„Spüre Finger heute noch“: Frau schildert sexuellen Übergriff im Neutraublinger Hallenbad

Von Philip Hell · 4. August 2026 um 19:00

Am Samstag wurde eine Frau im Neutraublinger Hallenbad (Landkreis Regensburg) Opfer eines sexuellen Übergriffs. Im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung schildert sie nun, was wirklich passiert ist – und fordert mehr Kameras im Bad. Da gibt es allerdings einen Haken.

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Sie sei ein paar Bahnen geschwommen, sagt die Frau, und habe sich danach im Dampfbad aufwärmen wollen. Dort saß ihr ein Pärchen gegenüber. Sonst habe sie niemanden gesehen – zunächst. Als sie sich mit einer Brause im Dampfbad abduschen wollte, saß auf einmal ein Mann neben ihr. Sie habe Probleme damit gehabt, den Duschkopf richtig zu bedienen, erinnert sie sich. „Der Mann griff mit der rechten Hand nach der Brause, machte sie an und fing an, mich abzubrausen. Ich dachte erst, das ist ein Scherz.“ Kurz danach habe der Mann dann damit begonnen, sich selbst abzubrausen. Mit der linken Hand habe er nach ihr gegrapscht. „Ich habe seine Hand weggedrückt.“ Gesprochen habe der Mann nicht. „Aber ich habe sein Gesicht sehr deutlich gesehen, obwohl es so dampfig war.“ Ihre Abwehrversuche hätten nichts gebracht. Immer tiefer habe ihr der Mann in den Badeanzug gegriffen. Sie sei sofort aus der Dampfsauna gestürmt. Das Pärchen habe ihr später gesagt, sie hätten gedacht, dass der Mann ihr Partner sei, weil er so etwas Intimes gemacht habe.

„Ich habe einen Schock bekommen“: Frau trifft Täter mehrfach nach sexueller Belästigung in Neutraublinger Hallenbad

Sie sei zurück auf ihre Liege und wenig später in ein Becken. Doch an Entspannung war nicht mehr zu denken. Als sie erneut zu ihrer Liege ging und sich nach ihrem Handtuch bückte, kam ihr der Mann entgegen. „Ich habe Panik bekommen.“ Die Frau interpretiert diese erneute Begegnung so, dass ihr der Mann folgte. Sie ging zum Bademeister und schilderte den Fall. Dieser schaltete einen zufällig anwesenden Polizisten ein. Der alarmierte wiederum seine Kollegen. Sie habe sich umziehen wollen – und wieder lief ihr der Mann, der sie zuvor belästigt hatte, über den Weg. „Ich habe einen Schock bekommen.“ Sie konnte sich kaum rühren. Als sie sich nach einigen Augenblicken dazu durchringen konnte, ihn doch zu konfrontieren, war er aber weg. Das ganze Hallenbad sei durchsucht worden, doch von dem Mann fehlte jede Spur.

Auch einige Tage nach dem Vorfall gehe es ihr „sehr schlecht“, sagt die Frau. „Ich spüre seine Finger heute noch. Ich habe Alpträume und sehe sein Gesicht vor mir.“ Im Polizeibericht war von „unsittlichen Berührungen“ die Rede. Für die Frau ist das eine Verharmlosung. „Es war mehr.“ Sie erzähle ihre Geschichte nicht, um Mitleid zu bekommen. Ihr gehe es darum, Frauen zu warnen. Der Mann sei hartnäckig gewesen, habe sie verfolgt. Ihr Rat: „Man muss aufpassen.“

Nach sexuellem Übergriff: Warum gibt es keine Kameras im Hallenbad in Neutraubling?

Darüber hinaus hat die Frau einen Wunsch: Kameras. Die fehlen im Hallenbad Neutraubling. Deshalb existiert kein Bild des Mannes, der sie belästigt hat. Nur eine Beschreibung: Er sehe südländisch aus, mit kurzen schwarzen Haaren, dunklen Augen, dunklem Bart und gepflegtem Erscheinungsbild. Ihrer Schätzung nach sei er zwischen 1,85 Meter und 1,90 Meter groß. Man müsse ja keine Kameras in der Dusche aufhängen, sagt die Frau. „Aber wenigstens im Ein- und Ausgangsbereich.“

Der Neutraublinger Bürgermeister Harald Stadler zeigt sich erschüttert von dem Vorfall. Das Neutraublinger Hallenbad soll ein Ort sein, an dem die Badegäste sich sicher fühlen können.“ Er bestätigt allerdings auch, dass es keine Kameras gibt. „Wir haben zwar die technischen Voraussetzungen für eine Videoüberwachungen – aber derzeit keine Genehmigung hinsichtlich des Datenschutzes.“ Das Hallenbad sei städtisch. „Und im öffentlichen Raum ist das Thema Überwachung relativ streng geregelt.“

Nach sexuellem Übergriff in Neutraubling: Bürgermeister bittet um weitere Zeugenhinweise

Man werde die Bademeister und Betriebsleiter nun jedenfalls „noch stärker auf das Thema sensibilisieren“. Zudem wolle man prüfen, „welche weiteren Vorkehrungen man treffen kann und ob gegebenenfalls nach diesem Vorfall mehr Möglichkeiten hinsichtlich einer Überwachung bestehen“. Stadler bittet darüber hinaus um weitere Zeugenhinweise: „Wenn jemand etwas zum Tathergang sagen kann, soll er sich bitte an die Polizei wenden. Wir hoffen, dass der Fall so schnell wie möglich aufgeklärt werden kann und unterstützen die Polizei natürlich so gut es geht.“ Sollte jemand in Zukunft eine solche oder andere verdächtige Situation bemerken, bitte er darum, sofort das Badepersonal anzusprechen.