Nach Terror in Berlin: Islamistische Gefährder im Raum Regensburg? Polizei nennt Zahlen

Es sind Fälle, die aufrütteln: Ende Juli wurden zwei mutmaßliche IS-Kämpfer in Bayern verhaftet – einer davon in Weiden. Nur wenige Tage zuvor hatte ein Islamist einen Terror-Anschlag auf den Berliner CSD verübt. Der Mann war den Behörden bekannt. Die Gefahr durch den radikalen Islam ist real – auch in Regensburg?
Auch in der Domstadt können Terroristen Fuß fassen. Das zeigt der Fall einer Frau, die im April 2024 in Regensburg festgenommen wurde. Der Vorwurf: Gemeinsam mit ihrem Mann soll sie für den Islamischen Staat (IS) jesidische Mädchen versklavt haben. Vor wenigen Monaten fällt das Oberlandesgericht München ein Urteil gegen das Paar. Die Frau muss rund neun Jahre in Haft. Schlaglichter, die zeigen: Terror ist nicht nur in Berlin eine Gefahr. Auch die vermeintliche Provinz kann zum Unterschlupf für gewaltbereite Extremisten werden. Nur: Wie groß ist diese Gefahr? Wie viele Gefährder leben im Raum Regensburg?
Dr. Florian Volm, Leiter der Stabsstelle Kommunikation und Medien im Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz, definiert auf Anfrage erst einmal den Begriff Gefährder. Das sei „gemäß bundesweiter Festlegung der Polizei eine Person, zu der bestimmte Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung begehen wird“. Der Begriff beziehe sich auf jemanden mit einem Gefahrenpotenzial – und das falle in den Bereich der Gefahrenabwehr durch die Polizei. Man solle sich bitte dorthin wenden.
Islamistische Gefährder in Regensburg und der Oberpfalz: Behörden sprechen von „niedriger einstelliger Zahl“
Michael Zaschka, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, verweist zunächst wiederum auf den Präsidenten des Landesamts für Verfassungsschutz. Dieser hatte vor wenigen Tagen von 29 Gefährdern in ganz Bayern gesprochen. Mit Verweis auf diese Aussage könne man keine weiteren Untergliederungen vornehmen. „Jedoch dürfen sie für den Regierungsbezirk Oberpfalz von einer niedrigen einstelligen Zahl an Gefährdern ausgehen.“
Islamismus in Regensburg und der Oberpfalz: Zahl der Ermittlungsverfahren hat sich verdoppelt
Die Polizei hat darüber hinaus durchaus regelmäßig mit Ermittlungsverfahren zu tun, die einen islamistischen Hintergrund haben, sagt Sprecher Zaschka. Im Jahr 2024 waren das sechs an der Zahl – 2025 schon zwölf. „Bei den sechs Straftaten im Jahr 2024 handelte es sich dabei um eine gefährliche Körperverletzung, eine Volksverhetzung, eine Bedrohung und drei sonstige Straftaten“, so der Behördensprecher. „Bei den zwölf Straftaten im Jahr 2025 liegt der Schwerpunkt bei den sonstigen Straftaten, wie zum Beispiel Androhung von Straftaten, Unterstützung einer verbotenen Vereinigung und Verbreiten von Propagandamitteln.“
Zurück zu der „niedrigen einstelligen Zahl“ von Gefährdern: Wie geht die Polizei mit diesen Menschen um? Zaschka: „Fortentwickelte Handlungskonzepte sehen kontinuierlich Gefährderansprachen und Bewertungen zu den einzelnen Gefährdern vor.“ Präventivmaßnahmen passe man an den jeweiligen Gefährder an. Mehr noch: Der Terror-Akt in der Hauptstadt hat auch Auswirkungen auf die Arbeit der Polizei im Raum Regensburg: „Im Hinblick auf Anschlagsfälle, wie zuletzt in Berlin, wird zudem anlassbezogen geprüft, ob außerplanmäßige Gefährderansprachen oder weitere Maßnahmen erforderlich und entsprechend zeitnah umzusetzen sind.“
Nach Islam-Terror in Berlin: Keine konkreten Gefährdungserkenntnisse im Raum Regensburg
Auch auf größere Versammlungen in und um Regensburg wirkt sich der Terror-Anschlag in Berlin aus – zumindest indirekt. Polizeisprecher Zaschka: „Nach dem Vorfall in Berlin werden von der Polizei weiterhin private Veranstalter intensiv beraten und mit Anmeldern von Versammlungen werden die erforderlichen Maßnahmen getroffen.“ Ziel sei es, die Sicherheit bei öffentlichen Veranstaltungen und Versammlungen bestmöglich zu gewährleisten. „Allgemein lässt sich festhalten, dass derzeit keine konkreten Gefährdungserkenntnisse vorliegen und man somit ohne Sorge zu Versammlungen und Veranstaltungen gehen kann.“