Spektakuläre Wende um zugesperrte Kirche in Regensburger Westen

Von Benedikt Baumgartner · 13. August 2026 um 09:00

Seit zweieinhalb Jahren ist die Kirche im Regensburger Stadtteil Dechbetten zugesperrt – die mangelhafte Statik macht ein Betreten zu gefährlich. Im Februar verkündete Pfarrer Martin Stempfhuber, dass das Gotteshaus nur notdürftig gesichert werde und als „Kirche in Ruhe“ verschlossen bleibe. Doch pünktlich zum 300. Weih-Jubiläum hat der Pfarrer frohe Botschaft zu verkünden.

Video ansehen

„Ich habe die Kirche am 13. März 2024 zugesperrt“, erzählt Jakob Koder. Seit der damalige Kirchenpfleger an jenem Tag den Schlüssel im Schloss umgedreht hat, ist das Dechbettener Gotteshaus nur noch eine Hülle, leer und ungenutzt. Aufgrund der bedenklichen Statik ergeht die Weisung dazu vom Bischöflichen Ordinariat. „Dann haben wir zwei Jahre lang gar nichts mehr gehört“, sagt Koder. Auf die Stille folgt im Februar die schlechte Nachricht: Nur ein Noterhalt wird umgesetzt, keine Öffnung für Gottesdienste, eine Zukunft als sogenannte Kirche in Ruhe droht.

Die große Lösung kommt: Sanierung mit Öffnung.Pfarrer Martin Stempfhuber

Doch nun, pünktlich zur 300-Jahr-Feier der Kirchenweihe am heutigen Tag, herrscht in Dechbetten plötzlich wieder Hoffnung, dass Leben zurückkehrt in die Kirche des Stadtteils. Pfarrer Martin Stempfhuber verkündet die frohe Botschaft, dass die Finanzierung für eine grundlegende Ertüchtigung zugesichert sei. Er ist sich sicher: „Die große Lösung kommt: Sanierung mit Öffnung.“

Die Schäden im Kirchenschiff sind vom Altar aus deutlich zu erkennen. - Foto: Benedikt Baumgartner
Sie kämpfen für eine offene Kirchenpforte: Pfarrer Martin Stempfhuber (M.), der ehemalige Kirchenpfleger Jakob Koder (l.) und Wilhelm Pfaffel. - Foto: Benedikt Baumgartner
Marienverehrung seit dem 16. Jahrhundert: Schon in der Vorgängerkirche stand das spätgotische Bildnis der Mutter Gottes. - Foto: Benedikt Baumgartner
Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit: Der Zugang zum Friedhof ist offen, die Dechbettener Kirche aber verschlossen. - Foto: Benedikt Baumgartner

Dass die Dechbettener Kirche einmal Probleme mit der Statik bekommen würde, war früh klar, sehr früh. Der damalige Pfarrer Benedikt Bader konstatierte nach der Vollendung des Bauwerks im Oktober 1725: „Hiermit seynd 3 Jahre und 5 Monath gebraucht worden und ist dennoch das Gebäude nicht dauerhaft, da der Grund zu schlecht und das obere Gebäude zu schwer ist.“ Wie recht Bader behalten sollte, wurde 2011 offensichtlich, als Risse im sakralen Gebäude bemerkt wurden. Seither steht Mariä Himmelfahrt unter halbjährlicher Beobachtung durch ein Ingenieurbüro. Im März 2024 wurde die Gefahr herabfallender Bauteile zu groß, die Kirche wurde dicht gemacht.

Ein herber Einschnitt ist das für den Stadtteil laut Pfarrer Stempfhuber: „Die Kirche wird vermisst, auf jeden Fall.“ Als die Kirche noch offen war, hätten beispielsweise immer Opferkerzen gebrannt. „Das ist ein Zeichen, dass die Kirche auch außerhalb der Gottesdienste als Ort der Stille, der Einkehr besucht wird.“ Gottesdienste und Requiems, Taufen und Trauungen wurden abgehalten oder Messen für runde Geburtstage. „Erst wurde ein Gottesdienst gefeiert, dann gings zum Fest rüber in den Dechbettener Hof“, erzählt Stempfhuber. Die alte Einheit aus Kirche und Wirtshaus, in Dechbetten würde sie noch bestehen – wenn das Gotteshaus nicht seit mehr als zwei Jahren zugesperrt wäre.

