Sengenthaler Firmengruppe Max Bögl nutzt Energieüberschuss und heizt Gebäude mit Eis

Von Eva Gaupp · 3. August 2026 um 05:00

Die Energiewende ist auch eine Wärmewende: Denn Ziel ist es, ohne Öl und Gas zu heizen. Gleichzeitig steigt der Energiebedarf auch im Sommer, weil sich Gebäude massiv aufheizen. Die Firmengruppe Max Bögl aus Sengenthal (Landkreis Neumarkt) hat dafür eine Lösung gefunden, die nicht nur für Krankenhäuser oder Kindergärten interessant ist, sondern auch für Wohnviertel.

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„Mit einem Anteil von über 60 Prozent leisten erneuerbare Energien von Photovoltaik über Windkraft bis hin zu Speicherlösungen bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgung“, sagt Jörg Zinner, Leiter des Bereichs Energie in der Firmengruppe Max Bögl. Damit seien sie zu einer tragenden Säule der Energiewende geworden.

So sehen die Leitungen aus, die im Eisspeicher verlegt werden und ein Wasser-Glykol-Gemisch enthalten. - Foto: Max Bögl/Florian Paul

Die eigentliche Herausforderung liege aber nicht mehr nur in der Erzeugung von erneuerbarem Strom, sondern in seiner intelligenten Nutzung: Es brauche Batteriespeicher, aber ebenso Wärmespeicher. „Sie entlasten die Stromnetze, reduzieren den Strombedarf von Wärmepumpen insbesondere im Winter und machen erneuerbare Energie für die Wärmeversorgung dauerhaft nutzbar“, erklärt Zinner. Denn vor allem an kalten Wintertagen stoßen viele Wärmepumpensysteme an ihre Grenzen: Je niedriger die Außentemperatur, desto mehr Strom brauchen sie.

Robert-Koch-Institut: Rund 10.000 Hitzetote in Deutschland

Da kommt der Luft-Eisspeicher der Max Bögl Wind AG ins Spiel. Er eignet sich zwar nicht dafür, Energie zu speichern, um diese zu einem späteren Zeitpunkt als Strom zur Verfügung zu stellen. Er speichert jedoch Energie, um daraus Wärme oder Kälte zu produzieren. Konzepte für eine umweltverträgliche Heizung werden schon lange diskutiert – „das Thema Kühlen wurde bisher sträflich vernachlässigt“, sagt der Diplomingenieur.

Doch die heißen Temperaturen auch in diesen Tagen machen deutlich, wie sehr das Thema drängt. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der Hitzetoten in Deutschland bis Mitte Juli auf rund 10.000 Menschen. Gleichzeitig fressen Ventilatoren und Klimaanlagen zusätzlichen Strom, der weitere Kosten verursacht, während eigentlich Strom eingespart werden soll.

Jörg Zinner (53) ist Diplomingenieur - Foto: Eva Gaupp
Bei 40 Grad Außentemperatur weiter zu heizen, ist nicht mehr zeitgemäß.Jörg Zinner, Leiter des Bereichs Energie bei der Firmengruppe Max Bögl

Das Sengenthaler Unternehmen forscht schon seit Jahrzehnten an Möglichkeiten, Energie zu speichern. 2020 begann die Arbeit an dem Luft-Eisspeicher, den das bayerische Wirtschaftsministerium vor wenigen Tagen mit dem Bayerischen Energiepreis ausgezeichnet hat. 2022 sei in Pleinfeld das erste Pilotprojekt realisiert worden, berichtet Jörg Zinner. Von 2023 bis 2025 dauerte die Produktion der sogenannten „Nullserie“, das heißt, die Speicher wurden in einer Art Testlauf seriell gefertigt. Inzwischen könne das Unternehmen etwa fünf Anlagen pro Monat herstellen und montieren.

Ziel sei nicht, möglichst schnell möglichst viele Luft-Eisspeicher zu verkaufen, betont der 53-Jährige. „Wir wollen organisch wachsen.“ An erster Stelle stünden Zuverlässigkeit und Qualität der Anlagen – nicht der Druck, mit dem neuen Produkt möglichst schnell Umsatz zu generieren. „Bei Max Bögl legen wir großen Wert auf innovative Ansätze. Daher wurde die Entwicklung des Luft-Eisspeichers zielgerichtet mit dem Know-how eigener Mitarbeiter vorangetrieben.“

Die Wirkungsweise des Luft-Eis-Speichers ist komplex. Doch Jörg Zinner erklärt sie anhand eines einfachen Beispiels: Es dauert lang, bis ein See zugefroren ist, und es braucht ebenfalls seine Zeit, bis das Eis wieder geschmolzen ist. „Das liegt an der Energie, die notwendig ist, damit sich Wasser in Eis und Eis in Wasser verwandelt.“

Am Standort im Gewerbegebiet Tauernfeld, wo die Firmengruppe Max Bögl die Komponenten produziert, befindet sich auch die Technikzentrale für eine Anlage. - Foto: Max Bögl/Florian Paul

Das Unternehmen nutzt genau diese Energie. Dafür hat sie ein Wasserbecken entwickelt, das drei Meter unter der Erde liegt und von Leitungen durchdrungen ist, in denen sich eine Sole-Mischung befindet. Gespeist wird das System über Wärmepumpen.

Module werden von Max Bögl bereits vorgefertigt

Die Komponenten bestehen aus vorgefertigten Modulen, so dass die Größe der Anlagen variabel ist und die Installation zeitlich überschaubar. Rentabel sind sie jedoch nur bei größeren Gewerbebauten, Schulen, Krankenhäusern – aber auch für Wohngebiete, in denen entweder schon Luft-Wärmepumpen im Einsatz sind und ein Luft-Eisspeicher helfe, Energie zu sparen, zählt Jörg Zinner auf. Die Anlage könne jedoch auch von vorneherein für Wohnquartiere als Wärme- sowie Kältequelle installiert werden.

Die Erfindung kommt zum richtigen Zeitpunkt: Denn der Gesetzgeber hat alle Städte und Gemeinden verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung auf den Weg zu bringen. Auch die Kommunen im Landkreis Neumarkt müssen prüfen, ob und wie sie ihren Bürgern Nahwärmenetze anbieten können. „Wir sind mit mehreren Kommunen in Kontakt“, bestätigt Zinner und stellt zwei Vorteile des Luft-Eisspeichers heraus.

Zum einen könnten Gebäude damit nicht nur geheizt, sondern im Sommer auch kühl gehalten werden. Genau dieser Bedarf zeigt sich in diesen Tagen in Altenheimen, Krankenhäusern und Schulen.

Zum zweiten heize eine Hackschnitzelheizung noch in der größten Hitze, weil warmes Wasser benötigt werde. Die Böglsche Anlage hingegen nutze dann die warme Luft als Energiequelle. Deshalb sagt Jörg Zinner: „Bei 40 Grad Außentemperatur weiter zu heizen, ist nicht mehr zeitgemäß.“