Spätes Urteil: Gericht spricht 34-Jährigen nach Jahren auf der Flucht schuldig

Seit 2017 war er auf der Flucht: Nun ist der letzte Mann der Westhafen-Connection am Landgericht verurteilt worden. Nach einer überraschenden Aussage des früheren Drogen-Pate Fiqret D. hat der 34-Jährige im Prozess in Regensburg gestanden.
Jahrelang hatte die Westhafen-Connection um Drogenpate Fiqret D. den organisierten Rauschgifthandel fest in ihren Händen. 2017 griffen die Ermittler zu und kassierten die Bande ein. Mit mehr als vier Jahren Verspätung bekam nun auch der letzte Mann seine Strafe: Das Regensburger Landgericht verurteilte einen 34-Jährigen zu vier Jahren und acht Monaten Gefängnis. Er war seit Ende 2017 auf der Flucht – Fahnder hatten ihn 2022 in Italien aufgespürt und festgenommen.
Seit Ende Januar musste sich der Mann vor der siebten Strafkammer des Landgerichts verantworten. Er soll am regen Handel mit rund 300 Kilo Gras sowie kiloweise Koks und Heroin beteiligt gewesen. Laut Anklage war der 34-Jährige einer der Verwalter des Drogendepots im Hafen. Dorthin ließ sich Fiqret D. das Rauschgift in Seitenschwellern spezieller Schmuggelautos liefern. Vor Ort wurde die Ware dann direkt ausgebaut, portioniert und auch eingelagert.
Auf direkte Weisung des Bosses soll der Angeklagte zudem detailliert Buch über Bestellungen geführt haben – Aufzeichnungen, die der Bande am Ende auch zum Verhängnis wurden. Denn: Einer der Mittäter packte aus und verriet der Regensburger Kripo die geheimen Codes zur Entschlüsselung der umfangreichen Notizen. Die Anklage gegen den 34-Jährigen umfasste 23 Fälle, wobei Staatsanwältin Alexandra Wittl sich früh auf drei beschränken hätte wollen.
Drogen-Pate Fiqret D. sagte zur Überraschung aller aus
Doch dazu kam es zunächst nicht: Der Angeklagte zog es zunächst vor, zu schweigen. Bis in dem Ende Januar gestarteten Prozess sein ehemaliger Boss Fiqret D. im Zeugenstuhl Platz nahm. Denn der sorgte für eine Überraschung – er wollte aussagen und tat es auch. „Wir haben ein Geständnis gemacht“, sagte er, „und wir sind acht Personen gewesen“. In dem Prozess, von dem er sprach, war D. mit sechs weiteren Männern angeklagt. Der achte und letzte Mann war der 34-Jährige.
Lesen Sie dazu auch:Mega-Betrug schnell abgeurteilt – doch wo ist ein Teil der Millionenbeute?
Doch genaue Erinnerungen wollte der Pate bei seiner Aussage am 14. Februar nicht mehr haben. In welcher Funktion der Angeklagte für ihn gearbeitet hatte, blieb im Dunkeln. Aber so viel: Das Geständnis in seinem eigenen Prozess bedeute, so der Zeuge, „dass wir alles zugegeben haben, was wir gemacht haben“. Und dann wiederholte er noch mal klar, es seien acht Leute in der Bande gewesen. „Wahrheit ist Wahrheit“, betonte D., als müssteder zu zwölfeinhalb Jahren verurteilte Drogenpateseine Angaben noch untermauern.
Angeklagter gesteht: Fiqret D. „wusste genau, was er tat“
Exakt 22 Tage später brach der Angeklagte dann ebenfalls sein Schweigen. Im Groben seien die Vorwürfe in der Anklage so korrekt, eine übergeordnete Rolle habe er in der Gruppe jedoch nie gehabt. Seine Funktion sei „Türöffner“ im Drogenlager gewesen. Mit Fiqret D. habe er persönlich kaum zu tun gehabt. Aber: „Der wusste genau, was er tat“, erzählte er über den Ex-Paten von Regensburg. Er selbst habe nur getan, was ihm sagte worden sei. Im September 2017, Monate vor dem Zugriff der Kripo, sei er rausgeflogen – weil er sich zu häufig an den Drogen bedient hatte.
Diese schwere Abhängigkeit habebis zur Festnahme im Oktober nahe Bolognasein Leben bestimmt. Eine Tatsache, die die psychiatrische Sachverständige Christina Schreyer im Gutachten zur Suchterkrankung des 34-Jährigen bestätigte. Das machte sich im Urteil bemerkbar: Das Landgericht verurteilte ihn wegen drei Fällen bandenmäßigen Drogenhandels in nicht geringer Menge.
Gericht hat keine Zweifel: Er war Mitglied der Bande
Die Kammer konnte auch eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausschließen. Zudem ordnete das Gericht die Unterbringung im Maßregelvollzug an – dort soll der 34-Jährige eine Entzugstherapie absolvieren. Keine Zweifel hatte Vorsitzender Richter Gerald Siegl an dessen Rolle: „Jeder hier weiß, dass der Angeklagte ein Mitglied dieser Bande war.“