Der Landkreis Cham kämpft um seine Bundes- und Staatsstraßen - mit Hindernissen

Das Wort Lebensader für eine Staats- oder Bundesstraße bekommt eine ganz andere Bedeutung für einen Landkreis wie Cham, in dem es keine Autobahn gibt. Und so treffen sich alljährlich die Mandatsträger der CSU mit der Spitze des Staatlichen Bauamtes Regensburg und diskutieren die Prioritäten der nächsten beiden Jahre.
Schnell wird klar, dass der Kampf um die Straßen nicht einfacher geworden ist für den Landkreis Cham. Das liegt nicht nur daran, dass das Bauamt ständig am Überlegen ist, wo es das Personal hernehmen soll für die Planungen, die notwendig wären. Dabei bindet nicht nur die Suche nach dem notwendigen Budget und den Fördertöpfen Ressourcen.
Kosten und Aufwand können schell explodieren
Auch die Politik und ihre Vorgaben haben ihren Anteil, dass so ein Straßenbau ausarten kann. Dass Kosten und Aufwand explodieren. Und so nimmt die CSU-Bundestagsabgeordnete auch eine Hausaufgabe mit nach Berlin.
Im Abgeordnetenbüro in der Badstraße sitzen MdL Martina-Englhardt-Kopf und MdL Dr. Gerhard Hopp zusammen mit Behördenleiter Thomas Sendtner und dessen Bereichsleiter Straßenbau, Michael Breu, und Dr. Richard Bosl, der zuständig ist für den Landkreis Cham. Die Bundesstraßen klammert man an diesem Tag aus. Die sollen demnächst in einem weiteren Termin mit dem neuen Traitschinger Bürgermeister Markus Sölch besprochen werden.
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Doch auch die Staatsstraßen sind schon ein weites Feld. Alle sind sich einig, dass deren Bedeutung im Hinblick auf die fehlende Autobahn im Landkreis Cham herausragend ist. Und so listet Dr. Richard Bosl Sanierungen und Ortsumgehungen im Gegenwert von fast neun Millionen Euro auf. Dazu fast drei Kilometer neuer Radwege für vier Millionen Euro (siehe Info). Alles ist in der Planung fortgeschritten und soll 2027/28 gebaut werden.
Dinge, die Chamer Straßenbauer einbremsen könen
Dann kommt die Sprache auf Dinge, die den Vorwärtsdrang der Straßenbauer schnell einbremsen können. Dabei geht es nicht nur um Bürgerinitiativen. Die sind manchmal – wie im Fall der Ortsumgehung Lederdorn – sogar für den Straßenbau. Meistens aber dagegen, bedauert MdL Dr. Hopp.
Die Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf nimmt aber ein ganz anderes Anliegen mit nach Berlin und will deswegen bei der Bundesbauministerin Verena Hubertz vorsprechen. Es geht um die Ersatzbaustoff-Verordnung, die am 1. August 2023 inkraftgetreten ist. Die Politik hatte sich damals vorgenommen, damit die Umwelt zu schützen. In der Praxis werden die massive Bürokratie und Kostenexplosionen beklagt, berichten die Straßenbauer. Die Bemühungen, die Verordnung zu befolgen haben nämlich zu Auswüchsen geführt, die keiner mehr versteht. „Da liegt seit Jahrhunderten Arsen im Boden, das dort natürlich entstanden ist. Dann gräbt man auf und muss das notfalls entsorgen“, erzählt Dr.Bosl. Michael Breu steuert bei, dass proaktisch bei jeder Straßenbaumaßnahme versucht werden muss, bei den bewegten Massen ein Nullsummenspiel zu erreichen. „Es sollte möglichst nichts übrigbleiben, was transportiert werden muss.“
Dieser Aushub muss dann nämlich auf einer asphaltierten Fläche gelagert und nach 30 bis 40 Parametern untersucht werden, damit man überhaupt weiß, wo er entsorgt werden darf. Glücklich, wer seine ausgehobenen Massen vor Ort wiederverwenden kann. Der darf sie nämlich einfach wieder einbauen. „Das ist alles extrem komplex und aufwändig“, sagt Bosl.
„Zeit, die Auswirkungen der Verordnung zu prüfen“
„Als Praktiker schüttelt man den Kopf. Vor Ort ist das Material in Ordnung, einen Kilometer weiter ist es schon Abfall. Das kostet alles viel Geld und bindet Personal!“ Englhardt Kopf verspricht, in der Sache im Bundesbauministerium vorstellig zu werden: „Das ist der Job. Die Verordnung hat drei Jahre Zeit gehabt, jetzt müssen ihre Auswirkungen auf den Prüfstand.“
Die Prioritäten bei Staatsstraßen und Radwegen
Fahrbahnsanierungen (sämtliche Maßnahmen befinden sich in Planung):
Ortsumgehung Traidersdorf: Es besteht Baurecht für zwei Kilometer Fahrbahn; Kostenschätzung 11,0 Millionen Euro; Bau 2027/28;
Miltach-Konzell: 2. Bauabschnitt, Baulänge 1,7 Kilometer; Kostenschätzung: 3,0 Millionen Euro, keine Dringlichkeit;
Verbreiterung nördlich Eschlkam: Länge 900 Meter, Kostenschätzung 1,0 Millionen Euro; keine Dringlichkeit;
Ortsdurchfahrt Katzbach: Länge 350 Meter; Kostenschätzung 500 000 Euro; Dringlichkeit 1;
Ortsdurchfahrt Falkenstein: Länge: 350 Meter; Kostenschätzung 250 000 Euro; Dringlichkeit 1;
Ortsdurchfahrt Furth im Wald: 1. Bauabschnitt; Länge 400 Meter; Kostenschätzung 250 000 Euro; Dringlichkeit 3;
Erhaltungsmaßnahmen:
Deckenbau Ortsdurchfahrt Pösing: Länge 370 Meter; Kostenschätzung 65 000; Ausführung 2027, Dringlichkeit 1;
Fahrbahnsanierung Kreisverkehrsplatz Chamerau-Lederdorn: Länge 3,1 Kilometer, Kostenschätzung 1,0 Millionen Euro; Ausführung 2027;
Fahrbahnsanierung Radling-Cham: Länge 2,55 Kilometer; Kostenschätzung 800 000 Euro; Ausführung 2027;
Fahrbahnsanierung Ortsumgehung Lam/Ortsdurchfahrt Englshütt: Länge 1,8 Kilometer; Kostenschätzung 500 000 Euro; Ausführung 2027/28;
Fahrbahnsanierung bei Schergendorf: Länge 1,9 Kilometer; Kostenschätzung 350 000 Euro, Ausführung 2027;
Fahrbahnsanierung bei Premeischl: Länge 2,5 Kilometer, Kostenschätzung 820 000 Euro; Ausführung 2029;
Fahrbahnsanierung bei Mackenschleif: Länge 800 Meter; Kostenschätzung 300 000 Euro;
Radwege
Ränkam-Furth im Wald: Länge 319 Meter, Kostenschätzung 150 000 Euro; Ausführung 2027;
Geigant-Zillendorf (2. Bauabschnitt): Länge 1,2 Kilometer, Kostenschätzung 4,0 Millionen – hier geht es noch um die Abstimmung mit der Bahn beim Bau von 300 Metern Stützmauer und die zu erwartende Förderung;
Ruderszell-Falkenstein: 1,4 Kilometer; Kostenschätzung 520 000 Euro, Ausführung offen;