„Wir sind nicht mehr die Jüngsten“: Welche Zukunft haben die Hemauer Traditions-Wirtshäuser?

Von David Santl · 7. August 2026 um 05:00

„Ja, da wird viel geredet in Hemau“, sagt Bruckmeier-Wirtin Maria Ferstl nur. Sie weiß um die Gerüchte, die sich immer mal wieder um eines der größten Wirtshäuser in Hemau (Landkreis Regensburg) ranken: Wird der Landgasthof Ferstl-Bruckmeier in nächster Zeit schließen? Was Ferstl zu diesen Spekulationen sagt und welche Hemauer Wirte sich um die Zukunft wohl keine Sorgen machen müssen.

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Sperrt der Bruckmeier zu, wäre es jedenfalls ein schwerer Verlust für die Tangrintelstadt. Denn egal ob Taufe, Geburtstag oder Hochzeit: Viele Hemauer feiern quasi jedes wichtige Lebensereignis beim Bruckmeier. „Da würde schon ein großes Loch entstehen“, sagt auch Maria Ferstl, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Josef den Gasthof führt.

Aber sie seien nicht mehr die Jüngsten, gibt Maria Ferstl zu: „Ich bin 63, mein Mann ist 64. Bald haben wir das rentenfähige Alter. Irgendwann wird es für uns vorbei sein.“ Wann genau, weiß sie noch nicht. Von den Kindern will allerdings niemand den Gasthof übernehmen. Und ob sich ein Pächter findet, kann Ferstl nicht beurteilen. Aktuell sei aber noch nichts fix, schiebt sie hinterher. „Heuer und nächstes Jahr haben wir noch offen. Und dann müssen wir mal schauen.“

Im schlechtesten Fall könnte nicht nur eine seit 1867 dauernde Wirtshaus-Tradition ihr Ende finden. Hemau könnte auch einen großen Saal verlieren, der für die verschiedensten Veranstaltungen genutzt wird – von privaten Feiern über Faschingsbälle bis hin zu den Jahresversammlungen der Vereine. „Es gibt viele Anlässe, für die du einfach einen großen Saal brauchst“, betont Maria Ferstl.

Ob sich irgendwann ein Pächter findet, kann ich nicht sagen.Maria Ferstl, Wirtin des Gasthofs Ferstl-Bruckmeier

Denn gerade am Sonntag sei beim Bruckmeier immer gut was los. Nur unter der Woche könnte es ein bisschen mehr sein, sagt sie. Vor 30 Jahren habe es noch lauter Stammtische im Wirtshaus an der Beratzhausener Straße gegeben. „Doch die Mitglieder sind mit der Zeit gestorben“, sagt Maria Ferstl. Zwei Stammtische gebe es aber noch – einen sogar mit jungen Leuten.

„Aber dass man nach der Arbeit zum Kartenspielen an den Stammtisch geht, ist nicht mehr üblich“, sagt die Bruckmeier-Wirtin. Nach wie vor gibt es aber so manche Spezialität, für die der Gasthof berühmt ist. „Viele kommen wegen des Schweinebratens extra zu uns. Andere schätzen die Schnitzel sehr.“ Currywurst und Sauerbraten seien ebenso beliebt.

Beim Gasthof Schloßbräu am Stadtplatz steht mit Corinna Meier eine Nachfolgerin in den Startlöchern. - Foto: David Santl

Ähnlich sieht es beim Gasthof Schloßbräu direkt in der Innenstadt aus. „Aber bei uns waren auch die Gockerl schon immer eine Spezialität“, erzählt Wirtin Brigitte Meier-Spangler. Die Gockerl sind sicher einer der Gründe, warum „sich auf unserem Freisitz am Stadtplatz immer was rührt“, wie es Meier-Spangler formuliert.

Und so könnte es noch einige Jahre weitergehen. Denn beim Schlossbräu steht die nächste Wirts-Generation schon parat. Ihre Tochter Corinna Meier wolle den Gasthof einmal übernehmen, verrät die Wirtin. Die 24-jährige Hotelfachfrau hilft jetzt schon im Wirtshaus mit. „Da bin ich sehr froh und stolz“, sagt Brigitte Meier-Spangler. Schließlich sei auch der Schloßbräu ein echtes Traditionslokal in Hemau.

Einen großen Saal gibt es zwar nicht, aber trotzdem einen großen Raum, in dem Geburtstagsfeiern oder Vereinsversammlungen stattfinden können. „Die Leute finden es schön urig bei uns. Sie kommen gern auf ein Feierabendbier oder zum Kartenspielen“, sagt die Wirtin. Neben Hemauer Freundesgruppen zählen vor allem Ausflügler zur Kundschaft beim Schloßbräu. Die genießen vor allem den Freisitz mit Blick auf die Innenstadt.

Beim Deglbauer ist die Zukunft wohl gesichert: Lena Wein (Mitte) will das Gasthaus von ihren Eltern übernehmen. - Foto: Ulrike Semmler

Draußen sitzen zu können ist auch beim Gasthof Deglbauer in der Regensburger Straße ein großer Pluspunkt. Dort gibt es schließlich einen gemütlichen Biergarten. Wobei es mit der Gemütlichkeit oftmals nicht mehr allzu weit her ist, wie Wirtin Marion Wein verwundert feststellt. „Man merkt bei vielen Leuten richtig, dass sie unter Druck stehen. Die essen schnell, zahlen dann gleich und schon gehen sie wieder.“ Wein sieht die Ursache in der immer schnelllebiger werdenden Zeit. „Aber mir ist es wichtig, Gemütlichkeit zu verbreiten“, sagt sie.

Ein uriges Hemauer Lokal bleibt wohl erhalten

Ihre Devise: Solange die Leute da sind und was trinken, so lange lässt sie den Gasthof abends geöffnet. „Ich bin keine, die an den Abenden früh zusperren will.“ Ein uriges bayerisches Lokal sei für eine Stadt wie Hemau schließlich unabdingbar, findet Marion Wein. Und sie kann guter Dinge sein: Denn ihre Tochter Lena Wein (25) will den Deglbauer einmal weiterführen. „Das hat sie schon im Kindergarten gesagt. Und der Wunsch ist bis heute geblieben“, erzählt die Inhaberin stolz. Auch Lena Wein hat inzwischen eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht und hilft schon mit.

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Zwei echte Klassiker gibt es auch beim Deglbauer: Die Drahdewixpfeifferl, die vor allem am Volksfest beliebt sind, und Steak mit hausgemachtem Kartoffelsalat oder mit Bratkartoffeln. „Deshalb haben wir extra die Küche neu gebaut und wieder einen Gasherd eingebaut. Denn nur auf der Gasflamme werden die Bratkartoffeln schön resch“, erzählt Wein. Das fällt den Gästen offenbar positiv auf. Den Satz „Bei euch schmeckts noch wie vor 20 Jahren“ bekommt sie oft zu hören, sagt die Inhaberin.