Er ist „a Trumm vom Paradies“: Riedener organisiert Gäubodenvolksfest und Ostbayernschau

Für David Görgner ist das ganze Jahr Volksfest. Der 37-Jährige, der in Rieden im Landkreis Amberg-Sulzbach aufgewachsen ist und zwischenzeitlich zum Wahl-Regensburger geworden ist, ist einer der Hauptakteure im Hintergrund beim Gäubodenvolksfest und der Ostbayernschau in Straubing. Wenn derzeit täglich Zehntausende Besucher das Festgelände bevölkern, ist auch Görgner mittendrin. Er hat viel zu tun: Vom defekten Geldautomaten bis zur stockenden Klimaanlage ist alles dabei.
Es ist ein heißer Augusttag. David Görgner ist flotten Schrittes auf dem Festgelände Am Hagen unterwegs. Er trägt eine kurze Lederhose, Leinenhemd und Trachtenleiberl. Fürs Schwitzen hat der Oberpfälzer keine Zeit. Als stellvertretender Veranstaltungsleiter übernimmt er viel Verantwortung am zweitgrößten Volksfest Bayerns, das jährlich bis zu 1,3 Millionen Besucher anlockt. „Von Juni bis August stehe ich quasi unter Hochspannung“, erzählt Görgner und schon klingelt sein Smartphone.

Um was es genau geht, ist bei den Ansagen der Fahrgeschäfte, der wummernden Musik und dem Rummel auf dem Platz nicht genau zu verstehen. Doch das Problem scheint schnell gelöst. Görgner legt jedenfalls mit einem Lächeln auf und steckt sein Handy in die Hosentasche. Die Anfragen, die er während des Festes erhält, seien vielfältig, sagt er. Das kann der Anruf von einem der Aussteller sein, der plötzlich keinen Strom mehr hat. Der nächste vermisst seinen Parkausweis, ein anderer braucht unbedingt noch einen Wasseranschluss. Oder wenn die Klimaanlage in einer der Zelthallen kurzzeitig streikt, dann landet das auch bei Görgner. Auch um einen defekten Geldautomaten hat er sich schon gekümmert, erzählt der Mitorganisator.
Auch mit Influencern hat David Görgner zu tun
Doch damit nicht genug: Für die Social-Media-Kanäle von Gäubodenvolksfest und Ostbayernschau, einer der größten Verbrauchermessen Deutschlands mit rund 650 Ausstellern und Produkten wie Landmaschinen, Whirlpools und kleinen Haushaltshelfern, dreht und schneidet der 37-Jährige Videos, kooperiert mit Influencern, betreibt Neukundenakquise und kümmert sich um die Infostände und die Security auf dem Festgelände. Außerdem nimmt er an Sicherheitsbesprechungen mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst teil. Alles soll ja schließlich bei der elftägigen Großveranstaltung in geregelten Bahnen verlaufen.
Den Überblick auf dem großen Festgelände zu behalten, ist gar nicht so leicht. Auf 90.000 Quadratmetern Fläche sind Am Hagen noch bis Montag, 17. August, 29 Karusselle, ebenso viele Spielgeschäfte sowie 60 Imbiss- und Verkaufsstände aufgebaut. Es gibt sieben große Festzelte, die Görgner mit Blick auf ihre Ausmaße gern „Festbauten“ nennt. Und ein historischer Bereich lädt ebenso zum Verweilen ein. Der ist immerhin 8000 Quadratmeter groß und erlaubt eine Reise in die Vergangenheit.

