Mit Alpakas und Lamas: Familie Völkl-Simbeck bietet auf Malterer-Ranch Sportkurse und Kaffee

Von Selina Schaefer · 13. August 2026 um 11:00

Behutsam geht Raffi mit seinen weichen Lippen über Ramona Völkl-Simbecks Stirn. Ein Küsschen hier, dann noch an den Wangen. Erst dann legt das weiße Lama seine erste Scheu etwas ab. Raffi ist eines von neun Alpakas und Lamas, die die Ex-Handballerin mit ihrem Mann Wolfgang Völkl auf ihrer Malterer-Ranch in Stamsried (Landkreis Cham) halten. Seit diesem Jahr bieten sie dort mit Sport-Stodl, Hofcafé und Hofladen aber mehr als nur Alpaka streicheln.

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Das ist im übrigen auch gar nicht so leicht, denn die Neuweltkameliden, zu denen Alpakas und Lamas gehören, sind schüchtern. Hände sind ihnen suspekt und zur Begrüßung gibt es eben Küsschen auf die Stirn. Das Motto der Tiere, sagt Ramona Völkl-Simbeck, ist: „Kenn ich nicht, weiß ich nicht.“ Wie man mit den Tieren umgeht, muss also gelernt sein. Sie und ihr Mann sehen daher das Bild vom knuddeligen Alpaka, das oft reproduziert wird, kritisch.

Alpakas seien ursprünglich eher wegen ihrer Wolle gezüchtet worden und daher eigentlich weniger auf Menschen bezogen, während Lamas als Lastentiere da schon anders ticken. Und beide Arten spucken eigentlich nicht auf Menschen, sagt Völkl-Simbeck: „Sonst wären sie fehlgeprägt.“ Das sei nicht erwünscht, schließlich kann eine fehlende Unterscheidung zwischen Mensch und Artgenosse auch unangenehm bis gefährlich für den Menschen werden. Daher werde die ersten zehn Monate der menschliche Kontakt zu den Jungen gering gehalten, sagt die 44-Jährige.

Küsschen statt Spucken: Lama Raffi ist Ramona Völkl-Simbecks Liebling. - Foto: Selina Schaefer

Das Paar wechselte vom Sport zu Neuweltkameliden

Ihr Wissen haben sich die beiden mit der Zeit aufgebaut. „Früher haben wir Handballfortbildungen gemacht, heute für Alpakas und Lamas“, scherzt ihr Mann Wolfgang Völkl. „Ich habe auch schon Scherkurse gemacht.“ Denn eigentlich kommen die beiden aus einem ganz andere Metier. Sie Handballspielerin und ausgebildete Sporttherapeutin, er 15 Jahre lang ihr Handballtrainer, gelernter Schreiner und Geschäftsführer bei der Firma Fuchs Boden und Raumkompetenz.

Zuletzt hatten beide in Mintraching Handball gespielt und in Nabburg mit den vier Kindern gewohnt. Hinter der Sporthalle in Mintraching standen Alpakas, die Faszination war geboren. Dann kam 2021 Corona. „Wir haben gesagt, wir hören nach der Saison auf – und dann haben wir im Sommer Alpakas im Garten gehabt“, sagt Völkl-Simbeck. Beide witzelten damals, dass sie sich nach dem Handball die nächste „Damenmannschaft“ geholt haben. Als die erwachsenen Kinder der Patchworkfamilie auszogen, verkaufte das Paar ihr Haus und ging gut zwei Jahre auf Suche nach einem Hof.

Das ehemalige Weizenlager ist nun ein „Sport-Stodl“. - Foto: Selina Schaefer

„Wir haben lange nichts gefunden“, berichtet der 51-Jährige. Dann fanden sie über Bekannte den Hof aus den 60er Jahren am Rande von Stamsried, eingebettet in die hügelige Landschaft mit zwei Scheunen. „Für uns war es ein Sechser im Lotto.“

Seit vier Jahren wohnen sie mit vier Alpaka-Hengsten, fünf Alpaka-Stuten, fünf Lamas und drei Hunden dort. In Eigenregie haben sie den Hof renoviert und umgebaut, so dass er ihren Vorstellungen entspricht: Weiden für die Tiere gebaut, das Wohnhaus renoviert sowie Stallungen, Hofcafé und Hofladen liebevoll her- und eingerichtet.

Ramona Völkl-Simbeck freut sich, wenn Gäste kommen und sagen: „Jetzt stresst mich erst einmal nichts mehr.“ Daher laden überall auf dem Gelände Sitzgelegenheiten in allen Formen und Farben zum verweilen ein: Sessel, Sofas, Schwingsessel oder Barstühle, oft gefunden auf Kleinanzeigen. Ein opulentes, cremefarbenes Barocksofa stammte beispielsweise vom Nabburger Künstler von „Das Ding“, verrät sie. Eine Verbindung in die alte Heimat.

Die neugierigen Herdentiere folgen gerne dem Trubel. - Foto: Selina Schaefer

Im selbst gebauten Sportstudio bieten sie Kurse

„Wenn ich mir etwas einbilde, dann muss ich es genauso haben“, lacht die Sporttherapeutin. Etwa auch ihr neustes Werk, ein komplett ausgestattetes Sportstudio im alten Weizenlager unterm Dach. „Ich habe jede Dachschindel einzeln mit einer Klobürste saubergemacht“, erzählt sie und zeigt in den hohen Dachstuhl, wo man die Schindeln von unten sieht. Seit ungefähr April bietet die Yogalehrerin Franziska Roider dort im „Sport-Stodl“ Kurse an.

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„Der erste Kurs, der voll war, war der Männer-Yoga-Kurs. Ich hätte es nicht gedacht“, sagt Völkl-Simbeck. Sie selbst bietet Athletiktraining, das allerdings nicht ganz so gut wie Yoga ankomme. „Ich glaube, ich fordere zu viel“, sagt sie. Für Sportvereine gibt es dazu ganze Trainingstage, die super angenommen würden. Daneben veranstalten sie auf dem Hof Hochzeits- und Geburtstagsfeiern, ein Wochenende unter dem Motto „Sommerpause“, im Winter einen Weihnachtsmarkt oder nächstes Jahr voraussichtlich ein Weinfest.

Auch fünf Lamas besitzt das Paar. - Foto: Selina Schaefer

Und das Projekt Hof ist noch nicht zu Ende, denn Ideen hat das Paar viele, wie etwa aus dem Kräuterbeet einen kleinen Beachbereich mit Pool und Wintergarten machen. Und: „Pferde und Esel stehen noch auf dem Programm.“

Über die Malterer-Ranch

• Hofcafé: Das Hofcafé ist freitags während der Sporteinheiten geöffnet (9 bis 12 Uhr) sowie jeden zweiten Sonntag, nächstes Mal am 15. August. Von 9 bis 12 Uhr gibt es ein Spezialangebot mit Frühstück (mit Anmeldung) und von 13 bis 16.30 Uhr Kaffee und Kuchen (ohne Anmeldung).

• Sport-Stodl: Verschiedene Sportprogramme, unter anderem Yoga, Athletiktraining oder Fit mit Beat, werden angeboten.

• Hofladen: Die Öffnungszeiten richten sich nach Sport-Stodl und Hofcafé.

• Kontakt: Großenzenried 5 1/2, 93491 Stamsried; Tel.: 0160/3 15 19 37, E-Mail info@malterer-ranch.de. Mehr Infos auf der Website www.malterer-ranch.de

Viele Sitzecken überall auf dem Hof laden zum Verweilen ein. - Foto: Selina Schaefer