PettenDorfladen wird fünf Jahre alt: Ein Supermarkt von Bürgern für Bürger

Am Anfang stand eine große Lücke. Sie tat sich Ende des Jahres 2019 auf, als der etablierte Supermarkt in Pettendorf im Landkreis Regensburg seine Pforten schloss. Doch nach dem ersten Schock griffen die Bürger zur Selbsthilfe: Vor fünf Jahren öffnete der einzige Supermarkt im Landkreis, der von einer Bürgergesellschaft getragen wird.
„Am Anfang haben uns alle ausgelacht“, erinnert sich Bernhard Weigl. Der neue Bürgermeister der Gemeinde Pettendorf war von Anfang an mit dabei, als sich gut zwei Dutzend Bürger vor sechs Jahren daran machten, die Nahversorgung in die eigene Hand zu nehmen. Von Beginn an ist Weigl Vorsitzender des Gesellschaftsrats und weiß noch gut, dass die großen Supermarkt-Ketten einst gar nichts davon hielten, in Pettendorf einen neuen Einkaufsmarkt zu eröffnen. Ihr Argument: Pettendorf liegt nicht an einer Straße mit überörtlichem Charakter und bringt zu wenig Kundenfrequenz.
Die Schwarze Null soll heuer kommen
Geschäftsführer Alexander Beer hält jetzt dagegen: „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt er zum Ziel, die Bürger in Pettendorf und Umgebung zu 100 Prozent mit dem täglichen Bedarf an Lebensmitteln zu versorgen. Ein Stamm von 300 bis 350 Kunden täglich ist davon offenbar überzeugt, berichtet der Geschäftsführer.Und sie haben heuer schon fleißig eingekauft.
Tun sie das auch weiterhin, dann geht Weigl davon aus, dass Ende September am Ende des Geschäftsjahres eine Schwarze Null steht – trotz einer jährlichen Tilgung von mehr als 30 000 Euro. Denn die Gesellschaft muss die Darlehen abbezahlen, die nötig waren, um den Laden einzurichten und aufzubauen. Hier hat die Gemeinde mit einer Bürgschaft von 50 000 Euro geholfen. Weigl hofft, dass der Gemeinderat deren Laufzeit verlängert.
250 Bürger beteiligten sich an dem Projekt
All das war vor sechs Jahren so noch nicht abzusehen: Als sich damals abzeichnete, dass sich in Pettendorf kein neuer Supermarkt ansiedelt, kam die Idee eines genossenschaftlich betriebenen Dorfladens auf. Die Gemeinde holte dafür einen Berater mit ins Boot. Im Juli 2020 fand sich ein Arbeitskreis zusammen, der das Projekt konkret in Angriff nahm. Nur wenige Monate später erfolgte die Gründung einer Unternehmergesellschaft mit stillen Teilhabern. Innerhalb kurzer Zeit beteiligten sich knapp 250 Bürger und Firmen. Mittlerweile haben sie sich mit insgesamt rund 150 000 Euro in das Projekt eingebracht.
Der PettenDorfladen wird von dieser Gesellschaft getragen. Sie wird vertreten von drei eingetragenen Gesellschaftern. Das waren ursprünglich Hermann Hien, Norbert Meyer und Michael Fleiner, für den zwischenzeitlich Kirsten Bruckner nachgerückt ist. Gemeinsam mit Adrian Florea, Florian Dieterle, Björn Lautenschlager und Bernhard Weigl bilden sie den Gesellschafterrat. Das ist ein ehrenamtliches Gremium, das von der Vollversammlung der stillen Gesellschafter in regelmäßigen Abständen gewählt wird.
Vollsortimenter war im Baugebiet geplant
Einfach waren die vergangenen fünf Jahre freilich nicht. Zwar wurde das außergewöhnliche Bürgerprojekt von einem enormen ehrenamtlichen Engagement getragen, es fand aber nicht überall in der Bevölkerung Widerhall. Umso mehr, nachdem in Reifenthal ein Baugebiet planerische Gestalt annahm, in dem ein neuer Vollsortimenter entstehen sollte. Das wäre aller Voraussicht nach das Aus für das Bürgerprojekt und eine Einkaufsmöglichkeit im Hauptort gewesen. Letztlich scheiterte das Baugebiet aber an einem Bürgerentscheid.

