Wirtschaft: Die Regensburger Exporte legen seit Jahresbeginn stark zu

Von der Reinhausen GmbH bis zu Siemens: Die Auslandsumsätze der Regensburger Unternehmen steigen deutlich – Einige Konzerne verdienen gut mit der Energiewende. Autozulieferer und Bausektor stehen jedoch stark unter Druck.
Noch nie hat die deutsche Wirtschaft mehr Waren ins Ausland geliefert als im Juni. Das gab das Statistische Bundesamt vor wenigen Tagen bekannt. Zugelegt hat auch die Industrieproduktion. Wie erfolgreich sind Regensburg und die Region? Dr. Raphael Gritschmeier von der Industrie- und Handelskammer Regenburg (IHK) für Oberpfalz/Kelheim sagt, die regionale Wirtschaft bleibe widerstandsfähig. Im Mai (aktuellster Wert) hat die Exportquote im IHK-Bezirk 59 Prozent betragen, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahresmonat. Regensburg sticht heraus: 82 Prozent der Wirtschaftsleistung in der Stadt werden durch Exporte erzielt. Der Regensburger Auslandsumsatz von Januar bis Mai 2026 erreicht 7,9 Milliarden Euro, 37 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die IHK beobachtet in ihrem Bezirk einen höheren Industrie-Umsatz im ersten Halbjahr gegenüber 2025. Wegen der unsicheren außenpolitischen Lage bleibe der Markt wechselhaft, sagt Gritschmeier. „Für neuen Schwung benötigt die Wirtschaft verlässliche politische Rahmenbedingungen und mehr Planungssicherheit.“ Ein Überblick.
■ Krones freut sich über steigende Auftragseingänge
Krones beliefert Kunden weltweit und erzielt rund 90 Prozent des Umsatzes im Ausland. Neben der Abfüll- und Verpackungstechnologie exportiert der Maschinenbauer Prozesstechnik für die Herstellung und Verarbeitung von Getränken und Lebensmitteln, Lösungen für das Kunststoffrecycling und Ersatzteile. „Die Investitionsbereitschaft unserer Kunden ist weiterhin robust“, betont Sprecher Peter Mörtl. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand legte um 3,3 Prozent zu. Mörtl sagt, mit Blick auf das laufende Jahr sei Krones weiterhin gut aufgestellt. „Für die kommenden Monate blicken wir realistisch optimistisch auf die weitere Entwicklung.“ Allein am Hauptsitz Neutraubling arbeiten mehr als 7000 Menschen.
■ Reinhausen sieht große Chancen der Energiewende
Die Reinhausen GmbH (früher Maschinenfabrik Reinhausen) erzielt rund 95 Prozent des Absatzes außerhalb Deutschlands. Sie exportiert etwa Stufenschalter, Transformatorenkomponenten, Sensorik- und Monitoringlösungen zur Überwachung von Stromnetzen sowie Softwarelösungen. „Die weltweite Energiewende, der Ausbau der Stromnetze sowie die zunehmende Elektrifizierung von Industrie, Mobilität und Gesellschaft sorgen in vielen Märkten für eine anhaltend hohe Nachfrage nach unseren Produkten und Lösungen“, erklärt Pressesprecher Oliver Reetz von der MR, die weltweit 5400 Menschen beschäftigt. Wilfried Breuer, der neue Sprecher der Geschäftsführung, sagt, von der weiterhin hohen internationalen Nachfrage nach Lösungen für stabile und leistungsfähige Stromnetze profitiere auch der Reinhausen-Standort in Regensburg. Die GmbH investiere in zusätzliche Kapazitäten, moderne Produktionsprozesse und neue Technologien. „Deshalb sehen wir trotz vieler wirtschaftlicher Herausforderungen gute Perspektiven für unser Unternehmen und die Region“, sagt Breuer. Die MR erhöht die Produktionskapazitäten weiter. Pressesprecher Oliver Reetz betont: „Auch am Standort Regensburg wurden zusätzliche Produktionsflächen geschaffen.“ Die Geschäftsführung sieht vor allem in den langfristigen Trends der Energiewende und der Elektrifizierung große Chancen für den Industriestandort Regensburg und die Region. Als Technologie- und Weltmarktführer in diesem Bereich kommt Reinhausen die Entwicklung zugute. Das Unternehmen sieht gute Perspektiven für Beschäftigung, Innovation und industrielle Wertschöpfung in Ostbayern. „Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten überwiegt deshalb ein grundsätzlich positiver Ausblick“, heißt es aus der Geschäftsleitung.
