Drohendes Fischsterben in Schwandorf: Wasserwirtschaftsamt Weiden hat reagiert

Die anhaltende Hitze macht der Naab zu schaffen, die Pegel sind so niedrig wie schon ewig nicht mehr. Die Folgen zeigen sich auch im Stadtgebiet von Schwandorf. Das Wehr neben den markanten Wasserrädern, über das die meiste Zeit des Jahres reichlich das Wasser strömt, ist in den vergangenen Wochen komplett trockengefallen. ÖDP-Stadtrat Alfred Damm befürchtete schon ein Fischsterben in diesem Seitenarm der Naab. Doch nun hat das Wasserwirtschaftsamt Weiden Abhilfe geschaffen.
Schon mindestens drei Wochen liegt die Steinmauer neben den Wasserrädern komplett trocken, hat Stadtrat Alfred Damm festgestellt. Der Mann muss es wissen, denn sein Büro befindet sich genau gegenüber an der Naabuferstraße. Und manchmal macht der Finanzberater eben auch Pause im nahe gelegenen Stadtpark. „Damit wieder Wasser drüberläuft, müsste sich das Wetter in den kommenden Wochen schon komplett ändern. Aber für die nächsten 14 Tage ist kein Regen angesagt“, sagt Damm.
Die Folgen der Trockenheit sind deutlich zu sehen: Während durch den Ablauf am Tivoli-Wehr direkt bei den Wasserrädern kontinuierlich das Wasser der Storchennaab strömt, steht es im zweiten Seitenarm, gleich beim Stadtpark, in einem brackigen Tümpel mit Schlieren an der Oberfläche. Weiter flussabwärts ist inzwischen ein kleiner Steinriegel aus dem Niedrigwasser aufgetaucht, der den kleinen Flussarm noch zusätzlich verengt.

Zuletzt dürfte sich das allerhöchstens kniehohe Wasser unterhalb des Tivoli-Wehrs auf 30 Grad aufgeheizt haben, schätzt Alfred Damm. Wenn das so weiter gehe, so die Befürchtung des passionierten Anglers, „werden die Fische hier bald mit dem Bauch nach oben schwimmen“. Der ÖDP-Stadtrat sieht in den Extremwetterlagen der vergangenen Monate deutliche Auswirkungen des Klimawandels. Doch beim Stauwehr am Stadtpark ging es ihm nach eigenen Worten „einfach um den Tierschutz“. Damm hat das Thema deshalb kürzlich im Schwandorfer Stadtrat angesprochen.
Die Stadt Schwandorf hat sich nach den Worten von Pressesprecher Andreas Hofmeister daraufhin an das zuständige Wasserwirtschaftsamt Weiden gewandt – mit der Bitte „um Prüfung und Stellungnahme, welche Maßnahmen hier kurzfristig ergriffen werden können“. Das Problem sei vor einigen Jahren schon einmal aufgetaucht. Damals habe die Behörde zeitweise Wasser von oberhalb der Wehranlage in den Unterlauf gepumpt, so Hofmeister.
Eine ähnliche Methode wurde am Donnerstag erneut praktiziert – einen Tag, nachdem eine Anfrage der Mittelbayerischen beim Wasserwirtschaftsamt eingegangen war. Umgesetzt wurde die Aktion nach Angaben der Stadt von der Feuerwehr Schwandorf in Zusammenarbeit mit der Flussmeisterstelle Kümmersbruck. Die Flussmeisterstelle Nabburg hatte eine Pumpe bereitgestellt, der städtische Bauhof sorgte für den Stromanschluss.

Der Engpass an der Wehranlage beim Stadtpark ist also erst einmal behoben, und entsprechend reagierte Stadtrat Damm mit Genugtuung: „Es freut mich, dass etwas passiert ist. Das ist gerade noch einmal gut gegangen“, sagte er, nachdem ihn die MZ über die aktuelle Entwicklung informiert hatte. Doch die grundlegenden Probleme mit dem Wasserhaushalt in der Großen Kreisstadt – Stichwort: Innere und Äußere Naab, Stichwort: Verlandung – warten weiter auf eine Lösung.
Und die Naab schwächelt ja nicht nur im Schwandorfer Stadtgebiet. Das kann man mit eigenen Augen sehen, wenn man am Fluss entlangspaziert. Oder man liest es schwarz auf weiß in den Datenbanken des Niedrigwasser-Informationsdiensts Bayern nach. Der vermeldet für die Pegel von Windischeschenbach (Kreis Neustadt/Waldnaab) bis Heitzenhofen (Kreis Regensburg) aktuell sehr geringe Wasserstände und Abflussmengen. In Unterköblitz gab es Ende Juli fast schon historisch niedrige Werte.
Am Donnerstag wurde am dortigen Pegel eine Wassertemperatur von 26,5 Grad in der Naab gemessen. Nur in der extremen Hitzeperiode Ende Juni hatte sich der Fluss an dieser Stelle heuer noch stärker erwärmt – laut Statistik bis auf 28,3 Grad. Und die Grundwasserstände werden an den Messstellen im Landkreis Schwandorf aktuell fast ausnahmslos als „sehr niedrig“ beschrieben. Natürlich muss das nicht so bleiben, und der Freitag brachte eine gewisse Abkühlung. Aber der Sommer ist noch lang.