Von den Neudorfer Bürgern erbaut: Ein Schmuckstück wird 25 Jahre alt

Vor 25 Jahren hat der kleine Ort Neudorf ein neues Herz bekommen. Mitten im Dorf bauten die Neudorfer in Eigenregie eine kleine Marienkapelle. Sie schufen ein mit beeindruckenden Wandmalereien ausgestattetes Kleinod, das im Landkreis seinesgleichen sucht. Am Sonntag wird das Jubiläum mit einem Gottesdienst und einem Dorf- und Kapellenfest gefeiert.
Ein Dorffest war es auch, aus dem heraus die Idee zum Bau der Kapelle entstanden ist. Das Fest feierten die Neudorfer im Jahr 1999. Aus dem Gewinn sollte etwas für die Dorfgemeinschaft geschaffen werden – eine Marienkapelle. Im März 2000 wurde dafür ein Kapellenverein gegründet. „Fast jede Familie des Ortes gehört dem Verein an“, erklärte in einem MZ-Bericht der damalige Pettendorfer Bürgermeister Karl Meyer, selbst Neudorfer, unmittelbarer Nachbar des ins Auge gefassten Grundstücks und Gründungsvorsitzender des Vereins.
Dorfbewohner übernahmen fast alle Arbeiten selbst
Nur wenige Wochen nach der Vereinsgründung legten die Neudorfer los. Bis auf den Dachstuhl, die Spenglerarbeiten und die Marienfigur übernahmen die Dorfbewohner alle Arbeiten selbst. Neben der Anschubfinanzierung aus dem Festerlös waren es viele Geld- und Sachspenden, die das Werk möglich machten. Im Frühjahr 2001 war das Werk vollbracht – und mitten im Ort stand jetzt eine moderne kleine Dorfkapelle. Geplant hat sie der Neudorfer Architekt Günther Freisleben.
Gut vier Meter lang und 2,50 Meter breit ist das kleine, gelb getünchte Bauwerk, das bis heute rund um die Uhr allen Besuchern offensteht, die dort innehalten wollen. Denn die farbigen bleiverglasten Fenster tauchen den Kapellenraum mit der weißen Marienfigur im Zentrum in ein warmes Licht. Ein ganz besonderer Blickfang sind die Fresken, die die Regensburger Künstlerin Ivana Koubek erschaffen hat.
Ein Zyklus des Lebens an den Wänden
Sie war vom Kapellenverein mit der Gestaltung des Innenraums beauftragt worden und ließ innerhalb von zwei Wochen an den Wänden einen Zyklus des Lebens entstehen. Die Fresken zeigen ausdrucksstarke und vom Leben gezeichnete Gesichter von Menschen jeden Alters. Auf die Marienfigur blickt eine junge Frau, die ihr Kind liebevoll und schützend im Arm hält.

Bis 2018 führte Karl Meyer den Kapellenverein. Seine Nachfolge übernahm sein Sohn Hubert. Rund 65 Mitglieder zählt der Verein heute, fast alle sind Neudorfer, darunter mittlerweile auch eine Reihe von Neubürgern. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. Der Jahresbeitrag ist erschwinglich, Erwachsene zahlen acht Euro und Familien 15 Euro.
Erlös der Dorffeste fließt in den Unterhalt
Vereinszweck ist in erster Linie der Erhalt der Kapelle. „Das stemmen wir komplett aus eigenen Mitteln“, betont Hubert Meyer. Neben den Beiträgen kommt das Geld dafür aus den Dorffesten, die der Verein alle zwei Jahre veranstaltet, und aus deren Erlös auch regelmäßig Spenden an andere soziale Zwecke fließen. Die Feste spiegeln aber auch das wider, wofür die Kapelle steht. „Die Feste und die Kapelle bringen die Menschen des Dorfs zusammen, erhalten die Dorfgemeinschaft“, sagt Meyer.
Rechtzeitig zum Jubiläum erstrahlt die Kapelle nun seit wenigen Tagen wieder in neuem Glanz. Das Dach wurde gereinigt, Putz und Fenster wurden ausgebessert, die Wände außen und innen behutsam neu getüncht. Gut 5000 Euro investierte der Verein in die Arbeiten.
In den Anfangsjahren erklang das 12-Uhr-Läuten
In den Anfangsjahren wurde die Glocke der Kapelle noch regelmäßig an den Sonntagen um 12 Uhr mittags geläutet. Das ist heute nicht mehr der Fall. Aber einmal im Jahr findet hier eine Maiandacht statt und alle zwei Jahre führt am Pfingstmontag ein Flurumgang vorbei. Ansonsten ist die Marienkapelle für alle Menschen ein Ort, um zur Ruhe zu kommen. Immer wieder halten auch Radler oder Autofahrer an, um einen Blick auf das kleine Neudorfer Schmuckstück zu werfen.
Gefeiert wird das Jubiläum der Marienkapelle am Sonntag um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst an der Kapelle, Ab 11.30 Uhr beginnt dann das Dorf- und Kapellenfest am Bolzplatz in Neudorf. Musik: Für das leibliche Wohl ist bei dem Fest bestens gesorgt. Die musikalische Umrahmung übernehmen das Jugendblasorchester Pettendorf und die Neudorfer Dorfband Baker Boys.