„Kirche in Ruhe“: Erst Noterhalt, dann Profanierung?

Im Februar übermittelte Stempfhuber der Pfarrgemeinde die Entscheidung des Bischöflichen Ordinariats, dass die Kirche lediglich noterhalten werde. „Dann hätte man 400 000 Euro ausgegeben, nur damit man sie sichert.“ Das direkte Umfeld der Kirche wird zur Pflege der Gräber nach wie vor rege besucht. Fangnetze außen an der Kirche, um herabfallende Dachteile abzufangen, Stützbalken an den Fenstern: „Das wären alles sichtbare Eingriffe gewesen, ganz schlimm“, sagt Stempfhuber. Die Landmarke, die Autofahrer beim Abfahren von der A93 in Königswiesen in der Stadt begrüßt, hätte viel von ihrer imposanten Optik verloren. Der logische nächste Schritt? Möglicherweise die Profanierung.

Plötzlich kommt die 180-Grad-Wende

Einfach aufgeben wollen die Dechbettener ihr Gotteshaus nicht. Es ist das Ziel von drei Bittgängen, seit 1602 veranstaltet die Marianischen Männerkongregation am Ostermontag eine jährliche Wallfahrt zu Mariä Himmelfahrt. „Wir wollen zeigen, dass wir die Kirche nicht dauerhaft schließen, sondern ganz im Gegenteil erhalten und öffnen wollen“, sagt Stempfhuber. Offenbar mit Erfolg: „Man hat davon Abstand genommen, was im Februar beschlossen wurde“, berichtet Koder. Das Bischöfliche Ordinariat habe eine Sanierung mit Öffnung in Aussicht gestellt. Eine offizielle Stellungnahme lag auf MZ-Anfrage bis Mittwochabend nicht vor.

Diese 51 Prozent werden wir – so Gott will – zusammenbekommen.Pfarrer Martin Stempfhuber

Der Knackpunkt ist die Finanzierung. Staatliche Gelder aus Denkmalschutz-Töpfen oder Fraktionsinitiativen dürften laut Stempfhuber fließen, allerdings nur, wenn die Kirche selbst 51 Prozent der Finanzierungskosten stemmen kann. „Diese 51 Prozent werden wir – so Gott will – zusammenbekommen.“ Unter anderem unterstützt der Wirt des Dechbetterner Hofs, Florian Mascarello, der einst selbst in der benachbarten Kirche ministrierte, die Rettung des Gotteshauses mit einem Euro pro Hauptgericht, das bei der Einkehr nach dem morgigen Festgottesdienst verkauft wird. Weitere Spenden werden gesammelt.

In zwei Jahren könnte Sanierung starten

Mitte nächsten Jahres könne man mit der Entscheidung rechnen, ob staatliche Gelder für die grundlegende Kirchensanierung fließen, schätzt Stempfhuber. Er ist zuversichtlich. Der Start der Sanierung könnte dann in zwei Jahren erfolgen und die Kirche im Anschluss wieder für die Gläubigen geöffnet und mit Leben gefüllt werden. Wie der Pfarrer sagt: So Gott will.

300-Jahr-Feier soll bei Rettung der Kirche helfen

• Gottesdienst: Am Freitag findet zur Feier von 300 Jahren seit der Kirchenweihe um 18 Uhr ein Freiluft-Gottesdienst vor der Dechbettener Kirche statt. Auch die Marianische Männerkongregation Regensburg hat aufgerufen zur Teilnahme am Fest bei ihrer Wallfahrtskirche, die zur Pfarrei St. Bonifaz-St. Georg gehört.

• Einkehr: Im Anschluss wird im Dechbettener Hof zu Blasmusik vom Quartett SoVa eingekehrt. Für die Kirchensanierung kann gespendet werden an die Katholische Filialkirchenstiftung Dechbetten: IBAN DE26 7509 0300 0101 3367 20.

• Konzert: Am Samstag um 15 Uhr findet ein Festkonzert zu Mariä Himmelfahrt in St. Georg in Prüfening statt. Einlass ab 14.30 Uhr, der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten. Zu hören sind Tenor Julian Habermann und Norbert Düchtel an der Orgel. „Auch in Dechbetten gibt es eine schöne Orgel, an der schon Max Reger gespielt hat, aber hier können wir ja nicht rein“, bedauert Organisator Wilhelm Pfaffel.