausbesitzer. Sie bekämen am Ende des Prozesses ein Stück Sicherheit, wüssten also, welche Lösung für sie in Betracht käme und welche am sinnvollsten sei. Dem entsprechend könnten sie sich Schritt für Schritt vorbereiten. Aktuell, so berichtete Süß weiter, spielten Erneuerbare Energien in Burglengenfeld bei der Wärmebereitstellung eine absolute Nebenrolle. Der Anteil von Holz liege bei 4,5 Prozent, der von Biogas bei 0,03 Prozent und der von Solarthermie bei 0,32 Prozent. Das sei weit unter dem Durchschnitt.

Ludwig Friedl von der Energieagentur Regensburg war es ein Anliegen zu betonen, dass es sich beim großen Ziel der Klimaneutralität nicht um eine parteipolitische Angelegenheit handle. Sie sei vielmehr global vereinbart und auf mehreren Ebenen beschlossen. Jetzt gelte es, die Reihenfolge von Maßnahmen zu finden.

Der Wärmeplan, der laut Friedl auch Sparpotenziale aufzeigen sollte, sei für die Kommune als strategische Basis zu begreifen. Das Ergebnis sei vor allem für jene Immobilieneigentümer relevant, für die der Anschluss an ein Fernwärmenetz ausscheide. Hans-Edmund Glatzl (BFB) sah diesbezüglich die Gefahr einer Ungerechtigkeit. Diejenigen, die mit Fernwärme beliefert werden könnten, seien klar im Vorteil.

Bis zu 20 Kilometer langes Fernwärmenetz

Sebastian Bösl, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft von SPD, Grünen und Die Linke, sagte, wichtig sei es, den Bürgern zu vermitteln, dass sie vor dem, was auf sie zukomme, keine Angst zu haben brauchten. Mehrere Räte und auch der Bürgermeister berichteten von ersten Gesprächen mit der Leitung des Zementwerks, das sich als Wärmelieferant geradezu aufdränge. Bösl sagte, der erste Kontakt stimme ihn zuversichtlich. Hans Deml (SPD) ergänzte, nach seinen Informationen könne ein Fernwärmenetz bis zu 20 Kilometer lang sein. Damit käme es auch für eine Umlandgemeinde wie Pottenstetten in Betracht.

Bürgermeister Gesche bestätigte, ein Fernwärmenetz solle „wesentlicher Bestandteil“ der Überlegungen sein. Von der Unternehmensführung des Zementwerks erwarte er noch vor der Sommerpause eine Absichtserklärung mitzuwirken.

Der Wärmeplan, der mit bis zu 100000 Euro veranschlagt ist, soll von einem spezialisierten Ingenieurbüro erstellt werden. Gregor Glötzl merkte an, angesichts der gestiegenen Nachfrage werde es nicht einfach werden, einen guten Partner zu finden. Im Frühjahr hätte man sich leichter getan.