Dennoch folgten weitere Stolpersteine: Der Metzger, der sich in den Laden eingemietet hatte, kehrte Pettendorf schon nach kurzer Zeit den Rücken. Der ursprüngliche Warenlieferant hatte sein Sortiment zu sehr auf einen reinen Dorfladen ausgerichtet – sein Sortiment war nicht ausreichend. Und auch MAC Jeans hat seine in das Ladengebäude integrierte Filiale vor einiger Zeit geschlossen. Zudem zeigte sich, dass sich das Unverpackt-Konzept in seiner ursprünglichen Form nicht rechnete. „Die Nachfrage war nicht so da und der personelle Aufwand sehr hoch“, erklärt der Geschäftsführer, warum dieses Angebot deutlich reduziert werden musste.
Aus Rückschlägen werden Pluspunkte
Was zunächst wie eine Reihe von Rückschlägen aussah, wandelte sich im Lauf der Zeit in Pluspunkte. So betreibt die Bürgergesellschaft die Metzgerei mittlerweile selbst und bezieht dafür Produkte der Metzgerei Brunner in Kareth. Der Vorteil: Es kann sehr flexibel auf den sinkenden Fleisch- und Wurstkonsum, aber auch auf saisonale Produkte, wie beispielsweise in der Grillsaison, reagiert werden. Und die Metzgerei bietet täglich einen eigenen Mittagstisch an, einmal in der Woche auch für Senioren.
Nahezu verdoppelt wurde die Ladenfläche und damit auch das Angebot in dem kleinen Supermarkt. Möglich wurde das durch den Lieferantenwechsel zu Rewe. Mittlerweile gibt es im PettenDorfladen all das, was es auch in den Nahkauf-Filialen der Supermarkt-Kette gibt – zum selben Preis. Weigl und Beer sind stolz auf die Entwicklung. „Wir blicken optimistisch in die Zukunft“, sagen sie. Das liegt auch daran, dass sich der Mietvertrag für das Gebäude gegenüber der Grundschule um weitere fünf Jahre verlängert hat.
Dabei waren für die Neuausrichtung auch neue Investitionen erforderlich. Die Metzgereieinrichtung, Regale und Kühltheken mussten angeschafft und das Personal aufgestockt werden. Beschäftigte die Bürgergesellschaft anfangs noch zehn Mitarbeiter, so sind es mittlerweile 21, davon vier Vollzeitkräfte. Die meisten davon kommen aus der Gemeinde Pettendorf.
Café Dezentral ist ein beliebter Treffpunkt
„Die Leute sind mit den Aufgaben gewachsen“, lobt Weigl die Mitarbeiter. Neben dem Geschäftsführer gilt das insbesondere auch für dessen Stellvertreterinnen Martina Mönicke und Conny Busch. Letztere ist für die Bäckerei und das Café Dezentral zuständig, „einem Mosaikstein, der fest zum Projekt PettenDorfladen gehört“, wie der Vorsitzende des Gesellschafterrates betont. Und auch sehr gut angenommen wird: Gerade das Tagescafé ist zu einem beliebten Treffpunkt in der Gemeinde geworden.

Auch das abendliche Veranstaltungsprogramm ist stets gut besucht. Zudem wird das Dezentral auch von Vereinen und Privatleuten immer wieder gebucht. Ein Sorgenkind ist einzig die Öffnung am Freitagabend. Dieses Angebot wird nur überschaubar genutzt und ist zudem immer schwerer mit Personal abzudecken. Ob es weitergeführt wird, ist noch nicht entschieden, sagt Weigl.
Gefeiert wird das fünfjährige Bestehen am 10. Juli im Anschluss an die Gesellschafterversammlung. Für die Kunden gibt es in der Woche davor Jubiläumsaktionen.