Kontroverse Debatte um Ganztagsschule in Viehhausen: Umbau kostet rund 1,5 Millionen Euro

Der geplante Anbau an die Grundschule bzw. Zweigschule Viehhausen zur Einrichtung einer Offenen Ganztagsschule (OGTS) hat im Gemeinderat eine ausführliche Diskussion ausgelöst. Vorgesehen ist ein zweigeschossiger Anbau mit Flachdach in Holzständerbauweise. Das Gebäude auf einer Grundfläche von 12,52 mal 9,22 Metern soll die räumlichen Voraussetzungen für die Ganztagsbetreuung schaffen.
Die Kosten für den Anbau und den barrierefreien Umbau des Bestandsgebäudes belaufen sich nach der nun vorliegenden Entwurfsplanung auf gut 1,5 Millionen Euro. Damit liegen sie deutlich über der ersten Kostenschätzung aus dem Jahr 2025, die noch bei rund 1,2 Millionen Euro lag.
Planer erläutert den Räten die Mehrkosten
Planer Alexander von Schultz erläuterte die Ursachen der Kostensteigerung. Erst im Verlauf der Entwurfsplanung hätten sich zahlreiche zusätzliche Anforderungen wie Haustechnik, Brandschutz, Umverlegung Fernwärmeleitung, Schaffung von Parkplätzen, Budget für Spielsachen und Begrünung, Maßnahmen zur Barrierefreiheit ergeben. Zur Finanzierung erklärte von Schultz, dass für den OGTS-Anbau einschließlich des barrierefreien Umbaus derzeit mit staatlichen Fördermitteln von rund 1,1 Millionen Euro gerechnet werden könne. Eine endgültige Förderzusage der Regierung der Oberpfalz liege allerdings noch nicht vor. Grundsätzlich seien je nach Fördermodell Zuschüsse zwischen zwölf und 90 Prozent möglich. Die Gemeinde kalkuliere derzeit mit einer Förderung von rund 90 Prozent der förderfähigen Kosten. Geprüft worden sind auch mögliche Einsparpotenziale. Sie sieht der Planer beispielsweise bei der Außenfassade in Bezug auf einen Anstrich anstelle der geplanten Holzverschalung, was 24 000 Euro Ersparnis bringe.
In der Aussprache stellte Klaus Nebl (SPD) die Notwendigkeit des Anbaus grundsätzlich in Frage. Er verwies darauf, dass nach seiner Auffassung bereits genügend Räume im Grundschulgebäude in Sinzing vorhanden seien und die Kinder aus Viehhausen schon heute zur Nachmittagsbetreuung nach Sinzing gebracht würden. Zudem erinnerte er an die seit einigen Jahren rückläufigen Geburtenzahlen von 30 bis 40 Prozent in der Gemeinde. Dadurch sei langfristig auch mit sinkenden Schülerzahlen zu rechnen.
Wird so ein Auslastungsproblem geschaffen? Bürgermeister widersprechen
Aus seiner Sicht manövriere sich die Gemeinde mit den zusätzlich geschaffenen Räumlichkeiten möglicherweise selbst in ein Auslastungsproblem, denn eine Vollauslastung der vorhandenen Räumlichkeiten bedarf nach seiner Rechnung einen Kinderzuwachs von ca. 80 pro Jahr. Kritisch bewertete Nebl außerdem die Unsicherheit bei der staatlichen Förderung. Er griff dabei eine vor längerer Zeit von Dr. Bernhard Edenharter aufgeworfene Frage auf, ob die Regierung an einem Schulstandort überhaupt zwei unterschiedliche OGTS-Modelle fördere. Solange dies nicht geklärt sei, bleibe auch die Höhe der Förderung ungewiss.
Dem widersprachen Bürgermeister Martin Brix und 2. Bürgermeister Thomas Schwindl. „Ein Verzicht auf den Anbau bedeutet langfristig das Ende des Schulstandorts Viehhausen“, erkärte Brix. Schwindl betonte zudem, dass eine Offene Ganztagsschule direkt am Standort wirtschaftlicher sei als ein dauerhafter Bustransport der Kinder nach Sinzing.
Grossmann verweist auf frühere Vereinbarungen
Patrick Grossmann verwies in der Debatte auf Vereinbarungen aus der Zeit der Gemeindegebietsreform. Diese sähen vor, dass der Ortsteil Viehhausen bei der kommunalen Infrastruktur – insbesondere bei Schule und Kinderbetreuung – dem Hauptort Sinzing gleichgestellt werden soll. Die Investition in den Schulanbau sei deshalb letztlich auch eine politische Entscheidung und ein klares Bekenntnis zum Schulstandort Viehhausen.
Am Ende der Beratung billigte der Gemeinderat mehrheitlich die Entwurfsplanung einschließlich der Kostenberechnung und beauftragte die Verwaltung, die weiteren Planungsschritte sowie die Ausschreibungen vorzubereiten.