200 Kinder sind trotz Ferien jeden Tag in Neustadt in der Schule

Von Jochen Dannenberg · 7. August 2026 um 05:00

Wenn Kinder auch in den Ferien zur Schule gehen, muss das einen besonderen Grund haben. In Neustadt gibt es dafür nur einen Anlass – es ist die Spielwoche in der Grundschule. 200 Kinder, so viele wie nie, kommen deshalb aktuell jeden Tag zur Schule. Dieser Erfolg hat vor allem eine Ursache.

Monika Weber, zuständig für Generationenarbeit in der Stadtverwaltung und Chefin der Spielwoche, freut sich: „200 Kinder sind jeden Tag hier bei der Spielwoche. So viele waren es noch nie.“ Schulsozialarbeiterin Theresa Jobst ergänzt: „Hier ist immer was los. Neben den vielen Stationen in der Grundschule gibt es auch Ausflüge – zum Beispiel zur Firma Intertec, zum BRK, zur Feuerwehr, ins Altenheim, zur Stadtbücherei, zu Brickolino und zum Bürgermeister.“

Zwei Erwachsene allein können das nicht stemmen. Viele Helfer sind für den Betrieb der Spielwoche erforderlich. Sie sind das Rückgrat der Ferienaktion. Sie sorgen für Getränke, helfen bei der Essensausgabe, spielen mit den Kindern und trösten, wenn sich mal jemand verletzt oder Kummer hat. Die Helfer und Helferinnen sind Jugendliche, Eltern und Omas. Insgesamt sind 63 Hilfskräfte im Einsatz.

„Ich finde diese Wuselei prima“

„Ich mache das unwahrscheinlich gerne“, sagt Hanna. Sie ist 81 Jahre alt, zweifache Oma und zum zweiten Mal bei der Spielwoche als Helferin im Einsatz. „Ich finde diese Wuselei und die Kinder prima. Ich fühle mich hier wohl.“ Hanna arbeitet am Getränkestand. Die Kinder können hier ihre Getränkeflaschen auffüllen lassen. Sie stellt fest: „Der Großteil der Kinder ist höflich, sie sagen brav Bitte und Danke.“

Hanna und Roxanne sind für die Getränkeausgabe zuständig. Hanna sagt: „Ich fühle mich hier wohl.“ - Foto: Dannenberg

Hanna teilt sich die Arbeit mit Roxanne. Sie ist Kurdin und lebt seit drei Jahren mit ihrer Familie in Deutschland. „Mein Ziel ist es, die Sprache zu lernen und Erfahrungen zu sammeln“, sagt sie. Von der Möglichkeit, bei der Spielwoche zu helfen, hatte ihr ihr Sprach-Coach erzählt.

Johannes kommt aus Herrnwahlthann und hilft in Neustadt. - Foto: Dannenberg

Johannes kommt aus Herrnwahlthann, wo er im Sportverein in der Jugendarbeit aktiv ist. Er geht selbst noch zur Schule und strebt das Abitur an der BOS in Kelheim an. Johannes sagt: „Das ist hier ein Super-Zeitvertreib in den Ferien. Ich habe hier schon früher als Kind teilgenommen.“

Wolfgang hilft bereits seit 30 Jahren bei der Spielwoche. - Foto: Dannenberg

Wolfgang aus Neustadt ist der vermutlich dienstälteste Helfer. Seit 30 Jahren kümmert er sich um die Bretterbudenstadt, gibt Nägel und Werkzeuge aus, hilft, wenn es mal mit der Konstruktion nicht so klappt, wie sich die Kinder das vorstellen. „Ich will den Kindern Freude schenken“, sagt er. „Wann haben sie sonst Zeit unbeschwert zu basteln.“ Das ist ihm jedes Jahr eine Woche seines Urlaubs wert.

Viele Helfer waren schon als Kinder bei der Spielwoche

Monika Weber lobt die Helfer. Sie kennt ihre Motive. „Viele waren schon als Kind hier und haben die Spielwoche in guter Erinnerung. Einige sind auch in den Vereinen in der Jugendarbeit tätig.“ Außerdem gebe es ein kleines Entgelt, 30 Euro am Tag. Doch dass, meint Monika Weber, sei wohl nicht für den Einsatz ausschlaggebend. Für sie zählt, dass sich so viele Menschen engagieren und Kinder eine sinnvolle Feriengestaltung erleben können.

Die beginnt auf dem Schulhof vor der Schule damit, dass Kinder auf Inlinern über den Hof sausen und setzt sich über unterschiedliche Aktivitäten in der Schule fort. Die alte Sporthalle ist zum Speisesaal und für Aktivitäten wie Schminken und die Herstellung von selbst gestalteten Buttons umgerüstet. Was auffällt: Keines der Kinder drängelt, wenn es nicht sofort dran kommt. Alle warten geduldig.

Schlange stehen gehört zum Alltag – hier warten Kinder an der Presse auf ihren Button. - Foto: Dannenberg

Und während die einen gerade warte, spielen andere Kinder in der Turnhalle mit großen Bauklötzen, entwickeln fantasievolle Landschaften und Gebäude. Und auf der Rückseite des Schulgebäudes wird wie in den früheren Jahren die Bretterbudenstadt aufgebaut.

Fabian, Moritz und Martin sind in der Bretterbudenstadt aktiv. - Foto: Dannenberg

Gleich nebenan gibt es auch einige Neuerungen. So gibt es hier den neuen Soccercourt, der erst vor wenigen Wochen eingeweiht wurde und eine neue Hüpfburg. Der Clou an der Hüpfburg ist, dass hier auch große Jungs ihren Spaß haben. Man kann nämlich in der Hüpfburg auch Basketball spielen und hervorragend gewagte Würfe üben, ohne Angst haben zu müssen, dass man sich beim Fallen verletzt.

Diese Hüpfburg ist auch was für große Jungs. - Foto: Dannenberg

In den Ferien in die Schule? Maila, die nach den Sommerferien ihren ersten Schultag hat, weiß schon Bescheid. „Hier gibt es jetzt keine langweiligen Hausaufgaben.“ Und Linea, die bereits in die dritte Klasse geht, sagt einen Satz, den man an ihrer Schule sicher gerne hört: „Ich vermisse meine Lehrerin.“

Schule, so scheint es, muss zumindest für diese Kinder, die sogar in den großen Ferien hierher kommen, viel vom Schrecken früherer Zeiten verloren haben.