Axel Grau liebt Motorräder und hat aus Schrott Kunst gemacht – Jetzt verkauft er sein Lebenswerk

Kunst und Motorrad fahren – eigentlich geht das nicht zusammen. Bei Axel Grau aus Neustadt im Landkreis Kelheim jedoch schon. Er ist leidenschaftlicher Biker und aus dem, was in der Werkstatt übrig bleibt und normalerweise in der Mülltonne landen würde, fertigt er seit 30 Jahren Kunstwerke. Doch jetzt soll damit Schluss sein. Der Ausverkauf eines Lebenswerks ist angesagt.
Axel Grau hat andere Pläne. In Zukunft will er mehr Zeit für Reisen haben. „Ich habe ein gutes Leben gehabt“, sagt der 69-Jährige, aber einige Wünsche seien unerfüllt geblieben. „Ich will Urlaub machen, in die USA, nach Daytona und die Route 66 fahren.“
Deshalb findet an diesem Samstag und Sonntag ein Ausverkauf in seinem Geschäft im ehemaligen Lagerhaus Feigl an der Julius-Sax-Straße 1 statt. Axel Grau verkauft, wofür er in der Biker-Szene bekannt geworden ist: Kunstwerke aus alten Kolben, Zylindern, zerbrochenem Werkzeug und sonstigem ausrangierten Werkstattutensilien. Von letzteren hat er mehr als genug.
Wer die Werkstatt des 69-Jährigen betritt, landet in einer anderen Welt. Kein chromblitzender, durchgestylter Showroom, sondern ein massives Holztor mit unterschiedlichsten Warnschildern. Davor steht ein altes russisches Motorrad, auf dem eine ausrangierte Schaufensterpuppe drappiert ist und einige der Arbeiten, die Axel Grau zu einigen Berichten in einschlägigen Zeitschriften und sogar zu Beiträgen im Fernsehen verholfen haben.
Schwerer Unfall, danach berufsunfähig
Hinter dem wild dekorierten Tor öffnet sich der Traum vieler Biker: rechts eine kleine Bar, links liegt Werkzeug, dahinter steht eine alte Zapfsäule und geradeaus geht es in einen kleinen Bau mit Flachdach, das Allerheiligste. Hier hat der 69-Jährige sein Büro und seine Werkstatt. Die Werkzeuge hängen übersichtlich geordnet an der Wand. Vor der Werkbank stehen zwei schwere Motorräder – Axel Graus blaue Harley-Davidson und ein nicht unähnliches, aber kleineres Motorrad aus japanischer Produktion.

„Alles muss raus“, sagt der Neustädter. „Ich höre auf. Ich verkaufe meine Sachen.“ Womit Axel Grau aber nur das Ergebnis seiner Sammelleidenschaft und seiner gestalterischen Arbeiten meint. Die Harley bleibt „im Stall“. Wer sich umschauen und kaufen möchte: Am Samstag und Sonntag öffnet Axel Grau seinen Laden im früheren Lagerhaus jeweils von 10 bis 16 Uhr.
Zur Kunst kam der 69-Jährige übrigens vor rund 40 Jahren. Mit seinem damaligen Motorrad hatte er unverschuldet einen schweren Unfall erlitten und anschließend acht Monate im Krankenhaus gelegen. Nach der sich anschließenden Reha musste Grau umsatteln, denn im erlernten Beruf als Maurer konnte er nicht mehr arbeiten. Er war berufsunfähig.
Beim Stöbern zur neuen Leidenschaft
Axel Grau heuerte bei einem Landmaschinenhandel an und entdeckte dort eine neue Leidenschaft. Beim Stöbern im Schrott seines Arbeitgebers fiel ihm so manches Teil in die Hände, für das er noch eine Verwendung hatte.

Anfangs waren es einfache Arbeiten, die sich damit verknüpften. So wurde beispielsweise aus dem alten Kolben eines Deutz-Traktors zunächst ein Aschenbecher. Und als sich Axel Grau sein Werk genauer ansah, ergänzte er das alte Teil um ein kleines Spielzeugmotorrad und ehe er es sich versah, entstanden immer weitere und aufwendigere Basteleien. Schließlich wagte sich der Neustädter sogar an Plastiken.
Oft verbrachte Axel Grau viele Stunden an einem einzigen Objekt. Und wenn es ihm dann doch nicht gefiel, baute er es wieder auseinander und begann mit der Arbeit von vorne.
Doch jetzt ist Schluss. „Ich habe nie Urlaub gemacht“, sagt der 69-Jährige. „Wenn ich es nicht jetzt tue, wann dann?“ Das Ziel der Reise steht fest. Es ist seiner alten Liebe geschuldet. „Motorrad fahre ich, solange ich laufen kann“, sagt der 69-Jährige und streichelt dabei wie zufällig seine blaue Harley-Davidson. „Die ist mein Ding. Die fahre ich schon seit 35 Jahren.“
Das muss wahre Liebe sein. Es gibt Ehen, die halten nicht so lange.
