Bei tropischen Temperaturen feiern Tausende mit der Feuerwehr Pettendorf

Von Thomas Kreissl · 22. Juni 2026 um 19:00

So ein Fest hat Pettendorf lange nicht erlebt. Vier Tage lang bevölkerten tausende Besucher bei strahlendem Sonnenschein und tropischen Temperaturen das Festgelände und feierten das 150-jähriges Bestehen der Feuerwehr. Das rauschende Gründungsfest zeigte eindrucksvoll: Party und Brauchtum sind längst keine Gegensätze mehr.

Ganz allein saß am Montagmorgen Festleiter Thomas Heigl auf einem Liegestuhl-am Festgelände und zog eine erste Bilanz. „Aus meiner Sicht beschreibt es gigantisch nicht im Ansatz“, gingen ihm dabei beinahe die Superlative aus. Rund 2500 bis 3000 Menschen bevölkerten am Samstag und Sonntag das Festgelände und verwandelten es an den Abenden in ein Partymeile. Nicht viel weniger waren es am Freitag und zu diesem Zeitpunkt stand noch der Festausklang am Montagabend mit der Saustoimusi aus.

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Braumeisterin Franzi Prössl zapfte mit drei Schlägen an

Doch Heigl ging es um mehr: „Der Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl waren einmalig“, schwärmte er von den letzten Tagen, die bei beständigen Temperaturen deutlich jenseits der 30 Grad alle Beteiligten gehörig ins Schwitzen brachten. Gut, dass Schirmherrin und Braumeisterin Franzi Prössl zum Festauftakt am Freitagabend mit drei gekonnten Schlägen schnell das erste Fass angezapft hatte.

Stimmung mit den Stoapfälzer Spitzbuam - Foto: Thomas Kreissl

Nach Kinderfahnenzug und Fahnenjunker-Wettbewerb am Samstag, verlangte vor allem der Sonntag den Feuerwehrleuten und ihren Gästen einiges ab. Die meisten Vereine waren schon am Morgen mit ihren Fahnenabordnungen zum Festgottesdienst in den Garten der Gaststätte Mayerwirt gekommen, wo es zum Glück viel Schatten unter den Bäumen gab. Musikalisch umrahmt wurde der Feststakt vom Jugendblasorchester Pettendorf.

Pfarrer Norbert Pabst traf dort mit seiner Geschichte von einem Mann, der sich vor Hochwasser auf das Dach rettet, sofort den richtigen Ton. Der Mann schlägt dreimal die Hilfe der Feuerwehr aus, weil er überzeugt ist, dass ihm Gott hilft. Als er ertrinkt und sich im Himmel beschwert, wird ihm beschieden, dass ihm Gott doch dreimal die Feuerwehr geschickt habe. „Gott hilft durch Menschen in der Begegnung und in der Hilfe“, betonte Pabst, der gemeinsam mit Andreas Guganeder zelebrierte, dem Pfarrer der Partnergemeinde Pettendorf in Niederösterreich.

Pfarrer Norbert Pabst segnet die Bänder. - Foto: Thomas Kreissl

Kommandant und Vorsitzender: „Es war nicht langweilig“

Zur Erinnerung an das Jubiläum hefteten Festmutter Alexandra Heigl, Festdame Kathi Schweiger, Landrätin Tanja Schweiger und von den Patenvereinen Klara Listl und Antonia Häberl Bänder an die Fahne des Jubelvereins. Die Festdamen Theresa Hofmann und Verena Weiß schmückten die Fahnen der Patenvereine.

Stolz zeigte sich die Landrätin, dass sie zusammen mit Braumeisterin Franzi Prössl die Schirmherrschaft für das Fest „meiner Heimatfeuerwehr“ übernehmen durfte. „Die Feuerwehr bringt die Menschen zusammen und steht für Gemeinschaft“, stellte sie fest und erinnerte an die letzten Tage der Vorbereitung als jeweils mehr als 100 Helfer im Einsatz waren. Auf Gemeinsamkeit setzten auch Vorsitzender Benedikt Manz und Kommandant Martin Stiegler, die zusammen einen launigen Rückblick auf 25 Jahre Feuerwehrgeschichte seit dem letzen großen Fest präsentierten „Es war nicht langweilig“, stellen sie fest.

Die Festdamen der Feuerwehr Pettendorf im Anmarsch - Foto: Thomas Kreissl

Geballte Verantwortung über 150 Jahre hinweg

Die Vorsitzenden Heribert Fleischmann und Andreas Zollner aus Kneiting und Mariaort freuten sich darüber, „dass die Feuerwehren der Gemeinde Pettendorf dieses Fest gemeinsam feiern.“ Bürgermeister Bernhard Weigl bescheinigte der Feuerwehr geballte Verantwortung und ehrenamtliche Einsatzbereitschaft über eineinhalb Jahrhunderte hinweg. Heute sei sie eine hochmoderne Hilfeleistungsorganisation und wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, erklärte er. Nach dem Rückmarsch zum Festgelände zeigte sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger kurz vor dem Festzug in großer Bierzelt-Form. Er verzierte seine Loblieder auf Feuerwehren, Ehrenamt und bayerische Bauern mit Sticheleien gegen Berlin und forderte, dass Vereine die Erlöse aus großen Festen nicht versteuern müssen.

Wegen der Temperaturen: Festzug wurde verkürzt

Viel Respekt erntete das Festleitungsteam für den Entschluss, den Festzug angesichts der Temperaturen zu verkürzen. So zogen rund 1500 Teilnehmer aus 74 Vereinen und acht Musikkapellen an hunderten Zuschauern vorbei. Zwar hatten Landrätin und Festmutter und Anwohner entlang der Strecke für reichlich Wasservorrät gesorgt, trotzdem forderte der knapp zwei Kilometer lange Marsch auf den hügeligen Straßen vor allem Musiker und Fahnenträger. Viele von letzteren ließen sich dennoch nicht davon abhalten, bei der Fahnenparade im Festzelt noch einmal ihr Können auszupacken. Das Zelt zum Brodeln brachte dabei der Pettendorfer Fahnenjunker Florian Senninger, der nach neun Jahren die Vereinsfahne abgibt, und vom ganzen Zelt bejubelt wurde.

Fahnenjunker Florian Senninger gibt alles. - Foto: Thomas Kreissl