Das sagen die Berger Gartenbesitzer zur Rationierung – Droht das auch in anderen Gemeinden?

Von Friederike Klett · 21. Juni 2023 um 19:00

Dass Berg seinen Bürgern teilweise verboten hat, die Blumen mit Trinkwasser zu gießen, hat weite Kreise gezogen. Unsere Medienhaus hat sich in Berg bei Gartenbesitzern umgehört. Der Rathauschef spricht derweil über die Dauer der Auflage. Könnte auch in anderen Gemeinden des Landkreises Ähnliches drohen?

Besonders betroffen von der Rationierung, die unter anderem auch Pools und das Autowaschen betrifft, sind Gartenbesitzer. Ihnen ist es nur erlaubt, Nutzpflanzen zu gießen. Rasen, Blumen und andere Zierpflanzen hingegen nicht. „Mein Sohn baut gerade und hat den Garten komplett neu angelegt. Das geht natürlich alles kaputt“, sagt Hussein Güldiken. Für seinen eigenen Garten sei das Verbot aber verkraftbar.

Auch Luise und Josef Engl-meier aus Haimburg sind entspannt – auch wenn sie einen großen und vielfältigen Garten haben. „Wir sind davon nicht so betroffen, weil wir selbst eine kleine Quelle auf dem Grundstück gefasst haben“, sagt Josef Englmeier. Doch auch aus dieser Quelle würde nicht mehr im selben Umfang Wasser entspringen, wie noch vor einigen Jahren.

Eine Gartenbesitzerin aus Berg, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat die Hoffnung, dass die Rationierung einen positiven Nebeneffekt hat. „Solche Dinge werden in Zukunft an vielen Orten so kommen. Ich denke, es ist gut, dass man sich nun mehr Gedanken über seinen Wasserverbrauch macht.“ Früher habe sie ihre Blumen auch mit Trinkwasser gegossen, erzählt sie. Jetzt hebe sie das Kartoffelwasser auf, um es den Pflanzen zu geben.

Überregionales Interesse kam für den Berger Bürgermeister überraschend

Für Johanna Distler seien die Regelung keine gärtnerische Einschränkung. Sie habe bloß Gemüse angepflanzt, das man ja weiterhin gießen dürfe. „An den heißen Tagen ist es nur etwas schade, dass ich das Planschbecken meiner kleinen Tochter nicht befüllen kann“, sagt die Bergerin.

Trotz dieser entspannten Reaktionen der Bürger, hat Bürgermeister Peter Bergler einige turbulente Tage durchlebt. „Ich hätte nicht gedacht, dass es solche Kreise zieht“, sagt Bergler, der auch überregionalen Medien viele Interviews geben musste. Das teilweise Bewässerungsverbot, das die Gemeinde am vergangenen Donnerstag erlassen hatte, hat auch vor dem Hintergrund der aktuellen Trockenheit Aufmerksamkeit erregt. Diese sei aber nur der Auslöser für das Verbot, die eigentliche Ursache sei eine andere, betont Bergler.

Mittelfristig müssten sich die Berger nicht sorgen, dass kein Wasser mehr aus ihren Hähnen kommen könnte. Die Wasserversorgung sei gesichert, sagt Bergler. Dafür wird unter anderem aktuell die Quelle Hausheim neu gefasst. Die Bauarbeiten führten aber dazu, dass aktuell weniger Wasser gefördert werde.

Das trifft zusammen mit den heißen Sommertagen, an denen der Trinkwasserverbrauch erfahrungsgemäß steigt, wie Bergler erklärt. Normalerweise hätten die Bezieher des Berger Wassers einen Bedarf von 1200 bis 1500 Kubikmeter an normalen Sommertagen. In jüngster Zeit sei er auf 2000 Kubikmeter gestiegen. „Wir mussten handeln“, sagt der Rathauschef. „Ansonsten müssten wir bald die Wasserzufuhr stundenweise reduzieren.“

Verbot könnte bald wieder aufgehoben werden

Das Verbot scheint aber zu wirken. Der Verbrauch sei wieder auf das normale Level gesunken, sagt Bergler. Er ist zudem guter Dinge, dass die Verfügung bald wieder aufgehoben werden kann. Diese Woche seien Regenfälle angekündigt. Was aber nicht bedeutet, dass die Problematik in diesem Sommer nicht noch häufiger auftreten könnte. Die Bauarbeiten an der Quelle werden erst im September beendet sein.

Die Reaktionen auf das teilweise Verbot seien gemischt ausgefallen. Verständnis und Unterstützung habe es ebenso gegeben wie Unverständnis und Kritik. Ob die Menschen sich an das Verbot halten, werde die Gemeinde nicht durch Kontrollen überprüfen. Aber man werde Hinweisen, die man bekomme, nachgehen, betont Bergler. Im Zweifel drohten Bußgelder.

Andernorts sind Aktionen wie in Berg nicht abzusehen. Zumindest ist das der Tenor im Gespräch mit Bürgermeistern und Wasserversorgern in anderen Gemeinden des Landkreises. Das betont auch Deinings Bürgermeister Peter Meier. Trinkwasser zu rationieren sei auf absehbare Zeit in Deining nicht nötig. „Trotzdem sollte jeder Bürger sich über den Verbrauch Gedanken machen.“

In die gleiche Kerbe schlägt auch Wolfgang Götz, Bauamtsleiter des Marktes Postbauer-Heng: „Wir müssen ein Bewusstsein darüber schaffen, dass Trinkwasser ein Nahrungsmittel ist“. Auch in Postbauer-Heng seien die Grundwasserdepots bereits um einen Meter in den vergangenen zwei Jahrzehnten gesunken. „Wir haben zwar keinen Notstand, sollten uns aber langfristig Gedanken über einen nachhaltigeren Umgang machen.“

Maßnahmen jetzt erforderlich, sonst fehlt kommenden Generationen das Trinkwasser

Das ist umso nötiger, als die Sache mit dem Trinkwasser nicht so einfach ist, wie mancher vielleicht meinen könnte. „Es ist nicht so, dass es regnet und dann die Wasserspeicher wieder voll sind“, erklärt Elmar Halk vom Zweckverband für Wasserversorgung der Pettenhofener Gruppe. „Es ist hauptsächlich der Winterregen, der in das Grundwasser fließt. Sommerregen geht in die Vegetation und verdampft. Starkregen aus Gewittern läuft oberflächlich ab.“ So komme es, dass das Wasser, das heute entnommen werde, bereits viele Jahre alt sei.

Damit sich Grundwasser besser neu bildet, kann der Mensch etwas tun. Es ist ein Thema, das Franz Herrler seit Jahren beschäftigt. Er ist Werkleiter des Zweckverbands der Laber-Naab-Gruppe, einem der größten Wasserversorger der Region, und zudem Vorsitzender der Gemeinschaft Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura.

„Wenn es nicht schon begonnen wurde, ist ein wasserschonender Landbau eine Maßnahme, die sofort umgesetzt werden muss“, sagt Herrler. „Sonst verfügen künftige Generationen über weitaus weniger Grundwasser.“ Damit sei vor allem der Humusaufbau gemeint, der nicht auf einem nacktem Boden stattfinden könne, sondern viel Grün als Schutz vor trockenen Perioden brauche.

Andernfalls droht es so weiterzugehen, wie in den vergangenen 20 Jahren. Laut Herrler hat sich in diesem Zeitraum die Grundwasserneubildung um 20 Prozent verringert. Herrler: „Zwar ist die Situation im Landkreis Neumarkt noch nicht so dramatisch, aber das ist nur eine Frage der Zeit“.