Finale der Wiesenmeisterschaft: Deiniger Wiese ist besonders vielfältig

Hohes Gras, das bis zur Hüfte geht und bunte Blumen so weit das Auge reicht. Solche Wiesen scheinen immer seltener zu werden. Durch einen Wettbewerb sollen deshalb Landwirte, die solche Flächen bewirtschaften, gewürdigt werden. Eine über vier Hektar große Wiese von Konrad Klostermann aus Deining-Arzthofen ist dieses Jahr unter den fünf Finalisten.
Die Wiesenmeisterschaft findet jedes Jahr in einer anderen Region Bayerns statt, heuer in den Ökomodellregionen Neumarkt und Amberg-Sulzbach. Die fünf Finalwiesen, von denen sich vier im Landkreis Amberg-Sulzbach befinden und eine im Landkreis Neumarkt liegt, wurden am 06.Juni von einer Jury begutachtet. Diese setzt sich aus Vertretern der Landwirtschaft und des Naturschutzes zusammen, um ein ausgeglichenes Urteil fällen zu können. Der Gewinner des Wettbewerbs wird am 26.September bei einer Abendveranstaltung bekannt gegeben.
Einen reinen Grünlandbetrieb betreiben Konrad Klostermann und seine Frau im Nebenerwerb. Das bedeutet: Sie unterhalten Wiesen, deren Ertrag sie als Futtermittel für Pferde und Milchkühe verkaufen. „Meine Wiesen sind weder gedüngt, noch gespritzt“, sagt der Landwirt bei der Vorstellung seiner Finalwiese. Außerdem würde die Wiese nur zweimal im Jahr gemäht und das auch recht spät. „Durch eine späte Mahd gibt man den blühenden Arten die Chance, sich zu entwickeln und sich vor allem zu vermehren“, erklärt die Agrarreferentin des Bund Naturschutz, Christine Hertrich. „Dadurch können auch Privatgärten die Artenvielfalt ganz einfach erhöhen.“
Artenvielfalt im Garten – Das kann jeder tun
Denn einfach Samenmischungen auf dem Gras zu verteilen, da sind sich Hertrich und ihre Jury-Kollegin Inge Steidl, einig, sei nicht erfolgsversprechend. „Es ist sehr viel besser, weniger und später zu mähen. Die Arten, die dann kommen, passen nämlich auch genau zu dem Boden und der Region“, sagt Hertrich.
„Es kommt natürlich auch sehr auf die Umgebung an“, ergänzt Landschaftsplanerin rein Steidl. „Wenn in der Umgebung nicht viele Arten vertreten sind, kann man auch mit Samen aushelfen. Aber die Mischung müsste man dann sehr genau abstimmen.“ Die Verabschiedung vom Rasen sei aber unentbehrlich, wenn die Artenvielfalt unterstützt werden soll.
Beim Wettbewerb ist allerdings nicht allein die Artenvielfalt entscheidend, um unter die Besten zu kommen. Die Wiesenbesitzer müssen ihre Flächen landwirtschaftlich nutzen, wodurch auch der Ertrag eine Rolle bei der Bewertung spielt. Ebenso hat die Bewertung der Kulturlandschaften Gewicht, da diese einerseits seltene Lebensräume darstellen können und andererseits die Schönheit und dadurch den Wohlfühlfaktor einer Wiese ausmachen. „Deshalb haben wir unter unseren Kennarten, nach denen die Artenvielfalt beurteilt wird, keine giftigen Pflanzen. Sie sollen weiterhin als Futtermittel genutzt werden können“, ordnet Sabine Heinz von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft die Kriterien ein.
Die Kennarten sind für Wiesenbesitzer nicht nur bei der Teilnahme an der Wiesenmeisterschaft wichtig. Auch um Fördergelder aus der Europäischen Union zu erhalten, kann es sinnvoll sein, Nachweise für verschiedene Arten auf den Wiesen zu sammeln. „Die letzten Tage und Wochen sind wir die ganze Zeit über die Wiese gegangen und haben geschaut, was wir so haben“, erzählt Konrad Klostermann. Er und seine Frau seien sich vorher gar nicht im Klaren gewesen, dass ihre Wiesen über so viele Arten verfügen, sagt er. Das kommt laut Harald Gebhardt, dem Behördenleiter für Landwirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, häufig vor. Die Artenvielfalt der eigenen Flächen zu kennen, sei für Landwirte ein schöner Nebeneffekt.
Wiesen leisten auch Klimaschutz
Die bloße Anwesenheit verschiedener Arten wird von der Jury dabei noch nicht als Artenvielfalt anerkannt. Besonders wichtig ist die Gleichmäßigkeit, wie Sabine Heinz beschreibt. „Uns ist wichtig, dass es nicht nur einen Fleck auf der Wiese gibt, der blüht. Die bunten Blüten sollten über die gesamte Wiese verbreitet sein.“
Im Zentrum steht für alle Beteiligten auch, die Wiesen und die Landwirte zu würdigen. Denn eine bunte Blumenwiese ist nicht nur Futtermittel und Wohlfühlort. Die Wiesen schützen auch den Boden, binden CO2, was dem Klima zu Gute kommt und sind der Lebensraum vieler Tiere.
Deshalb ist Christine Hertrich glücklich darüber, wenn sie in immer mehr Privatgärten bunter werden. „Ich habe bemerkt, dass viele nachziehen, wenn einer in der Nachbarschaft beginnt, seinen Garten vielfältiger zu gestalten.“

