Überfall auf Reisebus an der A93 bei Aiglsbach: Spur der Ermittler führt nach Albanien

Von Jochen Dannenberg · 14. Juli 2026 um 19:00

Es war eine Meldung, die Tausende Urlauber in Angst und Schrecken versetzte: Mitten in Bayern, auf der A93 im Landkreis Kelheim, sollten die Insassen eines Reisebusses überfallen und beraubt worden sein. Jetzt steht fest: Die Täter erbeuteten eine hohe Summe Bargeld, das aus Drogengeschäften stammen könnte.

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Das teilt die Regensburger Staatsanwaltschaft auf Anfrage dieser Zeitung mit. Demzufolge gab es eine Festnahme, vier weitere Täter sind flüchtig. Der Festgenommene wurde angeklagt; über die Eröffnung des Hauptverfahrens ist aber noch nicht entschieden. Die Entscheidung liegt beim Landgericht Regensburg.

Der Fall, der sich in der Nacht zum 20. Oktober vorigen Jahres zugetragen hatte, sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen. Ein Überfall auf die Insassen eines Reisebusses schien ungeheuerlich. So etwas hatte es bis dahin in der Art kaum gegeben.

Dabei war einiges an dem Fall, der sich an der A93 bei Aiglsbach zugetragen hatte, mysteriös. Wer sollte es ausgerechnet auf die Insassen eines Busses abgesehen haben? Und warum? Tatsächlich handelte es sich bei dem Fahrzeug nicht um einen komfortablen Reisebus, sondern um einen kleineren Bus, der mutmaßlich eine deutsche Zulassung mit dem Teilkennzeichen „WR" hatte, das für Wernigerode im Harz steht.

Nicht das erste Mal, das ein Bus überfallen wurde

Bemerkenswert war auch, dass es sich bei den Opfern um Menschen aus dem früheren Jugoslawien handelte, die in Deutschland arbeiteten. Von Anfang an bestand deshalb der Verdacht, dass es um mehr als Bargeld und Ausweispapiere ging, die die Ganoven ihren Opfern abgenommen hatten.

Immerhin: Ein ähnlicher Fall hatte sich im April 2022 ereignet, als ein Reisebus vom Ruhrgebiet auf dem Weg nach Serbien war. Die Täter hatten bei ihrem Überfall gedacht, im Bus sei viel Bargeld versteckt. Tatsächlich war laut der späteren Anklage eine Tasche mit rund 10.000 Euro an Bord gebracht worden. Die Männer dachten aber, dass viel mehr Geld in der Tasche wäre. Inzwischen steht fest, dass es im Aiglsbacher Fall sogar um viel mehr Geld ging.

Wie der Regensburger Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher jetzt mitteilt, wird dem einen Mann, den man nach dem Überfall an der A93 gefasst hat, zur Last gelegt, zusammen mit wohl vier weiteren Tätern, die jedoch flüchtig sind, am 20. Oktober gegen 3.30 Uhr in der Nähe von Aiglsbach einen Reisebus ausgeraubt zu haben. Hierzu sollen die Verfolgten eine Polizeikontrolle nachgeahmt haben, indem sie mit rotem und blauem Licht das Blaulicht und die Kelle der Polizei nachahmten.

„Daraufhin folgte der Reisebus, der auf der Bundesautobahn 93 mit Ziel Albanien unterwegs war, den Verfolgten und hielt an. Daraufhin sollen der Angeschuldigte und mindestens zwei weitere Personen aus dem Pkw ausgestiegen sein, wobei sie maskiert waren und am oder vor dem Körper Schreckschusswaffen trugen“, beschreibt der Oberstaatsanwalt das weitere Vorgehen der Gangster. Die Verfolgten sollen sodann vom Fahrer des Busses die Herausgabe des Führerscheins und Fahrzeugscheins sowie von einer Zeugin die Herausgabe des Personalausweises gefordert haben diese Dokumente auch erhalten haben. Des Weiteren sollen die Verfolgten den Bus gezielt nach einem Versteck für Drogengeld durchsucht haben und letztlich Gelder in Höhe von circa 36.000 Euro entwendet haben.

Angeschuldigter schweigt sich zur Tat aus

Hintergrund war wohl, dass den Verfolgten bekannt war, dass albanische Betäubungsmittelhändler die aus Betäubungsmittelgeschäften stammenden Gelder auch mittels Reisebussen nach Albanien bringen.

Die Anklage, so Oberstaatsanwalt Rauscher weiter, legt dem Angeschuldigten räuberischen Angriff auf Kraftfahrer, besonders schweren Raub sowie besonders schwere räuberische Erpressung zur Last. Der Angeschuldigte befindet sich seit 22. Oktober 2025 in Untersuchungshaft.

Der Angeschuldigte habe sich bislang nicht zu den gegen ihn erhobenen Tatvorwürfen eingelassen. „Für ihn gilt uneingeschränkt die Unschuldsvermutung“, betont der Oberstaatsanwalt. „Das Landgericht Regensburg wird im weiteren Verlauf über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden haben.“ Ein Termin steht noch nicht fest.