Wechsel am Amberger Klinikum: Dr. Ramona König wird mit 39 die Chefin der Chefärzte

Von Jan Lange · 23. November 2025 um 05:00

Das Klinikum St. Marien Amberg steht vor einem Generationswechsel: Dr. Ramona König löst den bisherigen Ärztlichen Direktor Dr. Harald Hollnberger ab. Die 39-jährige gebürtige Thüringerin ist „gekommen, um zu bleiben“. Sie hat klare Vorstellungen, welche Rolle das Klinikum in Zukunft übernehmen muss.

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Das Klinikum in Amberg ist nicht nur für Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach bedeutend, sondern auch für den Landkreis Schwandorf. Fast jeder fünfte Patient des Klinikums kommt aus dem Nachbarlandkreis. Schwandorf steht neben Sulzbach-Rosenberg und der Stadt Amberg an dritter Stelle.

Sehr gute Infrastruktur

Im stationären Bereich sind es jährlich gut 4300 Patienten aus dem Landkreis Schwandorf. Sie kommen sehr häufig zur Geburtshilfe und in die Frauenklinik. Aber auch die Neurologie, die Allgemein-, die Gefäß- und die Unfallchirurgie seien laut Hollnberger gefragt.

Fast 10 000 Patienten aus dem Raum Schwandorf nutzen jedes Jahr das ambulante Angebot mit den angeschlossenen Facharztpraxen. Hier dominieren die Kinder- und die Unfallchirurgie plus Zentraler Notaufnahme, die Gynäkologie, die Onkologie, die Gefäßchirurgie, die Pneumologie und die Kardiologie.

Dass sich so viele Patienten aus dem Landkreis Schwandorf in Amberg behandeln lassen, hat aus Sicht des bisherigen Ärztlichen Direktors und seiner Nachfolgerin mehrere Gründe. Vor allem sei die Infrastruktur sehr gut. Und sie wird noch besser: Heuer wurde eine neue Abteilung für Kinderchirurgie und Kinderorthopädie geschaffen.

Wir befürworten und unterstützen die Besetzung und Fortführung von Praxen in der Fläche zur Versorgung in der ländlichen Region.Dr. Harald Hollnberger, scheidender Ärztlicher Direktor des Klinikum St. Marien Amberg

Überhaupt sei das Amberger Klinikum in den vergangenen Jahren gut aufgestellt worden, findet die neue Ärztliche Direktorin Dr. Ramona König. Für die 39-Jährige sei dies ein Grund gewesen, sich für Amberg zu entscheiden. Es sei ein ganz bewusster Entschluss gewesen, mit der gesamten Familie von Thüringen in die Oberpfalz zu ziehen. Sie sei gekommen, um zu bleiben.

Die Zukunft der Medizin müsse in ihren Augen über Stadt- und Kreisgrenzen hinausgedacht werden. Der scheidende Chef Dr. Harald Hollnberger macht dies an einem Beispiel deutlich. Über im Klinikum angestellte Notärzte werde beispielsweise der Notarztstandort Nabburg mit abgedeckt. „Das machen wir jeden Monat eine Woche lang, 24 Stunden am Tag“, so Hollnberger.

Verzahnung mit niedergelassenen Ärzten

Zwischen dem stationären Bereich und den niedergelassenen Ärzten gebe es eine große Verzahnung. „Das würden wir gern weiter ausdehnen“, wünscht sich die neue Ärztliche Direktorin. Die Verlagerung von Leistungen vom stationären in den ambulanten Bereich, die Ambulantisierung, soll künftig weiter vorangetrieben werden. „Wir befürworten und unterstützen die Besetzung und Fortführung von Praxen in der Fläche zur Versorgung in der ländlichen Region“, betont Hollnberger. In dieser Frage stehe die Klinikleitung nach eigener Aussage in engem Kontakt zu Bürgermeistern aus der Region.

In diesem Jahr wurde im Amberger Klinikum eine neue Abteilung für Kinderchirurgie und Kinderorthopädie geschaffen. Dr. Ramona König bespricht sich hier mit der Oberärztin Dr. Birgit Prey von der Klinik für Kinder und Jugendliche. - Foto: Jan Lange

Gleichzeitig soll die Schwerpunktbildung vorangebracht werden, sagt Dr. König. Das Ziel: Die Patienten sollen in der Region in allen Bereichen vollständig versorgt werden können. „Darum haben wir eine Schlaganfallversorgung mit Thrombektomie, eine Herzinfarktversorgung 24-7 und eine Neurochirurgie für die Schädelhirntraumata“, weist die neue Direktorin hin.

