Blaualgen-Verdacht in Kelheim erhärtet sich: Auch zwei Badende erlitten Symptome

Das Gesundheitsamt im Landkreis Kelheim warnt inzwischen Mensch und Tier eindringlich vor dem Bad in der Donau. So steht es um die großen Badeseen im Landkreis.
Seit Dienstag herrscht Blaualgen-Verdacht an der Donau in Kelheim. Mehrere Hunde waren nach dem Baden erkrankt, einer war nach dem Bad im Donaudurchbruch sogar gestorben. Seit Mittwochnachmittag ist klar – auch zwei Teilnehmer einer Bootsfahrt, die längere Zeit im Wasser waren, litten an typischen Symptomen. Damit erhärtet sich der Verdacht. So mancher Landkreis-Bewohner fragt sich zudem, ob er sich noch sorglos in den großen Badeseen im Landkreis abkühlen kann.
So ist die Lage am St. Agatha-See in Riedenburg und am Mauerner See bei Neustadt
Für Letzteres gibt Werner Scheidl, der Kelheimer Gesundheitsamtsleiter, Entwarnung. Weder vom St. Agatha-Badesee in Riedenburg noch vom Mauerner See, die beide als EU-Badegewässer regelmäßig beprobt werden, liege derzeit ein Blaualgen-Verdacht vor. Auch für die Abens nicht.
Allerdings meldeten sich am Mittwoch beim Kelheimer Gesundheitsamt auch zwei Betroffene, die an typischen Symptomen einer Blaualgen-Vergiftung wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall litten. Sie waren laut Meldung des Landratsamts kürzlich bei einer Bootsfahrt zwischen Vohburg und Kelheim längere Zeit im Wasser gewesen. Dann hatten sich die Symptome eingestellt. Mittlerweile seien die Betroffenen aber wieder genesen.
Insofern habe sich der Verdacht einer Blaualgenblüte in der Donau weiter erhärtet, heißt es. Wenige Stunden bevor die Pressemeldung verschickt worden war, hatte Werner Scheidl, der Leiter des Gesundheitsamts erklärt, dass ihn das Thema „Blaualge“ das erste Mal beschäftige. Üblicherweise kenne man dieses von Badeseen in der Fränkischen Seenplatte etwa.
Gesundheitsamtsleiter sieht Zusammenhang mit Niedrigwasser
Im Kreis Kelheim gibt es sie immer mal wieder zum Beispiel im Essinger Altwasser der Altmühl. „Für Fließgewässer wie die Donau ist Blaualgen-Befall ungewöhnlich“, sagt Scheidl. Aktuell stehe der „letzte Beweis“ noch aus. Aber ein starker Verdacht liege nahe. Er sieht einen Zusammenhang mit dem wochenlangen Niedrigwasser. In den kommenden Tagen sollen die Ergebnisse der molekularbiologischen Untersuchungen vorliegen.
Der Name Blaualge täuscht. Das sind nämlich gar keine Algen, sondern Cyanobakterien. Sie kommen in jedem Gewässer in geringer Konzentration vor. Bei steigenden Temperaturen, viel Sonne und wenig Wind bilden sie Toxine, die für Mensch und Tier gefährlich werden können. Ein Hund hatte sich im Donaudurchbruch wohl durch das Verschlucken oder Trinken von Donauwasser oder durch das Ablecken des nassen Fells derart vergiftet, dass er in den vergangenen Tagen gestorben ist. Weitere Tiere zeigten Symptome. Von zwei Tierarzt-Praxen aus der Region sei das Gesundheitsamt „zeitlich in kurzer Folge“ darüber informiert worden, so Scheidl.
Am Mittwoch kam nun die Mitteilung, dass auch Menschen nach dem Bad in der Donau erkrankt waren.

Dietlinde Stadler, Kelheims letzte Fluss-Fischerin, ist der Donau sehr verbunden. Der niedrige Pegel schmerzt sie sehr. Privat steigt sie eigentlich im Sommer täglich beim Klösterl in die Donau, um von dort zurück ins Fischerdörfl zu schwimmen. „Das mache ich jetzt nicht mehr“, sagt Stadler. Um ihren Vierbeiner müsse sie sich auch keine Sorgen machen. „Mein Hund ist wasserscheu.“
Andere Kelheimer lassen sich das Bad im Fluss dem Vernehmen nach bislang nicht vermiesen. Da die beliebten Stellen an der Donau keine ausgewiesenen Badestellen seien, gebe es auch kein Badeverbot, so Scheidl. Am Mittwochnachmittag verschärfte das Gesundheitsamt allerdings seine Empfehlung: „Vom Baden in der Donau wird weiterhin für Mensch und Tier dringend abgeraten.“ Über neue Erkenntnisse werde man sofort informieren.
Generell seien Kinder mit Blick auf die toxische Wirkung noch stärker gefährdet als Erwachsene, so Scheidl. Ebenso sei der Aufenthalt im flachen Uferbereich wohl gefährlicher, als der inmitten der Hauptströmung, hatte Scheidl am Mittag erklärt. Weitere Symptome beim Menschen könnten Hautausschlag oder eine Bindehautentzündung in den Augen sein.
Kommt nun stark auf die Wetterlage an
Kelheimer Tierärzte, die wir kontaktierten, waren am Mittwoch nicht erreichbar. Monika Pledl von der Tierhilfe hat bei ihren Schützlingen mit Blaualgen bislang zum Glück keine Erfahrung gemacht, sagt sie.
Generell rät sie Hundehaltern, die jüngst mit ihrem Vierbeiner an der Donau waren, diesen genau zu beobachten und ihm viel zu trinken zu geben. „Ist das Tier schlapp oder einfach anders?“ Wenn der Hund brechen müsse, „würde ich sofort den Tierarzt aufsuchen“. Ebenso bei Durchfall. Dann sei eine Vergiftung womöglich schon weiter vorgedrungen.
Im Kelheimer Gesundheitsamt wartet man derweil auf das Ergebnis vom Fachlabor. „Wenn wir das Ergebnis vorliegen haben und sich der Blaualgen-Verdacht bestätigt, werden wir die Donau abschnittsweise nachbeproben.“ Auch auf die Wetterlage dürfte es laut Scheidl nun stark ankommen. Kühlere Temperaturen und Tage anhaltender Landregen könnten das Problem sprichwörtlich lösen helfen.