Winter war erneut zu trocken: Müssen wir uns ums Trinkwasser im Landkreis sorgen?

Von Wolfgang Endlein · 25. April 2023 um 19:00

Das Wetter der vergangenen Monate war grau, kalt und feucht. Das ist das Gefühl. Tatsächlich war es ein trockener Winter – mal wieder. Das Grundwasser bildet sich nicht mehr in dem Maße neu wie in früheren Zeiten. Was muss getan werden bzw. was wird schon getan?

Berching steht beispielhaft für die meisten Messstellen des Deutschen Wetterdienstes im Landkreis: Im Dezember gab es hier 54,6 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter. Im Mittel der vergangenen Jahrzehnte waren es immer 67,7. Im Januar war es noch extremer: 23,6 Millimeter in diesem Winter, 62,1 im Mittel.

Es ist ein seit Jahren anhaltender Trend mit Folgen für das Grundwasser. „Wir sehen auch im Landkreis Neumarkt seit circa 20 Jahren sinkende Grundwasserstände“, sagt Sabine Kreitmeir vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) in Regensburg. Bayernweit gibt es seit 2003 im jährlichen Mittel ein Defizit von 16 Prozent bei der Grundwasserneubildung.

Jurakarst ist ein großes Grundwasservorkommen im Landkreis Neumarkt

Ganz ähnlich sei es im Landkreis, erklärt Kreitmeir. „Dieses Defizit aus den zuletzt gehäuft aufgetretenen Trockenjahren kann nicht durch einzelne regenreiche Monate langfristig ausgeglichen werden.“ Der trockene Winter lasse für 2023 keine Entspannung erwarten.

Was heißt das fürs Trinkwasser? Der sich über große Teile des Landkreises ausdehnende Jurakarst (Malm) ist laut Experten ein ergiebiges Vorkommen an Grundwasser. Dort sei zwar ebenfalls der Spiegel gefallen, allerdings sieht Kreitmeir derzeit keinen Grund zur Sorge. Noch, wie sie betont. Die Trinkwasserversorgung sei aber auf absehbare Zeit gesichert.

Auch Franz Herrler ist von Panik weit entfernt, allerdings klingt bei ihm Sorge durch. Er ist Vorsitzender der Kooperation Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura und leitet mit dem Zweckverband Laber-Naab einen der größten Wasserversorger der Region. Herrler betont, dass Wasserversorgung langfristig angelegt sei. Das Trinkwasser, was wir jetzt verbrauchen, sei im Schnitt 25 Jahre alt. „Was wir heute nicht machen, werden wir in 25 Jahren spüren.“ Es besteht also Handlungsbedarf. Doch was müssen wir genau tun?

Es geht um mehr als Wasser zu sparen

Die Antwort darauf ist vielschichtig und geht weit über Wasser sparen hinaus. Aber natürlich spielt ein sparsamer Umgang eine große Rolle. Braucht es für jede Nutzung Grundwasserqualität? Diese Frage müsse man sich verstärkt stellen, sagt Kreitmeir. Auch müssten, wo immer möglich, wassersparende Technologien eingesetzt werden.

Am Ende werde die technische Anpassung an den Klimawandel den Verbraucher mehr kosten, sagt Franz Herrler. Wasser wird teurer werden. Allerdings sei es aktuell im Vergleich zu seiner überragenden Bedeutung für unser Leben günstig. Nur die Infrastruktur werde von den Wasserversorgern umgelegt.

Zur Anpassung gehört es auch, dass sich die Wasserversorger durch ein zweites Standbein absichern. In den vergangenen Jahren gab es hierfür in zahlreichen Gemeinden entsprechende Projekte. Beispielsweise in Neumarkt, das seit 2014 über eineLeitungvom Zweckverband Laber-Naab 50 Prozent seines jährlichen Bedarfs an rund 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser erhält. „Ohne das hätten wir ein großes Problem, weil das Trinkwasserschutzgebiet Miss allein für Neumarkt nicht ausreicht“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Dominique Kinzkofer. Die stark beanspruchte Miss habe davon ebenfalls profitiert und wieder mehr Grundwasser bilden können.

Trinkwasserschutzgebiet Miss hätte Neumarkt alleine nicht mehr versorgen können

Laut Kinzkofer waren die Pegelstände der Miss aber nicht mit dem Klimawandel zusammenhängend zurückgegangen. Es wurde schlicht mehr Wasser entnommen, als sich rückgebildet hat.

Genau das ist aber die Aufgabe der Wasserwirtschaftsämter, die die Nutzung von Brunnen und Quellen genehmigen müssen. Um das Grundwasser nicht zu übernutzen, dürften in der Regel nur maximal 30 Prozent der jeweiligen Grundwasserneubildung zur Wasserversorgung genutzt werden, erklärt Sabine Kreitmeir.

Zurück zum Verbraucher: Beim Thema Wassersparen sollte jeder von uns den virtuellen Wasserverbrauch bewusster wahrnehmen, sagt Herrler. Also jenes verbrauchte Wasser, das nicht aus dem eigenen Hahn fließt. Die sechste Jeans im Schrank, das Zweitauto vor der Garage, das fünfte Stück Fleisch in der Woche – unser Lebensstil verbraucht Wasser, das wir nicht sehen.

Gesunden Böden kommen für Grundwasser große Bedeutung zu

Außerdem: Wenn das Grundwasser weniger wird, muss das vorhandene in der Qualität gesteigert werden. Zuletzt bereitete diese aber Sorge. Weil sie zu stark mit Nitrat und Pflanzenschutzmitteln belastet gewesen seien, habe das WWA Regensburg in seinem Bereich in den vergangenen 20 Jahren über 100 Wasserfassungen außer Betrieb nehmen müssen, sagt Herrler.

Den Landwirten macht er keinen Vorwurf. Der Gesetzgeber habe Entscheidungen verschlafen. Dennoch: Nicht nur wegen der Wasserqualität braucht es aus Sicht von Herrler einen trinkwassergerechten Landbau.

Niederschläge wird es auch künftig geben, jedoch anders verteilt. Um das Wasser aus häufiger auftretenden Starkregen besser speichern zu können, braucht es gesunde Böden mit Humus. Gesünder als sie es heute oftmals seien, sagt Herrler. Die Landschaft wird sich verändern müssen: Hecken helfen beispielsweise, dass Wasser weniger verdunstet.

Teils haben all diese Erkenntnis schon Einzug in die Praxis gehalten. Aber eben nur teils. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, sagt Herrler daher auch und betont: „Mit dem Klima können wir nicht verhandeln. Je später wir beginnen, desto größer werden die Probleme sein“.