Drogen-Pate Fiqret D. sagt erneut vor Gericht aus: „Ich war der Chef“

Ein 30-Jähriger steht in Regensburg wegen Rauschgifthandels vor Gericht. Dort saß er dem Drogen-Boss gegenüber, von dem er vermeintlich gekauft haben soll – die angeklagten Taten sind aber mehr als sechs Jahre her.
Wegen Drogenhandels in nicht geringer Menge steht ein 30-Jähriger in Regensburg vor Gericht. Die vorgeworfenen Taten liegen mehr als sechs Jahre zurück: Kiloweise soll der Angeklagte bei Drogen-Pate Fiqret D. eingekauft haben. D. war 2019 zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Boss der Westhafen-Connection war als Zeuge beim Landgericht geladen. Nicht zum ersten Mal – und wieder nahm der 59-Jährige sein Zeugnisverweigerungsrecht nicht in Anspruch. Er sagte aus.
Der angebliche Dealer soll nach Überzeugung der Ermittler 13 Kilo Gras sowie gut 100 Gramm Kokain bei dem einst stadtbekannten Drogen-Paten gekauft haben. Das aber bestreitet der Angeklagte. Wie Strafverteidiger Jan Bockemühl sagte, sei das Ganze eine Verwechslung. „Mein Mandant ist unschuldig“, erklärte er, „hier sitzt der Falsche.“ Die in Summe 37 Punkte der Anklage beruhten auf der Annahme, sein Mandant sei aufgrund seiner Nationalität der Käufer.
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In Notizbüchern führte die Westhafen-Connection wohl akribisch Buch über Drogenverkäufe. Bilder von Observationen zeigen den Angeklagten zudem in Gesprächen mit dem Drogen-Boss vor dessen Lokal im Osthafen. Dort will er laut Bockemühl aber nur ein ganz normaler Gast gewesen sein. Der 30-Jährige habe zwar auch Geschäfte mit Fiqret D. gemacht – dabei aber nur Autoteile an ihn verkauft. Diese habe er durch Mitarbeiterrabatte besonders günstig bei seinem damaligen Arbeitgeber bekommen und weiterverkauft.
Daran vermochte sich der Drogen-Boss vor Gericht nun allerdings nicht mehr erinnern. Im Gegensatz zu seiner letzten Zeugenaussagen vor wenigen Wochen: Damals hatte Fiqret D. betont, „Wahrheit ist Wahrheit“ und den damals angeklagten letzten Mann der Westhafen-Connection als einen „seiner Jungs“ zumindest indirekt identifiziert. Welche Funktion der inne hatte, wusste D. aber auch damals nicht mehr.
Der Pate machte große Erinnerungslücken geltend
Dass er dem Angeklagten je Drogen verkauft habe, bestritt auch Fiqret D. „Ich kenne diese Person nicht“, erklärte er mit Blick auf den Angeklagten. In seinem Lokal seien viele Leute ein und aus gegangen. Er sei sich aber sicher, dass es mehr als einen Mann mit besagter Nationalität gab, auf der die Anklage fußt. Zu seinem Geständnis aus dem eigenen Prozess stehe er bis heute. „Ich war der Chef“, sagte D. mehrfach. Für Rauschgiftgeschäfte habe er „seine Jungs“ und mit Dealern „nie was zu tun gehabt“.
Einer dieser Jungs, der erst im April zu fast fünf Jahren verurteilt worden war, sollte ebenfalls aussagen. Der Mann war den Fahndern im Herbst 2022 nach vielen Jahren auf der Flucht in Italien ins Netz gegangen. Er verweigerte eine Aussage jedoch und verabschiedete sich dann mit einem Zwinkern in Richtung Anklagebank, ehe er von den beiden Vorführbeamten zurück ins Bezirkskrankenhaus gebrachte wurde, wo er seit Monaten untergebracht ist.
Urteil des Landgerichts könnte kommende Woche fallen
Für den Prozess gegen den 30-Jährigen hat die siebte Strafkammer des Regensburger Landgerichts drei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll demnach schon kommende Woche fallen.
