Niedrigwasser in Kelheim setzt Fischen in Donau zu: Experten mahnen zu Rücksicht an den Ufern

Von Louis Schroeder · 4. August 2026 um 18:57

Seit Wochen fehlt der Regen, die Donau führt immer weniger Wasser. Seit Längerem sind die Folgen für Schifffahrt und Tourismus deutlich sichtbar. Doch auch Wasserwirtschafts- und Naturschutz-Fachleute sind zunehmend in Sorge. Niedrige Pegel, steigende Wassertemperaturen und weitere Störungen an den Ufern setzen Fischen und anderen Wasserlebewesen zu.

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„Die Hitze sorgt für hohe Wassertemperaturen, sehr niedrige Abflüsse und macht den Fischen und Gewässerbewohnern teils schwer zu schaffen“, sagt Matthias Merkel von der Fachberatung für Fischerei beim Bezirk Niederbayern.

Auch das Grundwasser ungewöhnlich niedrig

„Es fehlt schlicht der Niederschlag“, sagt Patrik Giebel, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Landshut, im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Einzelne Gewitter seien „wie ein Eimer Wasser in der Wüste“ und sorgten höchstens punktuell für Entlastung. Für die kommenden Tage sei kein ergiebiger Regen in Sicht, der Pegel werde daher wohl weiter sinken. Besorgniserregend sei zudem, dass nicht nur die Flüsse, sondern auch das Grundwasser ungewöhnlich niedrige Werte aufweise.

„Niedrigwasser macht fast genauso viele Probleme wie Hochwasser“, betont Giebel. Flache Bereiche erwärmten sich schneller – Anfang Juli wurden in der Donau bereits Wassertemperaturen von über 27 Grad gemessen. „Je tiefer die Donau sinkt, desto schneller heizt sie sich auf“, erklärt er. Das begünstige nicht nur das Algenwachstum, sondern setze das gesamte Ökosystem unter Druck.

Für Fische wird die Hitze der vergangenen Wochen zunehmend zum Problem. „Je wärmer das Wasser wird, desto schlechter kann es Sauerstoff speichern“, erläutert Johannes Schnell vom Landesfischereiverband Bayern. Besonders kälteangepasste Arten wie Bachforellen und Huchen gehörten zu den Verlierern solcher Hitzephasen.

Der Donaupegel sinkt weiter – am Mittwochnachmittag betrug er 1,80 Meter. Wie unser Leser Reinhard Brandl auf diesem Foto festhielt, macht dies aktuell auch Baggerarbeiten möglich. - Foto: Reinhard Brandl

Zwar verfügten viele Donaufische grundsätzlich über Rückzugsmöglichkeiten, dennoch stünden sie bei anhaltend hohen Temperaturen unter Stress. Deshalb empfiehlt Schnell, bekannte Rückzugsräume möglichst nicht zu stören. Viele Fischereivereine wiesen solche Bereiche bereits als Schongebiete aus.

Auch Rudi Pfennig, Gewässerwart des Kreisfischereivereins Kelheim, beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Besonders in Donauabschnitten mit langsam fließendem Wasser gerieten die Fische zusätzlich unter Druck. Auch Angler sollten sich seiner Meinung nach fragen, ob sie fischen gehen und die Tiere bei diesen Temperaturen noch weiter belasten müssten.

Neben der Hitze könnte sich laut Landesfischereiverband mit steigenden Wassertemperaturen auch die Ausbreitung invasiver Arten wie der Grundel aus dem Schwarzmeerraum verstärken. Heimische Fischarten könnten dadurch zusätzlich unter Druck geraten. Pfennig sieht diese Entwicklung gelassener. Viele heimische Raubfische hätten sich inzwischen auf die Grundeln eingestellt. „Wir Menschen tun der Natur nicht viel Gutes, aber wir sind gut daran beraten, die Natur das selbst klären zu lassen“, sagt er.

Auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Kelheim verweist auf unsere Nachfrage auf die besondere Bedeutung der Schutzgebiete entlang der Donau. „Gerade das Naturschutzgebiet und Nationale Naturmonument Weltenburger Enge sowie mehrere FFH-Gebiete gelten in Zeiten des Niedrigwassers als besonders sensible Lebensräume.“ Erhebliche Störungen seien dort gesetzlich verboten und könnten mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

„Jeder hat das Recht, sich in der Natur aufzuhalten“

Ein gemeinsamer Appell zieht sich durch die Aussagen der Fachleute: Die Ursachen des Niedrigwassers lassen sich kurzfristig nicht ändern. Umso wichtiger sei es, die Natur nicht zusätzlich zu belasten.

„Jeder hat das Recht, sich in der Natur aufzuhalten“, sagt Pfennig. Gleichzeitig appelliert er an Besucher, sich rücksichtsvoll zu verhalten, den Müll wieder mitzunehmen und auf Lagerfeuer zu verzichten. „Wir müssen damit leben, dass es den Klimawandel gibt“, sagt der Gewässerwart weiter. Umso wichtiger sei es, bewusster mit Wasser umzugehen. Wer auf das Autowaschen oder Rasensprengen verzichte und Wasser spare, könne ebenso einen kleinen Beitrag leisten, genauso wie diejenigen, die an der Donau Rücksicht auf Tiere und sensible Lebensräume nehmen.

Gestresste Fische in großen und kleinen Gewässern

Blick in die Kneipp-Anlage in Saal - Foto: Helmut Wanner

Forellen retteten sich in die neue Kneipp-Anlage am Feckinger Bach in Saal. Unser Leser Helmut Wanner aus Bad Abbach beobachtete dies am Mittwochmorgen. Zudem war er überrascht, „wie niedrig der Wasserstand im Bach war“. An die 30 große und kleine Fische befanden sich in dem kleinen Becken. Dies sei ein Beispiel, dass Wasserlebewesen derzeit nicht nur in der Donau zu kämpfen haben.