Regensburger Arcaden-Chefin: „Den Sicherheitsdienst haben wir mit stichfesten Westen ausgestattet“

In den Arcaden beim Regensburger Hauptbahnhof flanieren an manchen Samstagen rund 40.000 Menschen – Security-Leute mit Schutzkleidung, Kameras und ein nächtlicher Parkhauswächter sorgen dafür, dass sich die Kunden sicher fühlen können.
Ein Rasseln ihres Schlüsselbundes begleitet Maxi Frank, wenn sie in den Arcaden unterwegs ist. Am wichtigsten sind die „Frösche“, die Schlüssel für die grünen Alarmanlagen an den Türen, und der Transponder, mit dem sich alle wichtigen Räume öffnen lassen, auch das Büro der Centermanagerin. Maxi Frank trägt Mode aus dem eigenen Haus: eine schwarze Bluse und einen pinkfarbenen Rock. Die „Lieblingsschuhe“ aber, schwarze Ballerinas mit glitzernder Schnalle, hat sie in der Altstadt entdeckt. Für Frank gehört die Mode zum Geschäft. Doch nicht nur deshalb spricht sie gerne darüber.
Kameras werden genutzt, Gesichter sind jedoch unkenntlich
Frau Frank, Sie leiten die Arcaden seit zwei Jahren, sind sie inzwischen nach Regensburg gezogen?
Maxi Frank: Ja, ich wohne im Inneren Westen und bin sehr happy, weil ich in zehn Minuten zu Fuß in der Altstadt bin. Ich wollte nicht weit vom Schuss sein und auch nicht vom Center, falls es einen Notfall gibt. Ich wäre fast ins Dörnbergviertel gezogen, aber ich mag die Mischung aus älteren Einfamilien- und neuen Mehrfamilienhäusern im Westen lieber.
Zara, H&M, dm, Deichmann und Hugendubel zählen zu den beliebtesten Geschäften in den Arcaden. Wer zieht die meisten Kunden an?
Frank: Das ist schwierig, weil uns keine Kundenbefragung zu den beliebtesten Geschäften vorliegt. Zara, H&M und dm zählen als Ankermieter zu den wichtigsten Frequenzbringern der Arcaden. Besonders mit Zara hat sich die Wegeführung im Center spürbar verändert, da der Store zusätzliche Kundenströme in diesen Bereich lenkt. Wir nehmen die Besucherfrequenz mit Sensoren auf und sehen, wie stark jeder Eingang und die Rolltreppen sind. Wir nutzen auch Kameras, die Gesichter sind aber nicht erkennbar. 40 Prozent der Besucher kommen über den Eingang am Hauptbahnhof.
Macht Ihnen Mode Spaß?
Frank: Ich mag individuelle Läden und bin kein Fan des Stöberns und Suchens. Sondern ich schätze es, wenn ich von Einzelhändlern Vorschläge erhalte, was zusammenpasst und was in Mode ist. Wenn der Rock zu den Schuhen oder zum Käppi passt, nehme ich das ganze Set.
Ich wohne im Inneren Westen und bin sehr happy, weil ich in zehn Minuten zu Fuß in der Altstadt bin.Maxi Frank, Centermanagerin
ECE Marketplaces betreibt 200 Einkaufszentren, von Hamburg bis Doha. Versandhauspionier Werner Otto hat das Unternehmen gegründet. Stehen Sie im internen Wettbewerb unter Druck?
Frank: Wir sind zusammen mit der Mec Metro-ECE Centermanagement Marktführer in Deutschland und Europa. Intern stehe ich nicht in Konkurrenz. Wir von den Arcaden wollen aber unser Einzugsgebiet erweitern – mit Hilfe der Mode-Magneten Zara, Bershka und Pull&Bear. Wir dehnen uns Richtung Straubing, zur tschechischen Grenze, Richtung Ingolstadt und Nürnberg aus.
Man hat den Eindruck, dass hier vor allem junge Leute, Schüler und Studierende, unterwegs sind.
Frank: Wir hatten zuletzt 2025 eine Kundenbefragung. Diese Gruppe überwiegt nicht. Wir fragen nach dem Alter. Der Durchschnitt liegt bei 50 Jahren. Aber wir dürfen natürlich unter 18-Jährige nicht befragen. Das verzerrt das Ergebnis ein wenig. Ja, es kommen viele junge Leute. Die Uni-Nähe und viele Konzepte für junge Mode spielen hier eine Rolle. Aber diese Gruppe überwiegt nicht.
