Die Naab in Schwandorf verlandet immer mehr – So will das Wasserwirtschaftsamt reagieren

Von Jan Lange, Martin Kellermeier · 4. Februar 2025 um 19:00

Es ist kein schönes Bild, das die Naab rund um den Stadtpark in Schwandorf abgibt. Am Ufer haben sich durch angeschwemmte Sedimente riesige Verlandungen gebildet. Das Riedgras steht meterhoch. Das hat bereits sichtbare Folgen: Die Wasserqualität verschlechtert sich, die Naab wird beim Abfließen behindert und Überschwemmungen riskiert. Doch Maßnahmen lassen auf sich warten.

Auch Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) blickt sorgenvoll auf den innerstädtischen Fluss. „Die Naab muss dringend in Ordnung gebracht werden“, mahnt der Rathauschef. Zuständig für die Naab ist das Wasserwirtschaftsamt Weiden (WWA). Dort gibt es schon seit längerem Pläne, die Flusslandschaft zwischen Fronberg und dem Stadtpark ökologisch aufzuwerten.

Auch der Hochwasserschutz soll verbessert werden. Die möglichen Varianten waren bereits vor eineinhalb Jahren den Stadträten präsentiert worden. Die Umsetzung stockt jedoch.

OB Feller will keinesfalls die Wasserbehörde schelten, wie er betont. Das WWA könne nur mit dem Geld arbeiten, das ihm zur Verfügung gestellt wird, sagt er. Schuld sei die unzureichende Finanzierung. Die Mittel müssten aufgestockt werden, um endlich umfassend tätig zu werden.

Dass gerade die Sorge um den Hochwasserschutz nicht unberechtigt ist, hatte sich Ende 2023 gezeigt. Auch die Naab war damals nach Dauerregen bedrohlich angestiegen. Am Ende kam Schwandorf damals aber glimpflich davon.

Nicht nur beim Hochwasserschutz hakt es in Schwandorf

Das muss bei kommenden Überschwemmungen nicht immer so sein, ist sich auch OB Feller bewusst. Deshalb fordert er, den Hochwasserschutz „am besten sofort“ anzugehen. Das Vorhaben dürfe „nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag“ verschoben werden. Es könne „immer etwas dazwischenkommen“, weiß der OB, aber mittlerweile warte die Stadt seit Jahren auf die Umsetzung.

Aber nicht nur beim Hochwasserschutz hakt es. Auch die Entwicklung des Stadtparks stagniert. Sehr oft werde er gefragt, wann denn endlich der dritte Bauabschnitt realisiert werde, berichtet Feller. Geplant sind unter anderem ein Wasserspielplatz, die Instandsetzung der derzeit stillstehenden Wasserräder am Tivoli-Wehr und die Errichtung einer Kneippanlage. Die Umsetzung dieser Vorhaben ist aber vom Wasserwirtschaftsamt abhängig. So muss für den Wasserspielplatz erst die Geländemodellierung plus Fischumgehungsbach vom WWA geplant werden. Auch die Erneuerung der Wasserräder ist abhängig vom Wehrumbau, der in der Verantwortung des Wasserwirtschaftsamtes liegt.

Der OB hofft auf eine zügige Entscheidung. „Ich wünsche mir, schon ganz bald in viele glückliche Kinderaugen auf dem neuen Wasserspielplatz blicken zu können“, sagt der Rathauschef. Und auch die Kneippanlage würde vor allem in den Sommermonaten für eine „willkommene Erfrischung bei vielen Schwandorfern“ sorgen.

Neue Brücken sorgen schon jetzt für Großbaustelle an der Naab

Ferner wäre es aus Fellers Sicht vorteilhaft, die Maßnahmen noch während des Naabbrückenbaus zu realisieren. Die mittlere und die große Brücke über die Naab werden seit Ende 2023 erneuert. Im Sommer sollen die Arbeiten abgeschlossen werden und danach der Verkehr über die neuen Brücken rollen. Im Anschluss sollen dann noch bis Ende des Jahres die Behelfsbrücken zwischen der Innenstadt und der Wöhrvorstadt sowie zwischen der Wöhrvorstadt und Krondorf abgebaut werden. Durch die Brückenbauarbeiten ist auch der Zugang zum Kanuclub im Stadtpark eingeschränkt.

Theoretisch gibt es einen Zugang über die sogenannte Storchennaab, einer Abzweigung der Inneren Naab. Aufgrund der dortigen Verlandungen ist aber praktisch kein Ausstieg für die Kanuten möglich. „Sie sind abgeschnitten“, sagt der OB mit Blick auf den Kanuclub. Die Mitglieder müssten bereits weit oben aus der Naab raus und ihre Boote dann bis zum Kanuclub transportieren. Feller will selbst schon eine Familie mit einem Kanadier erlebt haben, die den weiten Weg auf sich nehmen musste.

Leidtragende der aktuellen Situation der Naab seien laut OB aber auch Anwohner des Flusses, die über Geruchsprobleme aufgrund des stehenden Wassers klagen. Zudem würden mit der Nichtumsetzung des Hochwasserschutzes andere Förderprogramm ins Stocken geraten, die mit Mitteln der Städtebauförderung co-finanziert werden.

Stillstand sorgt für Bedauern im Wasserwirtschaftsamt Weiden

Im Wasserwirtschaftsamt Weiden kann man die Forderungen des Schwandorfer OBs nachvollziehen. Wie Behördenleiter Mathias Rosenmüller im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, sei es zutreffend, dass in Sachen Naab im Bereich der Großen Kreisstadt „derzeit leider ein Stillstand“ herrsche.

Ursächlich dafür sei die Verteilung der Gelder auf die einzelnen Projekte im Wasserbau. „Hierbei ist Schwandorf nach den Vorplanungen leider vorerst nicht zum Zug gekommen“, erklärt der Behördenchef. Doch das soll sich nach den Wünschen Rosenmüllers ändern. „Wir erkennen die Notwendigkeit der anstehenden Maßnahmen in Schwandorf und werden uns für einen Fortgang des Projekts einsetzen“, sagt er.

Geht es nach dem Behördenleiter, sollten noch in diesem Jahr die Entwurfs- und Genehmigungsplanung für den Hochwasserschutz und die Gewässersanierung fortgeführt werden. Ferner will Rosenmüller prüfen lassen, ob sich kleinere Projekte wie der neue Wasserspielplatz oder der Bau der Kneippanlage eventuell der großen Baumaßnahme Hochwasserschutz vorziehen lassen. Frühestens 2026 könnten so die ersten Baumaschinen anrollen.

Weitaus länger wird es noch bei der Sanierung des Krondorfer Wehrs bei Fronberg dauern. Ursächlich für die Verzögerung sei hier eine Klage vor dem Bayerischen Vewaltungsgerichtshof. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. „Der weitere Umgang des Wasserwirtschaftsamtes mit der sich in schlechtem, baulichen Zustand befindlichen Wehranlage dort sind direkt von der Entscheidung des Gerichts abhängig“, erklärt Rosenmüller.

Das Tivoli-Wehr soll seit Längerem umgebaut werden. Davon abhängig ist auch die Instandsetzung der Wasserräder. Foto: Martin Kellermeier
Hier sollten eigentlich Kanuten ins Wasser steigen können. Doch OB Andreas Feller kann nur auf den Bewuchs deuten. Foto: Martin Kellermeier