■ Infineon profitiert von den KI-Rechenzentren
Infineon veröffentlicht keine Kennzahlen zum Export, deshalb verweist Sprecherin Andrea Jakob auf die generelle Geschäftsentwicklung. Die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 zeigten, dass der Konzern einen positiven Trend in immer mehr seiner Zielmärkte sehe. „Besonders gefragt sind unsere Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren, die weiterhin unser wichtigster Wachstumstreiber sind“, teilt Jakob mit. Darüber hinaus profitiere Infineon von weltweit steigenden Investitionen in die Netzinfrastruktur. „Und auch im Automobilbereich ziehen die Aufträge spürbar an.“ Bei Infineon in Regensburg sind 2800 Menschen beschäftigt.
■ Siemens erreicht einen Rekordwert bei Aufträgen
Auch Siemens berichtet Kennzahlen nur auf Konzern- und Geschäftsbereichsebene. Ein wesentlicher Indikator für die globale Nachfrage nach den Siemens-Technologien sei der Auftragsbestand: Dieser habe mit 132 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erreicht, sagt Bayernsprecherin Anna Käfer. Der Standort in Regensburg mit 1300 Beschäftigten ist ein zentraler Pfeiler des Geschäftsbereichs Electrical Products der Smart Infrastructure. Dort entwickelt und fertigt das Unternehmen das gesamte Spektrum moderner Schutzschalttechnik, das von Fehlerstrom- und Leitungsschutzschaltern bis hin zu Brandschutzsystemen reicht.
■ Aumovio steht weiterhin stark unter Druck
Für Aumovio (früher Unternehmensbereich Automotive von Continental) bleibt es schwierig. „Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung sehen wir das aktuelle Umfeld weiterhin als herausfordernd“, formuliert Sprecher Sebastian Fillenberg. Die Automobilindustrie stehe unverändert unter Druck durch geopolitische Spannungen, handelspolitische Unsicherheit und eine schwächere Marktentwicklung. Die Prognose von Mobility Global, einem Anbieter von Marktanalysen für die Branche, geht für 2026 von einer leicht rückläufigen weltweiten Automobilproduktion aus, besonders in Europa, Nordamerika und China. Gleichzeitig sieht Aumovio auch positive Signale. Der Zulieferer habe im ersten Halbjahr effizienter produziert und wichtige Zukunftsprojekte vorangetrieben, sagt Fillenberg. Das Unternehmen, an dessen Regensburger Standort rund 3800 Fachleute ihr Geld verdienen, hat Ende Juli einen Rechtsstreit mit BMW durch Zahlung eines Vergleichsbetrags von 350 Millionen Euro beigelegt. Außerdem wollen Aumovio und BMW enger zusammenarbeiten. Beim Rechtsstreit ging es um fehlerhafte Bremssysteme. Fillenberg sagt dazu, die Einigung und die erweiterte Technologiepartnerschaft zeigten, dass Unternehmen auch in einem herausfordernden Umfeld weiterhin auf Innovation und langfristige Zusammenarbeit setzten. Grundsätzlich beliefere Aumovio Kunden weltweit und sei damit breit international aufgestellt.
■ Die regionale Baubranche sieht keine Erholung
Das Bundeswirtschaftsministerium hat in einer Pressemitteilung vor wenigen Tagen eine Erholung im Baugewerbe festgestellt. Christian Huber, Geschäftsführer und Verbandsjurist der Bauinnung Regensburg, winkt ab. „Unsere Mitgliedsbetriebe in Regensburg und der Umgebung stellen leider keine Erholung oder Trendwende fest.“ Die Betriebe und ihre Beschäftigten seien jedoch darauf spezialisiert, Probleme im Baualltag zu lösen. Das schafften sie auch – aber unter enormen Zeitanstrengungen. „Sie würden sich daher gerne nur noch mit der Bauwirklichkeit beschäftigen und wären froh, wenn die zeitaufwendigen, aber sinnlosen Statistikpflichten für Betriebe politisch abgeschafft würden.“ Doch das Wort Entbürokratisierung nehme in der Branche keiner mehr in den Mund. „Den Glauben daran haben wir vor langer Zeit aufgegeben“, sagt Huber.