MS-Patientin aus dem Städtedreieck steckt in großer Wohnungsnot

Ein Bett und ein Tisch, ein Fernseher und ein Telefon – das alles auf 15 Quadratmetern im Obergeschoss des Elternhauses: Das ist die Welt von Tina T. (Name geändert). Die 52-Jährige leidet unter multipler Sklerose (MS) und ist ans Bett gefesselt. Nun soll sie ihre Wohnung verlassen.
Die Räumungsklage läuft bereits. Tina T., die eine bescheidene Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht, sucht verzweifelt nach einer bezahlbaren Alternative. Die Arbeitertochter war einst eine starke Frau, Kraftsport bestimmte lange Zeit ihre Freizeit. Bei 63 Kilogramm Körpergewicht schaffte sie im Bankdrücken deutlich über einen Zentner, erzählt sie. Bis zu fünfmal die Woche ging sie ins Training und empfand das Zusammensein mit Gleichgesinnten als Familie.
Zuhause indes hatte Tina T. ihren Angaben zufolge schon immer einen schweren Stand. Die Folgen bekommt sie jetzt knüppeldick zu spüren. Vergeblich hatte die 52-Jährige ihre heute pflegebedürftigen Eltern wiederholt darum gebeten, ihr ein Wohnrecht einzuräumen. Weshalb sie ihrer Tochter das verweigerten, lässt sich nicht mehr klären. Jetzt, da Mutter und Vater in ein Heim gezogen sind, kümmert sich ihr Sohn Hans (Name ebenfalls geändert) um das Wohnhaus. Vor über zehn Jahren haben sie es ihm per Schenkung übertragen.
Bruder spricht von erdrückenden Nebenkosten
Doch der Sohn (58), der in einem Nachbarlandkreis lebt, sieht sich mit dem Besitz überfordert. Die Nebenkosten würden ihn geradezu auffressen, berichtet er. In seinem einfachen Handwerksberuf verdiene er nicht so viel, als dass er seine Schwester aushalten könne. Bis auf Stromnebenkosten zahle sie nichts. Die Mietzahlung, die er ihr vorgeschlagen habe, sei ihr zu hoch. Doch schon der Abschlag für Gas schlage jeden Monat mit 480 Euro zu Buche. Einen Teil davon trage eine Familie, die seit ein paar Monaten die elterliche Wohnung gemietet hat. Doch auch mit ihr gebe es permanent Probleme, weshalb er sich von ihr ebenfalls trennen wolle.
Kurzum: Hans hat diesen Mietern und seiner Schwester gekündigt. Das Schreiben erreichte die MS-Patientin im Dezember. Über einen Anwalt versuchte sie, sich zu wehren, doch die Chancen stehen schlecht. Anfang März wird ein Gericht entscheiden.
Schon im Kindesalter erste Anzeichen der Krankheit
Und so ist Tina T. aktuell bemüht, eine andere Wohnung zu finden, „auch wenn es mir das Herz rausreißt, wenn ich hier ausziehen muss“. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten zieht sie alle Register. In den Rathäusern des Städtedreiecks hat sie um Unterstützung gebeten, auch einen Geistlichen machte sie auf ihr Problem aufmerksam. Mittlerweile hat Tina T. Kontakt zu zwei potenziellen Vermietern. Ob sie sich unter den zahlreichen Wohnungsbewerbern aber wird durchsetzen können, steht in den Sternen.
Tina T. spürte schon als Zehnjährige, dass in ihrem Körper eine tückische Krankheit schlummerte. Plötzliche Schwäche und Lichtempfindlichkeit waren erste Anzeichen. Mit 19 diagnostizierte ein Urologe einen „Verdacht auf Entzündung des Rückenmarks“, wenige Jahre später bestätigte ein Krankenhaus „MS“. Die Behandlung mit Medikamenten bremste den Krankheitsverlauf. Tina T. blieb berufstätig. Rund 35 Jahre hat sie im Einzelhandel ihr Brot verdient – und ihren geliebten Kraftsport ausgeübt.
Nach Blutvergiftung zahlreiche Operationen
Steil bergab ging es erst vor wenigen Jahren mit einem häuslichen Unfall. Tina T. stürzte und verletzte sich an einem zerbrochenen Spiegel. Die Wunde nahm sie auf die leichte Schulter. Es entwickelte sich eine schwere Blutvergiftung, die 15 Operationen nach sich zog. „Die Narkosen haben mir das Genick gebrochen“, berichtet Tina T. Schon vorher hatte sie eine Spastik, aber seit den OPs versagen ihre Beine komplett den Dienst. Nicht einmal das Sitzen in einem Rollstuhl ist der 52-Jährigen heute möglich.
Auch deshalb sieht sie ihrem bevorstehenden, unfreiwilligen Auszug aus dem Elternhaus mit großer Sorge entgegen. Die Feuerwehr müsste mit der Drehleiter anrücken, um sie auf einer Trage liegend durch ein Gaubenfenster zu manövrieren.
Bruder Hans beteuert, dass er das, was seine Schwester durchgemacht hat und noch immer durchmacht, niemandem wünsche. Aber er müsse eben auch an sich selbst denken, und Tina könne sich ja auch in ein Heim überweisen lassen, eventuell eines, das sich auf MS-Patienten spezialisiert habe.
Angst vor Pflegermangel in einem Heim
Mit dieser Idee will sich seine Schwester nicht anfreunden. Sie hat Angst, in einem Heim gäbe es viel zu wenig Personal, um die Pflege, die sie benötigt, gewährleisten zu können. „In so eine Einrichtung gehe ich nicht, da ginge ich schnell ein“, sagt die Patientin. Da sucht sie lieber weiter fieberhaft nach einer neuen Wohnung. Telefonieren, reden, denken kann sie immerhin noch einwandfrei.
Wer helfen kann, melde sich!
Gesucht wird:eine Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad. Einen Raum davon benötigt der Pflegedienst als Lager.
Angebotenimmt die MZ-Redaktion unter der Telefonnummer 09431/713910 oder per Mail (schwandorf@mittelbayerische.de) entgegen.