An dieser „Baustelle“ in Abensberg sind Nägel die härteste Währung

Von Lucia Pirkl · 13. August 2026 um 11:00

Hüttendorf, Ballspiel, Schach oder Klettern: Die Spielwoche in Abensberg begeistert jeden Tag mehr als 300 Kinder. Warum sie neben dem Spaß noch Einiges lernen, lesen Sie hier.

Der Rochen ist an diesem Morgen heiß begehrt. Soeben verkauften ihn die Kinder für ein paar Nägel weiter, nun wandert das Plastiktier auch beim neuen Besitzer schon wieder über die Theke – für einen großen Nagel.

Wer in diesen Tagen vor der Prälat-Michael-Thaller-Schule steht, hört das Hämmern schon von Weitem. Das Hüttendorf ist auch in diesem Jahr wieder der Renner in der Spielwoche, und zwar seit dem ersten Tag. Gruppen bildeten sich, gaben sich einen Namen, ernannten vielleicht sogar einen Chef. Und nun wird eifrig an den Hütten gewerkelt, freilich mit Unterstützung von Erwachsenen, darunter auch so mancher Papa. Und der eine oder andere fährt vor der Spielwoche mit seinem Kind extra zum Baumarkt, um die „harte Ware“, wie Nägel, für das Hüttendorf zu beschaffen, wie Spielwochen-Organisatorin Ines Geltl schmunzelnd erzählt.

Beim Hüttendorf wird um Nägel „gefeilscht". - Foto: Pirkl

Werkzeug, Holz und auch Nägel wären hier in der Spielwoche zwar vorrätig. Aber wer mehr Nägel hat, der ist natürlich schneller fertig. Die „Dunkelgang“, wie sich die sieben Mädchen und Jungs nennen, hat zum Beispiel schon 100 Nägel beieinander, „das wird für die dreiviertelte Hütte reichen“, sagt André überzeugt, seine Gangmitglieder Gabriel und Miriam nicken. Oben soll noch eine Dachterrasse „zum Chillen“ entstehen, sagt er.

„Verkauft“ wird, was nicht mehr gebraucht wird

Fürs einträgliche Nägel-Geschäft haben sie, wie viele der Kinder, daheim in Kisten gekramt, Dinge mitgebracht, die sie hier eben gegen die begehrten Nägel eintauschen, etwa Plastikgetier, Spielzeug, Muscheln oder Stifte. Und so beraten sich zwei Jungs, wie viele Nägel sie für einen Stift verlangen könnten. „20“, meint der Eine, „Nein, das kannst nicht für 20 verkaufen“, meint der Andere, während hinter und über ihnen gesägt und gehämmert wird. Kurz darauf kommt ein Mädchen, nimmt einen Stift, legt eine Handvoll Nägel auf den gezimmerten Tresen und geht wieder.

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Das mit den Nägeln, sagt Geltl, das sei eigentlich nur so eine Art „Beigeschäft“ beim Hüttenbau. Am Ende der Woche werden die Hütten fertig sein, und zwar mit allem Pipapo. „Wir hatten schon Hütten mit Vorhängen oder Teich“, sagt Geltl schmunzelnd.

Nicht nur um Spaß ging es bei diesem Angebot. - Foto: Schaller

Aber auch abseits des Hüttendorfs ist in dieser Woche viel geboten. Bewegung kommt nicht zu kurz. Im Inlinerkurs können die Kinder ihre Fertigkeiten verfestigen. Und ohne Ball ist eine Spielwoche sowieso nicht denkbar. Auf einem Feld wird gerade Brennball gespielt. Die jungen Betreuerinnen erklären den Kindern die Regeln noch einmal, dann geht es los, die Kinder werfen und fetzen, der „Brennmeister“ fängt den Ball. Wer es ruhiger angehen mag, der findet beim Basteln sein Glück, oder beim Schachspiel. Für den Schachclub Abensberg ist die Teilnahme an der Spielwoche eine gute Möglichkeit, Nachwuchs an Land zu ziehen. Schachinteressierte gibt es hier zu Genüge. „Gestern haben 60 Kinder gespielt“, sagt Peter Scheimer, „wir sind sehr zufrieden, die Kinder haben Spaß, wir haben Spaß“, bringt es Vorsitzender Klaus Werner auf den Punkt. Um Spaß, zumindest erst einmal, geht es auch beim Rollstuhlparcours, den Marion Huber-Schallner den Kindern präsentiert. Die Kinder können in drei kleinen Rollstühlen einen Mini-Parcours samt Rampe absolvieren.

Brennball ist auch ein beliebter Zeitvertreib bei der Spielwoche. - Foto: Pirkl

Auf der Spielwoche gibt es auch Aha-Erlebnisse

„Die Resonanz ist riesig“, sagt Huber-Schallner. Zu Beginn sei es für so manches Kind noch einfach, „aber dann merken sie, dass es doch ganz schön anstrengend ist“. Und diese Erkenntnis wiederum geht dann über den reinen Spaß, den die Kinder bei der ersten oder zweiten Runde haben, hinaus und macht einer Erkenntnis Platz, einem Aha-Gefühl und vielleicht auch einer Sensibilisierung, wenn sie beim nächsten Mal jemanden im Rollstuhl sehen.

Gern genutzt wird auch das Schachspiel. - Foto: Pirkl

Sensibilisiert werden sie hier noch auf andere Weise: Rund um die BRK-Bereitschaft von Rosa Huber und ihrer Tochter Karoline scharren sich jede Menge Kinder – nicht, weil sie verletzt sind, sondern weil sie sich gerne anhören, wie es im Rettungsdienst so abläuft. Sehen können sie es, als ein Bub mit einer kleinen Verletzung „verarztet“ werden muss.

Irgendwann aber bleiben die Rollstühle stehen, wird der Hammer weggelegt, der Ball in die Ecke geschossen: Denn gegen zwölf Uhr ist Zeit zum Mittagessen. Die Kinder reihen sich brav ein und holen sich Nudeln, bevor sie wieder eifrig spielen oder hämmern.

Diese drei haben mit vier anderen eine „Gang“ gebildet, um eine Hütte zu bauen. - Foto: Pirkl

Tatkräftige Helfer

Helfer: Ohne fleißige Helfer, die die Kinder beaufsichtigen, sich aber auch um Organisatorisches kümmern, Essen oder Getränke ausgeben oder spülen, ginge nichts. Rund 70 Helfer beteiligen sich an der Spielwoche.

Hüttenfest: Heute Abend um 18.30 Uhr ist Hüttenfest. Dann können die Familien sehen, was ihre Kinder gebaut haben. Die Spielwoche dauert noch bis morgen, Infos auf www.abensberg.de.