Fast 2000 Bürger sagen Nein zu Rangierbahnhof im Regensburger Westen

Am Freitag überreicht die Bürgerinitiative die Unterschriften zur Petition an Oberbürgermeister Thomas Burger. Die Anwohner befürchten Lärm, nächtliche Lichtbelastung und stärkere Erhitzung durch die Schotterflächen. Die Bahn bietet einen Kompromiss an: Ein Teil der Rangiergleise soll im Regensburger Stadtosten realisiert werden.
1993 Unterschriften haben die Gegner des geplanten Rangierbahnhofs im Stadtwesten gesammelt. Sie wehren sich mit der Petition „Lebensraum statt Abstellgleise – Regensburg-Prüfening schützen!“ gegen das Vorhaben der Deutschen Bahn (DB). Die Anwohner befürchten Lärm, nächtliche Lichtbelastung und noch mehr Hitze durch die Schotterflächen. Auch wollen sie verhindern, dass die gesamte Prüfeninger Kleingartenanlage mit mehr als 100 Parzellen und seit Jahrzehnten genutzte Freizeitwege zerstört werden. Am Freitag um 16.30 Uhr werden die Unterschriften auf dem Rathausplatz an Oberbürgermeister Thomas Burger überreicht.
Die Anwohner fordern, die Abstellgleise an einem weniger dicht bewohnten Standort zu realisieren. Darauf hat die Deutsche Bahn inzwischen reagiert. Auf Anfrage erklärt eine Münchner Sprecherin, für den mehrgleisigen Ausbau zwischen Regensburg und Obertraubling wandle die Deutsche Bahn bestehende Abstellgleise in Fahrgleise um. Die DB sei verpflichtet, für den Wegfall der Abstellgleise einen Ausgleich zu schaffen.
20 Standorte in Regensburg und dem Landkreis geprüft
Laut der Sprecherin hat das DB-Planungsteam dafür in den vergangenen Monaten über 20 Alternativstandorte in der Stadt Regensburg und dem Umland geprüft.
„Bei der Prüfung wurden auch Vorschläge der Stadt und Anregungen aus der Bevölkerung im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung berücksichtigt“, sagt sie. „Auf dieser Basis kristallisiert sich heraus, an verschiedenen Standorten den Ausgleich umzusetzen. So kann am Bahnhof Regensburg-Ost sowie am ehemaligen Bahnbetriebswerk ein bedeutender Anteil der wegfallenden Abstellgleise angeordnet werden.“ Der ursprünglich vorgesehene Umfang der Abstellgleise in Prüfening werde dadurch deutlich reduziert. Das frühere Bahnbetriebswerk liegt an der Kirchmeierstraße.
Als nächsten Schritt stimmt die DB mögliche Varianten mit der Stadt Regensburg und dem Eisenbahnbundesamt im Detail ab. „Sobald der Bund als Auftraggeber die Finanzierung für den Übergang in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung bereitstellt, kann die Deutsche Bahn ein überarbeitetes Gesamtkonzept finalisieren und der Öffentlichkeit vorstellen“, kündigt die Bahn-Sprecherin an.
Lehrerin wehrt sich gegen den Abriss ihres Häuschen
Doch damit gibt sich die Bürgerinitiative nicht zufrieden. Christine Gietl von der BI betont, die Anwohner seien für den vierspurigen Ausbau der Bahnstrecke, doch sollten alle Rangiergleise an anderen Standorten gebaut werden. Die BI wisse, dass zumindest ein Teil der Kleingartenanlage Prüfening Schloss für den Streckenausbau weichen müsse. „Das heißt, dass für den Wegfall der Grünflächen Ausgleichsmaßnahmen notwendig sind“, sagt die 62-jährige Landschaftsarchitektin, die mit eihrer Familie einen Kleingarten bewirtschaftet. Das solle auf dem großen Feld direkt an der Zugstrecke in Prüfening geschehen. Christine Gietl hat die Fläche gemessen. „Das würde für die Kompensation ausreichen. Wir bleiben dabei: Keine Abstellgleise hier“, betont die Anwohnerin. Freilich handelt es sich genau um das Areal, das die Bahn für Rangiergleise ins Auge gefasst hat.
Elke Schmaus wohnt in einem alten Bahnwärterhäuschen, das wegen des Ausbaus abgerissen werden soll. „Das ist mein Elternhaus“, sagt die Lehrerin. „Meine Oma und mein Opa haben hier schon gelebt.“ Die Bahn habe sie über das Vorhaben informiert. „Ich habe einen Anwalt eingeschaltet“, sagt Gymnasiallehrerin Elke Schmaus, die unter der Woche nach München pendelt.
Eine Anfrage zur Zukunft des Bahnwärterhäuschens beantwortet die Münchner Sprecherin der Deutschen Bahn nicht. „Dazu können wir aktuell keine Informationen bereitstellen“, sagt sie lediglich.
Überlastete Strecken
Bahnknoten: Regensburg ist der zentrale Bahnknoten Ostbayerns. Zwischen der Stadt und Obertraubling überlagern sich die Nord-Süd-Verkehre von Hof in Richtung München sowie die West-Ost-Verkehre von Nürnberg und Ingolstadt in Richtung Passau. Der Abschnitt ist ein Engpass. Mit dem viergleisigen Ausbau zwischen Regensburg und Obertraubling schafft die Deutsche Bahn mehr Kapazitäten, besonders im Nahverkehr, und macht Verbindungen zuverlässiger.
Anwohner: Sie halten die Maßnahme für notwendig, sprechen sich aber gegen die zusätzlichen Rangiergleise aus.