Regensburg: Mörder steht nach spektakulärer Flucht bald erneut vor Gericht

Er sprang aus einem Fenster des Regensburger Justizgebäudes und war vier Tage unterwegs: Ein verurteilter Mörder sorgte im Januar bundesweit für Aufsehen. Darum kehrt er nun schon bald an den Ausgangspunkt seiner Flucht zurück.
Der verurteilte Mörder, der am 5. Januar aus dem Justizgebäude geflohen ist, kehrt am kommenden Mittwoch nach Regensburg zurück. Das bestätigte sein Anwalt Moritz Schmitt-Fricke auf MZ-Anfrage. Der Mann muss sich dafür verantworten, im Juli 2021 Beamte in der Justizvollzugsanstalt Straubing angegriffen zu haben.
So lief die Flucht des Mörders aus Regensburg
Dieser Vorwurf brachte den Straftäter schon einmal auf die Anklagebank – Anfang Januar stand er deshalb vor dem Amtsgericht Regensburg. Er nutzte eine Verhandlungspause dazu, durch das Fenster des Anwaltszimmers im Erdgeschoss des Justizgebäudes zu fliehen. In Abwesenheit wurde der damals 40-Jährige zu einem weiteren Jahr Gefängnis verurteilt.
Nach der Flucht wurden Konsequenzen gezogen: An den Gerichten in Regensburg gilt nun eine strikte Fessel-Pflicht
Sein Anwalt legte gegen das Urteil Berufung ein, weshalb der Prozess nun neu aufgerollt wird – diesmal vor der nächsthöheren Instanz, also dem Landgericht Regensburg. Schmitt-Fricke bestätigte, dass er Berufung eingelegt hat. Der Mann sitzt seit rund zehn Jahren in Haft, weil er 2011 eine Kiosk-Besitzerin in Nürnberg ermordet hat. Schmitt-Fricke blickt der durchaus heiklen Verhandlung vor dem Landgericht gelassen entgegen. Am Telefon sagte der Strafverteidiger aus Mainz der MZ: „Ich bin berufsbedingt Optimist. Und diesen Optimismus trage ich auch nach Regensburg.“
Mörder floh aus Regensburg: Behörden räumten Fehler ein
Im Anschluss an den Sprung aus dem Fenster Anfang Januar war der verurteilte Mörder vier Tage auf der Flucht, eher er in Frankreich gefasst wurde. Gericht und Polizei räumten im Nachhinein Fehler ein, so hätte der Mann nicht allein in das Anwaltszimmer geführt werden dürfen. Zudem hätten die Vorführbeamten Fehler gemacht.
Im Interview mit der MZ äußerte sich der Fahndungsleiter zur Flucht des Mannes: „Es ist eine Gratwanderung“
Der Vorfall sorgt immer wieder für Schlagzeilen. So wandte sich im März ein ehemaliger Mitgefangener des Mörders an die MZ. Er habe die Pläne des Straftäters unter der Dusche belauscht, sagte der Mann damals. Die Flucht hätte seiner Ansicht nach verhindert werden können.