Nach Festnahme in Regensburg: Klimaaktivist spricht über die Zeit hinter Gittern

Rund sieben Stunden verbrachte der Regensburger Klima-Aktivist Simon Lachner am Montag in einer Zelle. Am Tag danach kündigt er schon die nächste Aktion der „Letzten Generation“ an.
Simon Lachner ist seit Montagabend wieder auf freiem Fuß. Er wurde gegen 19 Uhr aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Die Nachricht sorgte spontan für Jubel bei den rund 30 Menschen, die sich vor der Polizeiinspektion Regensburg Süd versammelt hatten, um sich mit Lachner zu solidarisieren. Der 25-Jährige war am Mittag festgenommen worden, weil er eine Aktion der „Letzten Generation“ angekündigt hatte – diese fand auch statt.
Am Tag nach der Verhaftung sagt Lachner, dass es ihm „sehr gut“ gehe. Mit einer Maßnahme habe er schon gerechnet. „Da war so ein Bauchgefühl. Jedes Mal, wenn es geklingelt hat, habe ich gehofft, dass es nur der Postbote ist und nicht die Polizei.“ Schlussendlich habe ihn die Festnahme doch überrascht. „Es ist aber gleichzeitig schockierend, dass versucht wird, gerechtfertigten Protest gegen die Klimapolitik klein zu halten.“ Die Folgen des Klimawandels seien die „wahren Probleme“, denen sich die Gesellschaft stellen muss. Seine Zeit in der Zelle beschreibt Lachner als „eher langweilig.“ Der Raum sei gekachelt gewesen, er habe eine Decke, ein Kissen und ein Glas Wasser gehabt. „Angst hatte ich nicht. Ich weiß, dass ich dort sitze, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Ich weiß, dass ich das Richtige tue.“ In einer Mitteilung übt die „Letzte Generation“ Kritik an der Polizei. Die Kriminalisierung der Gruppe habe einen neuen Höhepunkt erreicht.
„Letzte Generation“: Bisher einmaliger Vorgang in Regensburg
Lachners Festnahme wurde von den Behörden mit dem Polizeiaufgabengesetz begründet. Das Amtsgericht erklärte den vorübergehenden Freiheitsentzug für zulässig. Eine solche Präventivhaft für einen Klimaaktivisten ist in Regensburg am Montag zum ersten Mal verhängt worden, wie Amtsgerichtssprecher Thomas Schug mitteilt. In anderen Fällen habe das Gericht jedoch bereits Freiheitsentziehungen gemäß dem Polizeiaufgabengesetz angeordnet.
Die Verhaftung des Klimaaktivisten wurde gefilmt. Das Video geht im Internet viral. Allein auf dem Twitter-Account der „Letzten Generation“ wurde es 2,5 Millionen Mal abgerufen. Markus Reitmeier, Sprecher der PI Süd, bestätigt auf MZ-Anfrage, dass das Video Teile der polizeilichen Maßnahmen zeigt. Zu sehen sind unverpixelte Polizisten in zivil – deswegen drohen nun womöglich Konsequenzen. „Die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg prüft derzeit die Einleitung rechtlicher Schritte“, teilt Reitmeier mit.
Klima-Aktivist trifft nach Freilassung auf Oberbürgermeisterin
Lachner wurde am Abend von der Polizei aus einer Zelle direkt in die Wahlenstraße gebracht, weil er den Wunsch geäußert hatte, dort an der Eröffnung der Nachhaltigkeitswoche im „Degginger“ teilnehmen zu wollen. Auch dort kam es zu einer kleineren Aktion der „Letzten Generation“, wie die Gruppe in einer Pressemitteilung schreibt. Musikerin Ronja Künkler zog auf der Bühne eine orangene Weste an und erzählte, wie schwer sie die Verhaftung Lachners getroffen habe. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer – die bei der Eröffnung der Nachhaltigkeitswoche als Rednerin auftrat – habe die Veranstaltung mit „bedrücktem Blick verlassen.“ Die städtische Pressestelle widerspricht dem. Die OB habe das „Degginger“ nach Abschluss des offiziellen Teils aus Termingründen verlassen. Lachner habe Maltz-Schwarzfischer gesehen, gesprochen habe man aber nicht miteinander. Die OB habe Verständnis für die Sorgen junger Menschen, teilt die städtische Pressestelle mit. Dennoch seien für die Oberbürgermeisterin demokratische Werte nicht verhandelbar.
Für Lachner hat die Festnahme keine Konsequenzen. Polizeisprecher Reitmeier kündigt aber gegebenenfalls erneute Maßnahmen der Polizei an. Lachner selbst gibt sich von der Gewahrsamnahme unbeeindruckt und kündigt an, heute erneut mit der „Letzten Generation“ zu demonstrieren – und sich dabei nicht an Versammlungsauflagen halten zu wollen. Die Gruppe ruft um 17 Uhr zu einer Kundgebung bei den Arcaden auf. „Es bleibt abzuwarten, ob mich die Polizei auch dann wieder festnimmt.“