Kaum Wasser in der Naab: Dieses Wehr sorgt in Schwandorf aktuell für Probleme

Schwimmende Inseln aus Wasserpflanzen haben sich auf der Naab gebildet, das Schuirer-Wehr ist staubtrocken und einige Meter flussaufwärts fließt die Naab in die vermeintlich falsche Richtung. Die niedrigen Pegelstände machen sich auch in Schwandorf bemerkbar – und offenbaren ein Problem, welches schon lange im Hintergrund schwelt: das Krondorfer Wehr.
Eigentlich soll das Wehr dafür sorgen, dass die Innere Naab – also der Teil des Flusses, der den Stadtpark umrahmt – genug Wasser bekommt. Deshalb wird das Wasser am Krondorfer Wehr teilweise Richtung Schwandorf umgeleitet. Dort kommt aktuell jedoch wenig Wasser an. Mehrere besorgte Leser meldeten sich wegen der Situation kürzlich bei der MZ.
„Der Zustand ist eine Katastrophe. Der Grund, warum durch die Stadt so wenig Wasser fließt, liegt nicht alleine daran, das die Naab momentan so wenig Wasser hat, sondern daran, dass das Krondorfer Wehr so unterspült ist, dass das ganze Wasser unter dem Wehr hindurch fliesen kann“, schreibt einer. Ein anderer sorgt sich wegen dem entstehenden Sog der Unterspülung um die Sicherheit der Kanufahrer und Schwimmer am Wehr.

Ähnlich sieht es auch Klaus Pöhler, Vorsitzender des Bund Naturschutzes der Kreisgruppe Schwandorf. „Das Wehr ist kaputt, da fließt das Wasser unter dem Wehr und seitlich entlang“, sagt er. Die Struktur stamme noch aus einer Zeit, in der die Leute ihre Wäsche noch in der Naab gewaschen hätten.
Ein Besuch vor Ort verdeutlicht das Problem: Risse zieren den Beton, an mehreren Stellen haben sich kleine Strudel gebildet, an denen das Wasser unter das Wehr fließt, und mitten auf dem Wehr wachsen Pflanzen. Auf dem Nebenarm, der vom Wehr zur Inneren Naab führt, fließt die Naab gar in die falsche Richtung – vom sogenannten Fronberger Triebwerkskanal fließt das Wasser Richtung Krondorfer Wehr nach Norden, statt Richtung Süden in die Innere Naab. Pöhler fordert, dass das Wehr wieder instandgesetzt werden muss.
Zu viel Schlamm in der Naab
Gleichzeitig müsse man jedoch ein anderes Problem lösen – nämlich die schwimmenden Inseln aus Wasserpflanzen, die vor den Toren Schwandorfs wachsen. „Das ist nicht gerade ein Aushängeschild für die Stadt“, findet Pöhler. Aktuell werde der Fluss eben auch mit wenig Frischwasser versorgt. „Irgendwann ist die Innere Naab keine Naab mehr, sondern ein Brackwasser“, sagt er. Durch die Verlandung beziehungsweise Verschlammung der Inneren Naab können sich die Pflanzen dort ausbreiten. Was also tun? „Die Verlandung müsste raus aus dem Wasser, damit wieder eine Fließgeschwindigkeit entsteht“, sagt Pöhler.

Matthias Rosenmüller, Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamts Weiden, betont, dass seine Behörde für den Unterhaltes des Flusses zuständig sei. Am Dienstag habe man deshalb Sofortmaßnahmen ergriffen, um Undichtigkeiten am Krondorfer Wehr provisorisch zu verschließen. Mit Kies habe man das Wehr verdichtet.
Außerdem wurden zwei Dämme errichtet. „Wir unterbinden momentan den Fließweg in Richtung Krondorfer Wehr“, erklärt Rosenmüller. Diese Dämme halten das Wasser aus dem Fronberger Triebwerkskanal davon ab, zum Krondorfer Wehr zu fließen – stattdessen soll das Wasser in Richtung Innere Naab. „Die Maßnahmen hatten auch anfangs Erfolg“, berichtet Rosenmüller.
Ein Gleichgewicht soll entstehen
Allerdings war ein Damm hinterläufig – es hätten sich kleine Rinnsale über eine nahe Insel gebildet. Grund für den Fehler sei der schwankende Stand der Naab gewesen, die Dämme wurden bei einem niedrigeren Wasserstand errichtet. Um das Problem zu lösen, soll Anfang nächster Woche nun ein Spezialbagger anrücken, der den richtigen Fließweg wieder herstellt.

Aber nicht nur kurzfristig tut sich was. „Wir haben eine Planung im Vorentwurf, die eine Sanierung der Inneren Naab beschreibt“, erklärt Rosenmüller. Mit Sanierung sei aber nicht, wie vom Bund Naturschutz gefordert, das Ausbaggern der Naab gemeint. Stattdessen wolle man das Gewässer so herstellen, dass genügend Wasser mit einer angemessenen Geschwindigkeit fließt. Es gehe um ein Gleichgewicht. Dieses könne zum Beispiel durch eine Verengung der Naab hergestellt werden.
Auch flussaufwärts hat das Wasserwirtschaftsamt Pläne. „Das Krondorfer Wehr soll mittelfristig saniert werden“, fügt Rosenmüller hinzu. Diese Sanierung werde eventuell von einem Investor durchgeführt, der dort eine Wasserkraftanlage bauen möchte – eine Baumaßnahme, die die Kreisgruppe des Bund Naturschutz kritisch sieht.
Bis solche Pläne in die Tat umgesetzt werden könnten, muss aber noch viel Wasser die Naab herunterfließen. Den kurzfristigen Lösungsansätzen sieht Rosenmüller positiv entgegen. „Ich bin optimistisch“, sagt er.