Wenn es die Zeit nur ein wenig erlaubt, genießt David Görgner gern die Zeit zwischen den Volksfest-Oldtimern. Die Berg- und Talbahn „Fahrt ins Paradies“, Baujahr 1939, fasziniert den 37-Jährigen dabei besonders. Das historische Fahrgeschäft wird von Toni Schleifer betrieben und hat einen ganz besonderen Charme. Denn während der Fahrt greift der Schausteller höchstpersönlich zum Saxophon und untermalt die Fahrt. „Das ist Romantik pur“, findet Görgner und sagt damit bestimmt keine Unwahrheit. Wohl auch deshalb hat er seine Mutter Eva an deren Geburtstag in dieses Fahrgeschäft entführt.
Interaktive Wildwasserbahn feiert Weltpremiere in Straubing
Doch nicht nur die alten Karusselle faszinieren den stellvertretenden Veranstaltungsleiter. Auch die neuen Fahrgeschäfte haben es ihm angetan. Heuer feiert beispielsweise die interaktive Wildwasserbahn „Verdora Island“ ihre Weltpremiere auf dem Gäubodenvolksfest. Der TÜV hat gerade noch rechtzeitig zum Start die Freigabe erteilt. Solche Highlights, die frisch aus der Fabrik kommen, nach Straubing zu locken, ist ebenfalls der Job von David Görgner.

Der Oberpfälzer lebt in Niederbayern seinen Traum, zum zehnten Mal ist er nun schon in führender Rolle beim Gäubodenvolksfest und der dazugehörigen Ostbayernschau dabei. Das Organisieren ist ihm einfach auf den Leib geschneidert. Nach dem Fachabitur in Amberg beginnt er eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann bei Power Concerts in Burglengenfeld und hat dort zu großen Künstlern wie Joe Cocker, Bob Dylan oder Udo Jürgens Kontakt. 2014 wechselt er zur Straubinger Ausstellungs- und Veranstaltungs GmbH. 2018 bildet er sich bei der IHK Hannover zum geprüften Veranstaltungsfachwirt fort. Heute kann er als stellvertretender Veranstaltungsleiter dem zweitgrößten Volksfest Bayerns eine persönliche Note verleihen.
Die Volksfest-Pins sind ein Kassenschlager – und schon wieder ausverkauft
Und David Görgner tut das auch. Nicht nur beim traditionellen Auszug zur Festwiese mit über 3500 Teilnehmern, 120 Pferden und Ochsen und mehreren zehntausend Zuschauern setzt der Riedener jährlich Verbesserungen um. Auch die Volksfest-Pins, die sich zwischenzeitlich zu wahren Sammlerstücken entwickelt haben, sind eine Idee des 37-Jährigen.

In den vergangenen Jahren gab es sie beispielsweise als Riesenrad oder Brezel – und stets waren sie nach kürzester Zeit vergriffen. Ähnlich war es heuer. Schon nach einem Tag waren die 12.000 Pins, dieses Mal in Form eines Trachtenhutes, vergriffen. Görgner macht das freilich stolz. Etwas schwindelig wird ihm aber, wenn er sieht, für wie viel Geld die Sammlerstücke im Netz angeboten werden. Teilweise wechseln sie für mehrere hundert Euro ihren Besitzer.
Der Blick Görgners geht schon wieder nach vorne. Schon jetzt hat er Ideen für das Gäubodenvolksfest und die Ostbayernschau im kommenden Jahr. Sobald am kommenden Montagabend die letzte Maß Bier ausgeschenkt und das letzte Lied erklungen ist, wird der 37-Jährige und das Team von der Straubinger Ausstellungs- und Veranstaltungs GmbH mit ihrer Arbeit von vorne beginnen. Denn Volksfest ist für sie bekanntlich das ganze Jahr.
Das ist am Gäubodenvolksfest und der Ostbayernschau in Straubing noch geboten
• Freitag, 14. August: Schnäppchen-Freitag auf der Ostbayernschau. Mit speziellen Angeboten wollen die rund 650 Aussteller die Besucher anlocken. Die Ausstellung hat von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
• Sonntag, 16. August: Im Festzelt Weckmann findet um 9.15 Uhr der Festzeltgottesdienst statt.
• Montag, 17. August: Der letzte Festtag steht im Zeichen der Kinder und Familien. Im Vergnügungspark gelten an diesem Tag bis 19 Uhr halbe Fahrpreise für alle. Gegen 22 Uhr beendet ein Prachtfeuerwerk die Volksfestzeit.