Große Überraschung beim Gipfeltreffen von Regensburgs Drogen-Paten

Fiqret D. überrascht vor Gericht und macht eine Aussage. Seinen Nachfolgern wird zeitgleich Regensburg der Prozess gemacht, nur ein Stockwerk darüber. Für diese These gibt es jetzt erstmals ein handfestes Indiz – eine SMS von November 2011
In zwei Prozessen geht es am Landgericht aktuell um organisierte Drogenbanden. Sie sollen mit zusammen mehr als 550 Kilo Gras, Koks, Meth und Heroin gehandelt haben – Rauschgift im Straßenwert von heute rund acht Millionen Euro.„Jimmy“ und seine Bande haben das für ihren Teil auch gestanden.
Im anderenProzess zauderte der wohl letzte Mann der Westhafen-Connectionnoch. Er wurde nach Jahren von Fahndern in Italien aufgespürt und festgenommen. Weniger zimperlich gab sich sein mutmaßlicher Ex-Boss Fiqret D. – „Wahrheit ist Wahrheit“, sagt der und will auch aussagen. Neu ist: Beide Fälle haben Gemeinsamkeiten, wie eine alte SMS zwischen den beiden Drogen-Paten zeigt.
Richter Siegel belehrt den Drogen-Paten sieben mal
Punkt 11 Uhr wird Fiqret D. von zwei Polizisten vorgeführt. Er trägt blaue Anstaltskleidung, Handschellen und Bauchgurt. Die ersten vier von zwölfeinhalb Jahren Haft, zu denen er 2019 verurteilt wurde, haben äußerlich kaum Spuren hinterlassen. Lässig lehnt sich der 59-Jährige in den Stuhl im Sitzungssaal 07 im Justizgebäude in der Augustenstraße. Die wachen Augen lässt er hinter der markanten schwarzen Brille schweifen – auch zum 34-jährigen Angeklagten, der mit seinen Verteidigern auf der Anklagebank sitzt. Man kennt sich.
Das bestätigte er nach sieben Belehrungen zu seinem Zeugnisverweigerungsrecht. Reden will er trotzdem; erinnere sich an Details aber kaum. „Wir haben ein Geständnis gemacht“, erklärt er, „und wir sind acht Personen gewesen“.Im Prozess, von dem er spricht, stand Fiqret D. mit sechs weiteren Männern vor Gericht. Der achte und letzte Mann der Bande war laut Anklage der 34-Jährige rechts von ihm. Der soll die Drogendepots der Westhafen-Connection verwaltet, über An- und Verkäufe sehr genau Buch geführt, die Lieferungen angenommen, klein portioniert und dann weiter verteilt haben.
An Details erinnert sich der Drogen-Pate nicht mehr
Welche Funktion der Angeklagte hatte, vermochte der Pate aber nicht zu sagen. „Er war wie alle anderen Jungs da“, erklärt er. Das damalige Geständnis im eigenen Prozess bedeute, „dass wir alles zugegeben haben, was wir gemacht haben“, und wiederholt erneut, es seien acht Leute gewesen. Alle „Jungs“ hätten Drogen genommen, „außer ich“. Dann versichert der 59-Jährige der Staatsanwältin Alexandra Wittl, sein Geständnis stimmte, schränkt auf Fragen der Verteidiger Florian Münch und Prabhlin Sidhu dann aber ein, das wäre allgemein auf seine Person bezogen gewesen und nicht zu genauen Details der Vorwürfe.
Viel wichtiger ist ihm offenbar etwas ganz anderes, wie er Vorsitzendem Richter Gerald Siegel klagt: Trotz eines Deals mit dem Gericht habe er die „Höchststrafe gekriegt“. Dabei wäre ihm was anderes versprochen worden. Auch wäre er nie Drogen-Pate gewesen, sondern ein Wirt und Autohändler mit zu vielen Schulden. Heute sei er „ein gebrochener Mann und die Jungs genauso“, sagt er. Vor allem sein Neffe, der 2018 als seine rechte Hand verurteilt wurde, und „unschuldig ins Gefängnis gekommen“ sei.
Während er das erzählt, läuft im Sitzungssaal 104, genau ein Stockwerk darüber, der Prozess gegen „Jimmy“ und drei Helfer. Der 50-jährige Hauptangeklagte soll Kopf einer Bande gewesen sein, die mit gut 230 Kilo Rauschgift handelte. Und das offenbar als Nachfolger von Fiqret D.s Westhafen-Connection. Eine bislang unbekannte SMS zeigt, dass „Jimmy“ und D. bereits 2011 gemeinsame Sache machten – also viele Jahre bevor die erste Bande einst aufflog und vor Gericht musste.
Regensburg war 2011 schon Ziel einer Drogenlieferung
Damals sollten 23,4 Kilo Gras von Albanien nach Regensburg gehen, konkret an Fiqret D. Dem schrieb „Jimmy“ am 17. November 2011: „Warte auf mich in München. Ich werde morgen mit dem Flugzeug kommen. Gute Nacht!“ Doch die Kuriere flogen an der Grenze zu Montenegro auf und „Jimmy“ wurde verhaftet. Er kam lange in Haft, dann nach Deutschland und führte in Regensburg offenbar das weiter, was Fiqret D. aufgebaut hatte – bis die Bande im September 2021 aufflog.
Vor Gericht haben „Jimmy“ und die Komplizen gestanden. Sie erwarten zwischen drei und zehn Jahren Haft. Am Freitag soll hier plädiert werden. Wann der mutmaßlich letzte Mann der Westhafen-Connection ein Urteil zu hören bekommt, ist derzeit noch offen. Ihm drohen bis zu sechs Jahre Gefängnis.