Zu viel Verkehr: Großes Baugebiet bei Grünthal auf Eis gelegt – Springt Nahversorger nun ab?

Zwei Probleme hat der Ortsteil Grünthal in den Augen von Wenzenbachs (Landkreis Regensburg) CSU-Fraktionsvorsitzendem Emanuel Heinrich: zu viel Verkehr und fehlende Nahversorgung.
Mit der Ansiedlung eines Norma-Marktes würde ein Problem gelöst. Doch der Nahversorger will nur kommen, wenn das geplante Baugebiet Grünthal-Nord umgesetzt wird – was wiederum das Verkehrsproblem verschärfen würde, vor allem weil noch entscheidende Grundstücke für sinnvolle Anbindungen fehlen. Daher hat der Gemeinderat gegen die Stimmen der CSU beschlossen, die Entwicklung des Wohngebiets erst einmal nicht weiter zu verfolgen.
Der Antrag für eine Flächennutzungsplanänderung an der Irlbacher Straße für ein Sondergebiet Einkauf stieß im Gemeinderat auf breite Zustimmung. „Es ist dann aber doch recht deutlich geworden, dass die Norma nur tätig wird, wenn das größere Neubaugebiet kommt“, sagt Bürgermeister Sebastian Koch (SPD). Für seinen Stellvertreter aus den Reihen der Freien Wähler, Andreas Kerscher, ist das „natürlich ein Wermutstropfen“.
Wenn sich die Norma ohne das Baugebiet nicht realisieren lässt, muss man das so hinnehmen.Andreas Kerscher, stellv. Bürgermeister in Wenzenbach (Freie Wähler)
Er stellt aber auch klar: „Wenn sich die Norma ohne das Baugebiet nicht realisieren lässt, muss man das so hinnehmen.“ Und ob sich die Supermarktkette ohne neues Baugebiet wirklich direkt zurückzieht, will Wolfgang Brandl, Fraktionsvorsitzender der Grünen, erst einmal abwarten. 66 Bauparzellen umfasse der beantragte Bauabschnitt I in Grünthal-Nord, das mache vielleicht 200 Bewohner, rechnet Brandl vor. „So viel Kaufkraft ist das nicht. Für Norma könnte das auch ohne das neue Gebiet funktionieren.“ Aus seiner Sicht liege es vielmehr an den Investoren. „Die können sich jetzt outen, ob sie dort wirklich was umsetzen wollen.“
Das wäre jetzt eine einmalige Chance gewesen, einen Nahversorger nach Grünthal zu bekommen.Emanuel Heinrich, CSU-Fraktionsvorsitzender
Für bare Münze nimmt dagegen CSU-Fraktionssprecher Emanuel Heinrich die Norma-Absage. Als einzige Fraktion hatte sich die CSU für das Baugebiet ausgesprochen – vor allem,wegen des in Aussicht gestellten Markts. Heinrich ist sicher: „Das wäre jetzt eine einmalige Chance gewesen, einen Nahversorger nach Grünthal zu bekommen.“ Doch warum sperrte sich der Gemeinderat mehrheitlich gegen die Baulandentwicklung?
Die ganzen für die Gemeinde attraktiven Sachen wurden peu à peu in Bauabschnitt II verräumt und der hängt in der Luft.Sebastian Koch, Bürgermeister in Wenzenbach (SPD)
Ausschlaggebend war das zweite große Problem Grünthals neben der fehlenden Einkaufsmöglichkeit: die Verkehrsbelastung. Im Kleinen stören sich zahlreiche Gemeinderäte an den Umplanungen des Baugebiets. Dass mittlerweile die 18. Version der Planung diskutiert wurde, spricht für sich. Koch betont: „Die ganzen für die Gemeinde attraktiven Sachen wurden peu à peu in Bauabschnitt II verräumt und der hängt in der Luft.“ Wird der versprochene zweite Bauabschnitt später doch nicht realisiert, fallen Grünflächen oder ein Kinderhaus weg.
Zwei Verkehrsanbindungen fallen aus Planung
Zum anderen ist auch die Verkehrssteuerung von Bauabschnitt II abhängig. Denn erst dann soll eine neue Parallelstraße zur bestehenden Hangstraße gebaut werden. Die 66 Parzellen würden zunächst über diese enge Straße erschlossen. „Kurzfristig“, räumt Heinrich ein, „wird sich das Verkaufsaufkommen erhöhen“. Er zitiert Gutachten, die auf ein Plus von neun Prozent für das komplette Baugebiet kommen. Für den ersten Bauabschnitt geht Heinrich von vier bis fünf Prozent mehr Verkehr aus. „Langfristig hätten wir das entzerrt bekommen“, ist sich der CSU-Gemeinderat sicher.
Die Parallelstraße zur Hangstraße scheitere aktuell lediglich an einem Grundstückseigentümer. Der habe aber Verkaufsbereitschaft in sechs bis zehn Jahren angedeutet. „Aber ist dann ein Investor da, der das umsetzt?“ Heinrich sorgt sich, dass nun eine einmalige Chance verpasst wurde.
Große Gesamtplanung wurde langsam aufgedröselt
Allerdings hapert es nicht nur im Kleinen, innerhalb Grünthals, an der Verkehrsleitung. Eine angedachte Anbindung des neuen Baugebiets über die Jägerbergstraße nach Haslbach scheiterte ebenfalls an geplatztem Grundstückskauf. Diese Anbindung hätte es für Kerscher aber gebraucht: „Sonst haben wir den ganzen Verkehr in Ortsteilen, wo wir ihn eh schon zu viel haben und nicht wollen“ – auf der Grünthaler Ortsdurchfahrt nämlich.
Bürgermeister Koch habe lange um eine klare Meinung zum Baugebiet gerungen. „Grünthal hat sich deshalb ungut entwickelt, weil man immer nur Stückwerk betrieben hat“, sagt er. Die groß angelegte Planung sei daher nicht verkehrt gewesen, auch die Norma-Ansiedelung habe ihren Reiz. Nur sei der Gesamtplan aufgeschnürt worden. Brandl spricht von Vertrauen, das verspielt worden sei. Auf das Versprechen, dass der zweite Bauabschnitt folge und Verkehrsprobleme löse, wollen sich offensichtlich einige Räte nicht verlassen.
Regierung setzt Limit bei Ausweisung von Baufläche
Zumal Wenzenbach mit der Planung von Wohngebieten haushalten muss. Im Zuge der Überarbeitung des Flächennutzungsplans hat die Regierung strikte Vorgaben gemacht. Rund acht Hektar kann die Gemeinde wohl neu ausweisen. Grünthal-Nord würde allein den Großteil der Fläche binden, wie Koch sagt. „Wenn wir die 5,5 Hektar reservieren, fehlen die im Flächennutzungsplan – und das für ein Gebiet, bei dem so viel unsicher ist.“
Es ist nicht für immer gestorben.Wolfgang Brandl, Grünen-Fraktionssprecher
Dass mit der abwartenden Haltung, wie sich die Grundstücksverfügbarkeit für eine Parallelstraße ins Baugebiet entwickelt, eine einmalige Chance verspielt wird, glaubt Brandl nicht. „Das liegt jetzt erst mal auf Eis“, sagt er. Es gelte abzuwarten, wie Norma und der Baugebietsentwickler nun weiter vorgehen. Grundsätzlich steht er einem Baugebiet Grünthal-Nord weiterhin positiv gegenüber. „Es ist nicht für immer gestorben.“