Zwei Festnahmen in Bayern: Die Oberpfalz als Unterschlupf für einen mutmaßlichen IS-Kämpfer

Zwei mutmaßliche Ex-Kämpfer der Terrorvereinigung sitzen in U-Haft. Sie sollen vor etwa zehn Jahren dem IS gedient haben. Auf Gehaltslisten tauchten wohl ihre Namen auf. Unterdessen laufen die Ermittlungen zum Weihnachtsmarkt-Anschlagsplan in Niederbayern weiter. Der hauptverdächtige Ägypter bleibt unter Meldeauflagen auf freiem Fuß.
Die Oberpfalz als Unterschlupf für einen mutmaßlichen IS-Kämpfer: Am Dienstag wurde ein 46-jähriger Syrer, der in Weiden lebt, von Einsatzkräften des Bayerischen Landeskriminalamtes mit Unterstützung der Polizeikräfte vor Ort festgenommen. Bereits am 23. Juli gab es einen weiteren Zugriff bei einem irakischen Staatsbürger (28) im oberbayerischen Traunreut. Beide sollen vor etwa zehn Jahren für den IS gekämpft haben. Einen Zusammenhang mit dem aktuellen Anschlag auf dem CSD in Berlin gibt es laut Generalstaatsanwaltschaft München nicht. Unterdessen bleibt der mutmaßliche Drahtzieher eines 2025 vereitelten Anschlags auf einen Weihnachtsmarkt im Raum Dingolfing weiter auf freiem Fuß.
Beschuldigte wurden finanziell vom IS unterstützt
Den beiden jetzt festgenommenen Männern wird vorgeworfen, für die Terrororganisation im Einsatz gewesen und monatlich finanziell vom IS unterstützt worden zu sein. Es gebe aber keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen. Aufgefallen seien die Männer bei der Auswertung sogenannter IS-Mitgliederlisten sowie Datensätzen des IS, die Informationen über die beiden Beschuldigten beinhalteten, so Sebastian Murer, der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München, zur Mediengruppe Bayern.
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Die IS-Mitgliederlisten waren dem Bundeskriminalamt (BKA) vor einiger Zeit aus den USA zugespielt worden. Sie sollen die Namen Zehntausender mutmaßlicher Mitglieder der Terrororganisation beinhalten. Bereits im April wurden entsprechende Ermittlungen gegen darin registrierte Personen, die in Deutschland vermutet wurden, bekannt. In den Dokumenten seien Namen, Kampfnamen und Geburtsdaten von mutmaßlichen IS-Kämpfern sowie eine Hauptgehaltsliste mit fast 50.000 Namen gefunden worden, berichtete im April „Der Spiegel“. Es ist davon auszugehen, dass auch die nun Festgenommenen auf diesen Gehaltslisten auftauchten.
Wie es in der Pressemitteilung weiter heißt, soll der in Weiden lebende Syrer von April bis Juli 2016 bei der IS-Polizei sowie in verschiedenen Kampfeinheiten gedient haben. Der Iraker wiederum soll von Januar bis September 2016 innerhalb der IS als Kämpfer verschiedener Einheiten im Irak und in Syrien im Einsatz gewesen sein.
Zweiter Weidener im Visier des Verfassungsschutzes
Die beiden Männer seien danach als Asylbewerber in Deutschland aufgenommen worden. Ihren aktuellen Aufenthaltsstatus konnte die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch nicht benennen.
Die weiteren Ermittlungen würden nun wegen Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ weitergeführt. Die Männer wurden mit Haftbefehlen des Oberlandesgerichts München in Haftanstalten in Bayern untergebracht. In keinem Zusammenhang steht der festgenommene Syrer mit einem Mann aus Weiden, der im Verfassungsschutzbericht 2025 als islamistischer Gefährder aufgeführt wurde. Gegen den 23-jährigen Deutschen wird ermittelt, weil er den Jihad in seinem Telegram-Kanal glorifiziert haben soll. Die Inhalte sollen auch über IS-Kanäle weiterverbreitet worden sein.
Sechs Gefährder laut Verfassungsschutz auf freiem Fuß
• Aussage: Laut Manfred Hauser, Präsident des bayerischen Verfassungsschutzes, gibt es derzeit 29 islamistische Gefährder in Bayern, davon seien sechs auf freiem Fuß. Ob der Ägypter, der mutmaßlich die Anschlagspläne für einen niederbayerischen Weihnachtsmarkt fasste, zu diesen nicht in U-Haft sitzenden Gefährdern gerechnet wird, beantworten die von der Mediengruppe Bayern angefragten Behörden nicht.
• Zahlen: Sieben von 132 Straftaten in Bayern im islamistischen Milieu wurden 2025 vom Verfassungsschutz als terroristische Handlungen eingestuft, eine Tat als Extremismus. ig
In Zusammenhang mit den noch laufenden Ermittlungen hinsichtlich des vereitelten Anschlags auf einen niederbayerischen Weihnachtsmarkt, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern mit, dass der mutmaßliche Anführer, ein ägyptischer Staatsangehöriger, sich weiterhin auf freiem Fuß befindet. Dem Haftgrund der Fluchtgefahr werde durch Auflagen begegnet, unter anderem eine Meldeauflage, heißt es. Die Auflagen würden von dem Beschuldigten auch eingehalten, so die Auskunft.
Der zweite Tatverdächtige mit syrischer Staatsangehörigkeit, der laut Generalstaatsanwaltschaft nach dem derzeitigen Ermittlungsstand eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte, befand sich nicht in Untersuchungshaft, sondern in polizeilichem Präventivgewahrsam. Die drei Marokkaner, die mutmaßlich den Lkw in die Menschenmenge des Weihnachtsmarktes steuern sollten, seien ausgewiesen worden. Die Generalstaatsanwaltschaft weist darauf hin, dass aufgrund der noch laufenden Ermittlungen keine weiteren Auskünfte zu den vereitelten Plänen des Quintetts erteilt werden könnten und für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung gelte.