Da spielt im Moment die Kassenärztliche Vereinigung nicht mit.Dr. Harald Hollnberger über eine noch umfangreichere Ausbildung von Allgemeinärzten

Eine weitere Aufgabe sieht sie in der Ausbildung. So werden unter anderem vier bis fünf Allgemeinärzte vom Klinikum ausgebildet. Gern würde man noch mehr ausbilden, wie Dr. Hollnberger erklärt. „Da spielt aber im Moment die Kassenärztliche Vereinigung nicht mit.“ In den vergangenen Monaten wurde zum Beispiel ein Weiterbildungsverbund zwischen Klinikum und mehreren niedergelassenen Kinderärzten gegründet. „Zwei Kollegen werden 2026 in einer Kinderarztpraxis ihre Weiterbildung beginnen, dann nach einem Jahr wieder ihre Facharztausbildung abschließen und in die Praxis zurückgehen oder sich selbst niederlassen“, so der scheidende Ärztliche Direktor. Weitere Verbünde sind für die Gynäkologie und die Innere Medizin geplant.

Klinikum betreibt auch 17 Praxissitze

Die ärztliche Versorgung spielt auch im Landkreis Schwandorf eine wichtige Rolle – bedingt durch Schließungen von Praxen. Die Stadt Neunburg hat die medizinische Versorgung durch die Gründung eines kommunalen MVZ gesichert. Auch das Klinikum Amberg betreibt mittlerweile 17 Praxissitze, die sich überwiegend am eigenen Haus und in einer Außenstelle in der Regensburger Straße in Amberg befinden.

Dem Klinikum seien die Hände gebunden, derartige Praxen auch in der Fläche, zum Beispiel im Landkreis Schwandorf zu eröffnen, erklärt Hollnberger. Er würde sich diesbezüglich eine Wettbewerbsgleichheit mit privaten oder konfessionellen Klinikbetreibern wünschen. „Wir müssen künftig in Versorgungsregionen und nicht in Landkreisen denken“, fordert er. Bei den Planungsbehörden gebe es dieses Denkmuster bisher nicht.

„Wir müssen schon schauen, dass wir möglichst viel in der Fläche aufrechterhalten“, betont der scheidende Ärztliche Direktor. „Da hat ein kommunales MVZ wie in Neunburg eine wichtige Funktion.“ Aber nicht alles könne in der Fläche angeboten werden, macht er deutlich. Das liege auch an den Anforderungen bei speziellen Untersuchungen, die nicht in jeder Einzelpraxis erfüllt werden können. In solchen Fällen mache eine Kooperation mit einem größeren Klinikum Sinn – das heißt, dass die Sprechstunden vor Ort erfolgen, die Untersuchungen dann aber in der großen Einrichtung stattfinden.

Einen langen Atem haben

Sie müsse eine langen Atem haben und hartnäckig ihre Ziele verfolgen, rät Hollnberger seiner Nachfolgerin. „Dann kann man Dinge realisieren, die manche geglaubt haben, dass sie nie zu realisieren sind. Als Beispiel kann ich die integrative Onkologie nennen“, so Hollnberger.

Die Krankenhausreform sieht man in Amberg eher als Chance. Wenn medizinische Leistungen zentralisiert werden, müsse dies nicht bedeuten, dass bestimmte Patienten dazu keinen Zugang mehr hätten, sagt Dr. König. „Man muss aber in Synergien denken und diese auch gestalten.“

Biographisches

• Dr. med. Harald Hollnberger: 1960 in Regensburg geboren; 1982 bis 1988 Medizinstudium an der Uni Würzburg; 1993 bis 2006 Leitender Oberarzt für Anästhesie an der Klinik St. Hedwig Regensburg; 1998 bis 1999 Studium Krankenhausmanagement für Ärzte an der FH Hannover; seit Januar 2011 administrativer Leiter des Onkologischen Zentrums St. Marien Amberg und seit Januar 2014 Ärztlicher Direktor des Klinikum St. Marien Amberg

• Dr. med. Ramona König: 1986 in Schmalkalden geboren; seit 2018 Fachärztin für Anästhesie, zuletzt klinisch tätig als Chefärztin des Notfallzentrum am Zentralklinikum Suhl; ab 2024 Leiterin der Stabsstelle Kooperations- und Prozessmanagement am Universitätsklinikum Jena und seit Oktober 2025 Ärztliche Direktorin