Schiffe-Stillstand trifft Kelheim: Beschäftigte in Kurzarbeit, Gastronomie und Handel leiden

Von Martin Rutrecht · 17. Juli 2026 um 19:00

Seit Wochen liegt die Schifffahrt im Donaudurchbruch auf dem Trockenen. Mit drastischen Folgen: Die Kelheimer Betreiber melden teils Kurzarbeit an, die Gastronomie spürt einen deutlichen Gästerückgang, dem Einzelhandel fehlt das Klientel aus den Reisegruppen. Betroffene sprechen von einem „Desaster“.

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Der touristische Pulsschlag der Kreisstadt steht still. Die beliebte Schiffstour durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg ist seit Wochen eingestellt. Andreas Schweiger, Kapitän und Sprecher der Kelheimer Schifffahrtsbetriebe Stadler, Steibl und Schweiger, drückt die Misere in einem Satz aus: „Insgesamt konnten in dieser Saison bislang nur rund 50 Prozent der Einsatztage durchgeführt werden.“ Tagtäglich vermeldet die Homepage der Schiffer: „Wegen Niedrigwasser kein Linienverkehr“.

Die Trockenheit gräbt einer Hauptattraktion des Landkreises das Wasser ab, die jährlich von gut 200.000 Fahrgästen frequentiert wird. „Die Schifffahrt durch den Donaudurchbruch zählt zu den wichtigsten Besuchsanlässen in unserer Region. Das gilt für unterschiedliche Zielgruppen – von Tagestouristen über Urlaubsgäste bis hin zu Bus- und Reisegruppen“, sagt Geschäftsführer Florian Best vom Tourismusverband im Landkreis. Ohne Donaujuwel „sagen Gruppen ihre Buchung häufig vollständig ab“, erklärt Schweiger. Tagesgäste, ergänzt Best, wählten kurzfristig ein anderes Ausflugsziel.

Was längst nicht nur die Schifffahrt trifft. „Es ist definitiv weniger los“, so Pächterin Lisa Linsmeier vom Café am Donautor in der Kelheimer Altstadt. Tische würden abbestellt, Fremdenzimmer storniert. „Zum Glück fangen Radtouristen einiges auf“, sagt Linsmeier, die trotz allem zufrieden ist mit dem Gästezuspruch.

Keine Reisegruppen – kein Flanieren in der Altstadt

„Gastronomie und Einzelhandel in der Kelheimer Innenstadt profitieren in hohem Maße von den Besucherströmen der Schifffahrt“, weiß Tourismusexperte Best. Mitarbeiterinnen von zwei Bekleidungsgeschäften bestätigen ihn. „Weniger Gäste sind unterwegs, vor allem Gruppen, die sonst in die Stadt gehen, fallen weg“, sagen sie unserer Zeitung.

Mit Umbuchungen auf die Linien im Altmühltal oder die Fahrt „Rund um die Stadt Kelheim“ versuchen die Schifffahrtsbetriebe Absagen abzuwenden. Am Donnerstag konnte auch die Donau-Tour bis zur Wipfelsfurt angeboten werden. Die dortige seichte Stelle auf der Strecke zum Kloster ist laut Betreibern die Hauptursache für den Stillstand. „Die angeschwemmte Kiesbank bei Wipfelsfurt schränkt den Schiffsverkehr ein“, so Schweiger.

In der Klosterschenke war der Besuch auch schon besser. - Foto:

Deutlich zu spüren bekommt das auch die Klosterschenke Weltenburg. „Ein Desaster“ nennt Serviceleiterin Theresia Back die Situation. „Mehr als die Hälfte der Gäste“ bliebe aus. „Wir sind zwar zu Fuß, per Rad und mit Auto oder Bus auch erreichbar, aber die meisten Touristen wollen mit dem Schiff zu uns.“ Entsprechend fallen auch Reservierungen weg.

„Im Biergarten ist jetzt immer schön Platz“, versucht Back eine positive Seite hervorzuheben. Für die 140 Mitarbeiter der Klosterschenke, einschließlich Gästehaus, hätte die schwächelnde Auslastung noch keine Folgen, sagt die Serviceleiterin.

Anders sieht es bei der Schifffahrt aus. Zwar wurden die unfreiwilligen Betriebspausen genutzt, um an den Schiffen und Steganlagen Wartungs- und Konservierungsarbeiten durchzuführen. Doch ein Teil der rund 50 Beschäftigten musste „vorübergehend in Kurzarbeit gehen“, so Schweiger. Die ebenfalls etwa 50 Aushilfskräfte, die in der Hauptsaison hinzu stoßen, „konnten teilweise nicht oder nur eingeschränkt eingesetzt werden“.

Schon jetzt „erhebliche“ Einbußen beim Umsatz

Der Sprecher der Betriebe spricht wegen des langen Ausfalls der Hauptroute, die auch schon Anfang Mai betroffen war, unumwunden von „erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen und deutlichen Umsatzeinbußen“. In belastbaren (Fahrgast-)Zahlen kann er das noch nicht benennen. „Ein offenes Ohr“ für die Sorgen hätten der Landrat, der Kelheimer Bürgermeister sowie mehrere Landtagsabgeordnete in Gesprächen gezeigt. „Sie setzen sich mit den aktuellen Herausforderungen auseinander.“ Das Wetter können sie aber schwerlich beeinflussen.

Dem Fremdenverkehr gibt eine Einschätzung von Tourismusverbands-Geschäftsführer Best etwas Hoffnung: „Bereits gebuchte Urlaubsaufenthalte werden bislang nur in überschaubarem Umfang storniert.“ Angebote im Bereich Radfahren, Wandern, Kultur und Kulinarik würden gut angenommen. „Dennoch bleibt der Donaudurchbruch mit der Schifffahrt das touristische Aushängeschild der Region. Fällt dieses weg, ist die Enttäuschung bei vielen Gästen groß.“

Schweiger und seine Schifffahrtskollegen wollen „positiv auf den weiteren Verlauf der Saison blicken“. Hilfe bräuchte es vor allem von oben – Niederschläge. „Landregen wäre für die Natur, die Donau und viele weitere Bereiche dringend notwendig.“ Damit wieder Wasser untern Kiel kommt.