Klärschlammverbrennung: Arbeiten Schwandorf und Würzburg künftig zusammen?

Bei der geplanten Klärschlammverbrennung in Schwandorf zeichnet sich eine neue Entwicklung ab: Das bisherige Konzept einer kompakten Anlage nur für den Raum Schwandorf und die benachbarten Landkreise steht aus betriebswirtschaftlichen Gründen inzwischen auf wackligen Beinen. Im Gespräch ist nun eine Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Abfallwirtschaft Raum Würzburg (ZVAWS). Das könnte Folgen haben für die Größe der Anlage und ihr Einzugsgebiet.
Der Grundsatzbeschluss, in Schwandorf eine Anlage zur Verbrennung von Klärschlamm zu errichten, fiel bereits im Herbst 2024. Inzwischen haben die beiden beteiligten Zweckverbände, der ZMS (Zweckverband Müllverwertung Schwandorf) und der ZTKS (Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf), ein gemeinsames Kommunalunternehmen (gKU) gegründet, das für Bau und Betrieb der Verbrennungsanlage zuständig ist. Eine Anlage zur Trocknung gibt es schon auf dem Gelände des Schwandorf Müllkraftwerks. Hier werden pro Jahr rund 45.000 Tonnen Klärschlamm entwässert – von 25 auf 90 Prozent Trockensubstanz.
Klärschlamm-Rückstände noch als Brennstoff begehrt
Der getrocknete Klärschlamm aus Schwandorf, jährlich rund 12.000 Tonnen, kann bisher in Zementwerken und Kraftwerken verfeuert werden. „Das ist ein guter Brennstoff. Und er ist CO2-neutral“, sagt ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll, der in Personalunion auch als ZTKS-Geschäftsführer fungiert. Doch der Gesetzgeber hat den Schwandorfern mittelfristig diesen Entsorgungsweg verbaut: Ab 2029 müssen die Betreiber großer Kläranlagen den Abfallstoff so verwerten, dass der wertvolle Rohstoff Phosphor daraus zurückgewonnen werden kann. Auch wenn davon die Rede ist, dass sich dieser Termin noch nach hinten verschiebt: Die Zeit drängt.
Ursprünglich war auf dem Gelände von Nabaltec und Müllkraftwerk in Schwandorf eine kompakte Anlage geplant, in der pro Jahr rund 40.000 Tonnen Klärschlamm unterschiedlichen Trockengrades zur Verbrennung angeliefert werden sollten – ein knappes Drittel gleich von der Trocknungsanlage vor Ort, die restliche Menge aus den Beständen der gut 40 ZTKS-Mitglieder.
Doch nun lautet die Devise offenbar: Es könnte auch ein bisschen mehr sein. Bei der konstituierenden Sitzung des ZTKS nach der Kommunalwahl ließ der alte und neue Verbandsvorsitzende, Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (BLS), mit der Bemerkung aufhorchen, dass es aus Kostengründen sinnvoll sei, wenn künftig in der Großen Kreisstadt Klärschlamm „aus ganz Bayern“ verbrannt werde. Der OB sprach in diesem Zusammenhang von Gesprächen mit dem Würzburger Abfallsweckverband.
Kleine Anlage „betriebswirtschaftlich nicht darstellbar“
Auf Anfrage der MZ erläuterte nun ZMS-Verbandsdirektor Knoll die Hintergründe. Abfragen bei Anlagenbauern hätten ergeben, dass ein Anlage, wie sie ursprünglich in Schwandorf geplant war, unverhältnismäßig teuer kommen werde: „Betriebswirtschaftlich ist das nach den vorliegenden Zahlen nicht darstellbar. Eine kleine Anlage ist nicht wesentlich billiger als eine größere.“

Zudem gab es laut Knoll erst im vergangenen Jahr eine Entwicklung in Bayern, „die so nicht absehbar war“. Der Würzburger Abfallzweckverband nämlich plant nach seinen Worten zwar eine eigene Trocknungsanlage, in der pro Jahr rund 60.000 Tonnen mechanisch vorbehandelter Klärschlamm weiterverarbeitet werden sollen. Doch für die etwa 14.000 Tonnen hochgetrockneten Materials, das dabei jährlich anfällt, fehle den Würzburgern pun plötzlich ein Abnehmer. Denn beim Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt, das am dortigen Standort künftig auch Klärschlamm verbrennen wollte, machte man überraschend einen Rückzieher. Schwandorf, so der Gedanke, könnte in die Bresche springen.
