Leitungswasser aus dem Hahn oder gekauftes Mineralwasser – was ist besser?

Von Susanne Geus · 13. August 2026 um 11:00

Anscheinend greifen die Deutschen lieber auf gekauftes Wasser aus dem Supermarkt zurück, obwohl das Wasser aus dem heimischen Hahn viel billiger ist. Aber ist Mineralwasser aus der Flasche wirklich besser als das Leitungswasser aus dem heimischen Wasserhahn?

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Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft haben die Deutschen 2025 durchschnittlich 122 Liter an Trinkwasser pro Tag und Person verbraucht. Dabei wurden nur 4 Prozent für Essen und Trinken genutzt. Das entspricht etwa 5 Litern pro Tag und Person.

Wird Leitungswasser kontrolliert?

Unser Leitungswasser gehört in Deutschland zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln. Es unterliegt strikten Qualitätskontrollen, die in der Trinkwasserverordnung festgelegt sind und sicherstellen, dass keine gesundheitsschädlichen Mengen an Stoffen oder Krankheitserregern enthalten sind. Die Wasserversorgungsunternehmen und verschiedene Überwachungsbehörden sorgen für die Durchführung der Maßnahmen. Zusammenfassend kann man sagen, dass für unser Trinkwasser stärkere Kontrollkriterien als für das Mineralwasser gelten.

Oft wird vermutet, dass ein hoher Kalkgehalt die Qualität des Wassers herabsetzt. Dem ist aber nicht so. Calciumcarbonat, die chemische Bezeichnung für Kalk, ist ein natürlich vorkommendes Mineral, das nach heutigem Kenntnisstand keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit hat. Kalkablagerungen in Haushaltsgeräten wie Wasserkochern oder an Armaturen sind zwar lästig und unschön, stellen aber kein Gesundheitsrisiko dar.

Medikamentenrückstände im Leitungswasser?

Manchmal werden Bedenken laut, dass im Leitungswasser Spuren von Medikamentenrückständen enthalten sein könnten. Laut dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) sind die Werte aber so niedrig, dass sie keinen Einfluss auf deine Gesundheit haben. Über die Kontrolle von Grenzwerten kann man sich auf der Seite des Bundesumweltamtes informieren. Verschiedene kommerzielle Anbieter bieten ebenfalls Tests an. In der Regel ist es möglich, die Werte auf der Website deines Wasserversorgers einzusehen.

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Für viele Haushalte ist Leitungswasser zum Anmischen von Säuglingsnahrung grundsätzlich geeignet. Ob Abkochen sinnvoll ist, hängt aber von der Situation und der Empfehlung der Hebamme oder des Kinderarztes ab. Eine Verunreinigung durch Keime am Wasserhahn oder durch die Hausinstallation kann in Einzelfällen vorkommen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, nimmt in den ersten Lebenswochen Wasser frisch aus der Kaltwasserleitung, kocht das Wasser ab und reinigt den Auslauf regelmäßig.

Vorsicht bei neuen Wasserrohren aus Kupfer beim Trinkwasser

Vorsicht ist geboten, falls kürzlich neue Kupferrohre verbaut wurden, da diese in den ersten Monaten erhöhte Mengen an Kupfer abgeben können. Eine Verunreinigung mit Blei sollte nicht vorkommen, da in Deutschland der Einbau von Bleirohren seit vielen Jahren verboten ist. Trotzdem könnten in einigen nicht sanierten Altbauten noch alte Bleileitungen verlegt sein. Auch hier hilft ein Test, denn für Blei gelten sehr hohe Grenzwerte.

Laut Verbraucherzentrale sind die Vermieter der Immobilie in der Pflicht, wenn es um die Reinheit des Trinkwassers geht. Bei Verdacht auf Verunreinigungen, sollte eine Untersuchung durchgeführt werden. Manchmal kommt es in den Gemeinden zu nicht beeinflussbaren Verunreinigungen, zum Beispiel, wenn ein Unfall passiert und Substanzen in das Trinkwasser geraten. In so einem Fall wird aber die betroffene Bevölkerung schnellstmöglich informiert.

Enthält unser Leitungswasser Mikroplastik?

Tatsächlich kommt Mikroplastik im Trinkwasser und Flaschenwasser vor. Laut Öko-Test enthält Leitungswasser allerdings geringere Mengen an Mikroplastik als Flaschenwasser.

Die winzigen Plastikpartikel stammen aus verschiedenen Quellen, einschließlich industrieller Abwässer und der Zersetzung größerer Plastikabfälle. Über die langfristigen Auswirkungen von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit weiß man noch zu wenig.

Seit Anfang 2025 forscht das Technologiezentrum Wasser des DVGW gezielt zu Mikroplastik in Trinkwasserverteilungsnetzen. Nach derzeitigem Kenntnisstand erscheint die Mikroplastik-Belastung des Trinkwassers in Deutschland sehr niedrig oder kaum nachweisbar. Sie ist laut den Forschern in jedem Fall deutlich geringer als die Belastung aus anderen Quellen. Verlässliche, belastbare Aussagen seien aber derzeit nicht möglich, da bisher nicht genug Messdaten vorliegen.

Gründe für die Verwendung von Leitungswasser

Die Vorteile von Leitungswasser liegen auf der Hand: Es ist günstig, umweltfreundlich und man braucht keine Flaschen in die Wohnung zu tragen. Auch in puncto Nachhaltigkeit hat Leitungswasser die Nase vorn. Es verursacht knapp 600-mal weniger CO2 als Mineralwasser aus der Flasche und spart Plastik.

Leitungswasser enthält wichtige Mineralien wie Kalzium, Magnesium und Kalium. Je nach Region und Wasserquelle kann die Menge der Stoffe variieren. Die Mineralien bleiben auch nach der Wasseraufbereitung in der Regel erhalten, da die Behandlungsprozesse hauptsächlich darauf abzielen, nur unerwünschte Stoffe zu reduzieren. Man sollte bedenken, dass der Mineraliengehalt im Leitungswasser allein nicht ausreicht, um den täglichen Bedarf zu decken. Die meisten Mineralien nimmt man über eine ausgewogene Ernährung zu sich.

In den allermeisten Fällen kann man Leitungswasser in Deutschland unbesorgt trinken. Wenn Zweifel, etwa an den Rohrleitungen im Haus, bestehen, kann man das Leitungswasser einfach testen lassen. Für Wasserproben von Privatpersonen gibt es mehrere Dienstleister, die eigene Labore beschäftigen. Diese findet man zum Beispiel auf der Webseite „wassertests-online.de“.