Vorfreude beim Brauereichef steigt: 150.000 Liter Bier warten auf ihren Einsatz

Traditionell ist genau festgelegt, welche der drei Neumarkter Brauereien ihr Bier auf dem Jura-Volksfest ausschenken darf. In diesem Jahr werden vor den Jurahallen wieder gelbe Sonnenschirme aufgespannt. Das heißt: 2026 ist die Neumarkter Glossnerbräu wieder dran. Brauereichef Michael Gloßner hat mit unserem Medienhaus über das Fest, die Vorbereitungen und die Zukunft des Bierkonsums in Bayern und in Neumarkt gesprochen.
Der wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern – hin zu leichteren Bieren mit kaum Alkohol oder sogar null Alkohol, sagt Gloßner. Wenn auch langsam. Schon jetzt liegt der Anteil alkoholfreien Biers, das auf dem Neumarkter Volksfest über die Theke geht, bei acht bis neun Prozent. „Der Anteil an alkoholfreiem Bier wird sich zukünftig auf deutlich über zehn Prozent steigern“, ist er überzeugt.
Glossner-Festbier gibt es das ganze Jahr über
Deswegen hält Gloßner den Test, auf dem Frühlingsfest nur noch Helles anstatt Festbier auszuschenken, für überhaupt nicht verwerflich. Man müsse eben schauen, was die Bevölkerung annimmt und was nicht. „Am Ende entscheidet der Verbraucher, was er will.“ Auch der Versuch auf dem Frühlingsfest, Bier in Halbe-Krügen auszuschenken, sei seiner Meinung nach der richtige Weg gewesen. Nicht nur, dass die Halbe dann kühler und frischer ist: Gäste überlegen sich eher, kurz vor dem Gehen noch eine Halbe zu bestellen als einen ganzen Liter Bier.
Beim Frühlingsfest hatte es Bier in Halbe-Krügen nur bis 18 Uhr gegeben – um den Bedienungen beim Ansturm am Abend die Arbeit zu erleichtern. Diese können nicht gleichzeitig Halbe-Krüge und Maßkrüge auf den Tischen abstellen. Für die Zukunft schlägt Gloßner vor, die Halbe auch am Abend noch auszuschenken – aber nur zum Abholen am Ausschank. Da bedürfe es aber natürlich noch Absprachen mit Festwirt Marco Härteis. In diesem Jahr ist das Thema „Helles“ nun erst einmal vom Tisch. Beim Volksfest gibt es Festbier.
Die Menschen in Neumarkt verbinden das Volksfest traditionell damit. Für die Glossnerbrauerei bedeutet das Einbrauen des speziellen Bieres keinen zusätzlichen Aufwand. Das Unternehmen hat das ganze Jahr über Festbier im Angebot – Schneeglöckl und Frühlingsglöckl heißen die Sorten, die es dann gibt. Die 150 000 Liter eigens eingebrautes Festbier für das Jura-Volksfest lagern natürlich schon seit einigen Wochen in den großen Tanks der Traditionsbrauerei in der Schwesterhausgasse.
Der Anteil an alkoholfreiem Bier wird sich zukünftig auf deutlich über zehn Prozent steigern.Michael Gloßner, Brauereichef und Volksfestbräu
Festbier zeichnet sich vor allem durch einen höheren Stammwürzegehalt und dadurch mehr Alkohol aus. Es ist in der Regel vollmundiger und malziger und hat eine etwas dunklere Farbe. Ausgeschenkt wird das Bier aus großen Tanks – auch, wenn es nach außen hin so aussieht, als käme es vom Fass. Die Technik für den Ausschank – die Anschlüsse, Kühlschränke, Durchlaufkühler – die Theken, die Fassattrappen, die Biergarnituren für den Biergarten und die Sonnenschirme muss alles von der Brauerei für den Festwirt bereitgestellt werden.
Mehrere Tage lang vor dem Volksfest fährt daher ein Fahrer Lkw für Lkw mit Material zum Volksfestplatz, um alles anzuliefern. Auch die alkoholfreien Getränke – Limo, Spezi, Mineralwasser aus dem Neumarkter Mineralbrunnen – kommen von der Brauerei. Insgesamt zwölf Personen des Unternehmens sind für mehrere Wochen in irgendeiner Weise mit dem Volksfest beschäftigt. Damit da nicht zu viele Überstunden anfallen, wird zum Teil in einem Mehrschichtmodell gearbeitet.
Neue Anlage zur Flaschen-Abfüllung: Meilenstein in der Brauerei-Geschichte
Denn das Volksfest und andere Feste im Landkreis sind derzeit nicht die einzige Baustelle, die Michael Gloßner und seine Mitarbeiter beschäftigen. Die Brauerei investiert zurzeit rund vier Millionen Euro in eine neue Glasflaschen-Abfüllanlage – ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte, der seit nunmehr vier Jahren schon in Planung ist.
Wenn in unserer Branche mittlerweile auch viel automatisiert ist: In jeder Flasche steckt Handwerk und Herzblut drin.Michael Gloßner, Brauereichef und Volksfestbräu
Die Anlage wird gerade aufgebaut und soll im September in Betrieb genommen werden. In der Hochsaison sei das für Gloßner und seine Belegschaft eine große Herausforderung, Abläufe seien nicht wie gewohnt. Doch die Aufregung und Freude im Team ist groß. Steckt doch hinter der Investition nicht nur eine Verbesserung der Infrastruktur und ein großes Potenzial für Energieeinsparungen. Die neue Anlage sei auch ein Bekenntnis, sagt Michael Gloßner.
Zur Brautradition, zum Standort Neumarkt, zum Mehrwegsystem und zum Handwerk, das dahintersteckt. Denn auch, wenn sich die Zeiten ändern. Wenn die Menschen mittlerweile weniger Alkohol trinken und nach alkoholfreien Alternativen suchen. Wenn auch in der Branche vieles mittlerweile automatisiert abläuft – das Herzblut, das hinter jeder Flasche oder jedem Krug Bier stecke, das honorieren die Menschen, sagt Gloßner. Darauf freut er sich beim Volksfest am meisten. Er wird jeden Tag auf dem Festgelände sein und die fünfte Jahreszeit ebenso genießen wie die Neumarkter.