Wie viele Menschen besuchen die Arcaden an Spitzentagen?
Frank: An den Weihnachtssamstagen sind es auch mal 40 000, an normalen Samstagen 31 000 bis 35 000.
Zehn Diebstähle pro Monat
Nach zahlreichen Cyberattacken auch in Deutschland: Wie sorgen Sie für Sicherheit?
Frank: Ein wichtiges Thema, besonders wegen der Lage am Hauptbahnhof. Wir haben Kameras auf jeder Etage in den Treppenhäusern. Den Sicherheitsdienst haben wir mit stichfesten Westen ausgestattet. Das sieht auch robuster aus und soll im Notfall einschüchternd wirken. Vorher haben die Security-Leute Anzug getragen. Tagsüber sind drei Sicherheitskräfte unterwegs, nachts überwacht ein Mitarbeiter das Parkhaus.
In Regensburg registrierte die Polizei im Vorjahr mehr als 4600 Diebstähle. Wird in den Arcaden viel geklaut?
Frank: Diebstähle kommen regelmäßig vor, bei den unterschiedlichsten Mietern. Das ist ein Thema, mit dem wir immer mal kämpfen. Es ist schwierig, man bräuchte in jedem Bereich Privatdetektive. Das können wir nicht leisten. (Blickt in die Auswertung des Sicherheitsdienstes) Es sind im Schnitt zehn Diebstähle monatlich. Die großen Mieter, Zara, New Yorker, Kaufland und Wöhrl, beschäftigen Privatdetektive.
Sind die Arcaden ein Spiegel der Stadtgesellschaft?
Frank: Ja, aber unser Publikum setzt sich anders zusammen als im DEZ und in der Altstadt. Wir haben mehr junge Leute. Ein Spiegel der Stadtgesellschaft sind wir, weil täglich viele Menschen, besonders bei sämtlichen Regensburger Veranstaltungen, die Arcaden besuchen – ob Weinfest Stadtamhof oder Christopher Street Day.

Profitieren Sie mehr von der Altstadt als diese von Ihnen?
Frank: Es ist ein Miteinander, eine gewisse Symbiose. Zara und Mango sind vom Welterbe in die Arcaden gezogen und Blue Tomato mit Hipsterkleidung und Surfsachen in die Altstadt. Die Stadt macht mit ihren Festen extrem viel. Es lohnt sich, nach Regensburg zu kommen. Das wissen die Gäste. Und davon profitieren alle.
Leerstandsquote von unter fünf Prozent
Kämpfen Sie mit Leerständen?
Frank: Wir haben eine niedrige Quote von unter fünf Prozent. Zurzeit stehen sechs Flächen leer, weil es Insolvenzen gab – etwa beim Fotoladen Studioline und bei Paprika Mode. Es ist herausfordernder geworden, die Leerstände zu füllen. Neu bei uns sind übrigens Synthez mit Streetwear, das Café Letty, das es bei Pustet in der Altstadt schon gibt, und Fielmann.
Haben Einkaufszentren eine Zukunft?
Frank: Auf jeden Fall. Ich stehe absolut hinter dem stationären Handel, besonders hinter Shoppingcentern. Die Leute wollen sich mit Familie und Freunden treffen, im Café oder beim gemeinsamen Einkauf. Aber die Center werden anders aussehen. Jetzt haben wir zu hundert Prozent Handel und Dienstleistung. Künftig kommen medizinische Angebote, Räume für die Uni und Unterhaltung wie Schwarzlicht-Minigolf dazu.
Wie lange bleiben Sie?
Frank: Mit Sicherheit eine ganze Weile. In Berlin hat man seinen Kiez. Hier in Regensburg kommen alle in der Altstadt zusammen, im tollen Unesco-Welterbe. Und hier gibt man gegenseitig auf sich acht.
Zur Person
Maxi Frank (26) hat ab 2018 dual studiert bei ECE Marketplaces und an der Europäischen Fachhochschule Brühl (Handelsmanagement). Sie kommt aus Hamburg und fühlt sich in Regensburg zuhause.