Knoll sieht in dieser Option einen „gewissen Charme“ für die Abfallentsorgung in Bayern – und vor allem eine Lösung, „die betriebswirtschaftlich Sinn machen würde“. Eine Anlage in Schwandorf, in der der Klärschlamm aus Würzburg und dem Verbandsgebiet des ZTKS verbrannt würde, müsste aber wohl entsprechend größer dimensioniert sein. Die Rechnung, die der Verbandsdirektor aufmacht: Pro Jahr könnten in Schwandorf bei einer derartigen Lösung künftig 75.000 Tonnen Klärschlamm zur Verbrennung angeliefert werden – 12.000 Tonnen hochgetrocknetes Material aus der Trocknung vor Ort, 14.000 Tonnen aus dem Raum Würzburg und weitere rund 52.000 Tonnen vorgetrockneter Klärschlamm vor allem aus der Oberpfalz, wo weitere Interessenten für eine Aufnahme in den ZTKS schon Schlange stehen.
Einstieg ins gemeinsame Kommunalunternehmen?
Ein Mitwirken der Würzburger wäre nach den Worten Knolls über das gemeinsame Kommunalunternehmen möglich. Der Abfallzweckverband aus Unterfranken könnte „hier einfach als dritter Gewährleistungsträger andocken“, wie der ZMS-Verbandsdirektor es formuliert. Noch ist nichts in Stein gemeißelt, und die einzelnen Zweckverbände müssten ja auch erst zustimmen. Bis zum Jahresende soll jedoch eine Entscheidung stehen.
Kompliziert wird diese noch durch die Frage nach der richtigen Technologie. Bisher ging man laut Knoll davon aus, dass die gängige Wirbelschichtfeuerung bei der Klärschlammverbrennung gesetzt sei. Doch nach den Worten des ZMS-Verbandsdirektors hat sich erst vor kurzem eine mögliche Alternative aufgetan – bei einem mittelständischer Maschinenbauer, dessen Verfahren auch hochgetrocknetes Material verarbeiten und dabei phosphathaltigen Dünger produzieren könne. Ein möglicher Vorteil sei, dass in deutlich kleinerem Maßstab gebaut und Würzburg wohl trotzdem miteinbezogen werden könnte. Knoll: „Die wissen, was sie tun. Wir müssen diese Möglichkeit ernsthaft miteinbeziehen.“
Allen Unwägbarkeiten zum Trotz – wenigstens die Grundstücksfrage für die Klärschlammverbrennungsanlage ist inzwischen geklärt. Laut dem ZMS-Verbandsdirektor hat sich der ZMS vom VAW-Rechtsnachfolger Norsk Hydro ein Areal in direkter Nachbarschaft der Trocknungsanlage gesichert. Einen weiteren Teil will nach seinen Worten die Nabaltec beisteuern und dazu ein Bestandsgebäude wenigstens abschnittsweise abreißen lassen. Bis die Anlage tatsächlich steht, wird es aber noch eine ganze Weile dauern, zumal das Problem der Phosphatrückgewinnung bisher noch nicht geklärt ist. Knoll: „Wenn wir Glück haben, ist eine Inbetriebnahme in fünfeinhalb Jahren denkbar.“
Das sagt der Bund Naturschutz zu den Plänen
Klärschlammverbrennung: In einer Stellungnahme zur konstituierenden Sitzung des Klärschlamm-Zweckverbands ZTKS erkennt die Kreisgruppe Schwandorf des Bund Naturschutz (BN) dessen Bemühen an, „sich intensiv auf die neuen gesetzlichen Anforderungen“ ab 2029 vorzubereiten. Aus Sicht des BN führt an der thermischen Behandlung von Klärschlamm „derzeit kein Weg vorbei“.
Vorteile: Hauptargument des BN sind die sogenannten Ewigkeitschemikalien wie Arzneimittel, Mikroplastik, Hormone oder anderes organisches Material, die ohne Verbrennung Böden, Grundwasser „und letztlich auch das Trinkwasser“ dauerhaft belasten würden. Darüber hinaus werde das Abfallvolumen deutlich reduziert und aus der Asche das Phosphat als wertvoller Rohstoff zurückgewonnen.
Kritik: Die Kritik der BN-Kreisgruppe richtet sich gegen eine deutliche Ausweitung des Einzugsgebiets. Diese führe nicht nur zu Akzeptanzproblemen, sondern auch zu „massiven, umweltbelastenden Transportwegen quer durch den Freistaat“.
Forderung: Die BN-Kreisgruppe fordert in diesem Sinne „deutlich kleinere Anlagengrößen mit klarem Regionalbezug“.